Lilium baut den ersten elektrischen Jet, der vertikal abhebt und landet. Damit will das Unternehmen die regionale Mobilität radikal verändern. Im Interview erzählt uns Patrick Nathen, Mitgründer von Lilium, warum er trotz aller Hürden für das Gründen von Hardware-Startups plädiert. 

 Welches Problem möchtet ihr mit Lilium lösen? 

Es gibt ein doppeltes Mobilitätsproblem insbesondere in den Städten. Einerseits sind die CO2-Emissionen zu hoch. Andererseits gibt es zu viel Verkehr auf zu kleiner Fläche. Wir wollen deshalb den Verkehr in die Luft verlagern, ohne dabei CO2 auszustossen. Und dies tun wir mit einem Flugshuttle, der vertikal startet und landet und ein Spitzentempo von 250 km/h im Reiseflug erreichen kann. 

Wieso sollten Städte mit dem Lilium Jet die ganze Mobilität auf den Kopf stellen? 

Unser Ziel ist es, die aktuellen Mobilitätsprobleme mit unserer Technologie zu lösen. Dabei ist es erstens ein Vorteil des Lilium Jets, dass durch das vertikale Abheben und Landen wenig Platz benötigt wird. Zweitens emittieren unsere elektrischen Jets kaum Lärmemissionen, was den innerstädtischen Betrieb ermöglichen und für Akzeptanz in der Bevölkerung führen wird. Drittens wird der Liliujm Jet das Strassennetzwerk am Boden entlasten. 

Was waren die Reaktionen von Investoren auf eure Idee? 

Es ist allgemein schwer, in Europa als Hardware-Startup an VC-Geld zu kommen. Wir bezeichneten uns deshalb stets als Deep Tech. Trotzdem war es natürlich high risk capital, das wir benötigten und Investoren mussten entsprechend risikoaffin und visionär sein. Einer unserer ersten Investoren sagte uns damals: «Mein Herz sagt ja, mein Kopf sagt nein». Das Herz hatte gesiegt, er investierte 500’000 Euro und brachte weitere visionäre Geldgeber ein. 

 Wenn nicht die Investorensuche, was war dann die bisher grösste Herausforderung? 

Das war die Transformation vom Startup zur Aerospace Company und das zeitgleiche Voranbringen der Kommerzialisierung der Personenbeförderung. Man trifft auf viel Widerstand und Unglaube. 

Wie bist du mit diesem Widerstand umgegangen? 

Klar ist man am Anfang gekränkt. Wir wollten schliesslich nie etwas Falsches machen. Im Gegenteil: Wir wollten Technologien entwickeln, mit denen wir unserem Planenten helfen können. Kritiker erkennen nicht wie hart es ist, so etwas aufzubauen. Sie werden auch nie sehen, mit wie viel Ambition das einhergeht. Dafür werden sie auch nie am eigenen Körper erfahren, wie befriedigend es ist, wenn sich das Durchhaltevermögen auszahlt und man sieht, dass man einen Impact hat. 

Wolltest du schon immer eine eigene Firma gründen oder wie kam es dazu? 

Ich war nie der Corporate-Typ. Zum Startup kam ich eher durch Glück. Sebastian, ein Mitgründer von Lilium, hatte ich nämlich am ersten Tag kennengelernt, als ich nach München zog. Er hatte unseren Mitgründer und ehemaligen CEO kennengelernt und war auch der ursprüngliche Kern der Idee.  «Let’s do it», war meine prompte Antwort, als ich von dem Vorhaben das erste Mal gehört hatte. Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Die Hochs und Tiefs mit Lilium haben mir gezeigt, dass es nichts Spannenderes gibt als die Startup-Welt. Und mittlerweile gibt es Gründergeschichten, für die wir die Inspiration waren. Wir wissen von Hardware-Startups, die mit uns als Vorbild gegründet wurden. Das ist ein unglaublicher Motivationsboost für unser Team. 

Und zu wem schaust du auf? 

Zu meiner Frau. Sie ist so etwas wie ein Co-Co-Founder, denn ohne den starken Rückhalt von ihr wäre ich nicht hier. Es wird oft unterschätzt, was das Gründen eines Startups für einen Einfluss auf das Privatleben hat. Vor lauter «höher, schneller, weiter», werden dann andere Prioritäten vernachlässigt und das wird man schnell bereuen. Meine Frau hilft und hat mir immer geholfen, die Balance zu halten und nach vorne zu schauen, denn nichts ist wichtiger als Personal Health. Das sollte man niemals vergessen, denn ohne den privaten Rückhalt wird es schwer sein, alles zu schaffen und diese Unterstützung ist keine Selbstverständlichkeit. Das sollte jede:r Gründer:in maximal zu schätzen wissen  

Welchen Tipp gibst du einem Gründer, der ein Hardware-Business aufbauen möchte? 

Don’t quit. Ein Hardware-Startup aufzubauen, erfordert unglaubliche Belastbarkeit und Resistenz gegen Rückschläge. Ausserdem braucht es viel Zeit und Geld: Die Cash-Burn-Rate ist hoch und Ziele sind nicht immer so schnell erreichbar wie geplant. Doch wenn man sich geschlagen gibt, kommt man nirgends hin. Ausserdem braucht es Hardware-Innovation in Europa. Hardware setzt dort an, wo Net-Positive-Impact kreiert werden kann. Also nochmals: «Don’t quit, you’ll make it.” An dieser Stelle auch ein Appell an Investoren: Ihr müsst Risiken eingehen, den Gründerteams vertrauern und an ihre Produktinnovationen glauben. 

Euer Team wuchs auf 800 Personen während 8 Jahren: Wie habt ihr dieses Wachstum hingekriegt?  

Ein grosser Faktor ist unsere Vision. Die hat brillante Leute angezogen. In ersten Skalierungsphasen haben unsere Mitarbeitenden proaktiv das nächste Nötige an Strukturen aufgebaut, die dann wiederum für den nächsten Wachstumsschub hilfreich waren. 

Der Ausbruch des Corona-Virus war aber natürlich auch ein riesiges Hindernis für den Wachstumsschritt von 400 auf 800 Mitarbeitende. Alles musste nach Hause verlegt werden – ausser Produktion und Testing. In dieser Situation war es sehr herausfordernd, die Unternehmenskultur aufrechtzuerhalten. Es brauchte ein ausserordentlich starkes Leadership-Team. 

Gibt es etwas, das ihr beim Leadership anders handhabt als die Mehrheit? 

Wenn wir Management-Positionen neu besetzen, fragen wir Bewerber:innen insbesondere nach Dingen, welche die Person anders machen möchte als sie es in vergangenen Positionen gemacht hat. Das ist die Schlüsselfrage. Denn wir wollen niemanden einstellen, der beispielsweise Airbus-Prozesse über uns stülpen möchte, das ginge für uns nicht auf. Ein schönes Resultat von dieser Vorgehensweise ist unser CEO, der nicht aus dem Founder-Team ist, sondern rekrutiert wurde. Unser neuer CEO hinterfragt alles, was etwas zu langsam klingt. Er verhält sich wie ein Founder, auch wenn er keiner ist. 

 Wieso hat kein Gründungsmitglied die CEO-Position inne? 

Wir vier Gründer hatten miteinander vereinbart, dass wir immer wenn wir jemand Besseres für unser Position finden, diese Person einstellen. In der Regel steht diesem Vorgehen viel Ego im Weg. Man meint immer, die Gründer müssten bei den grossen Themen verantwortlich sein. Das ist der grösste Trugschluss. Dein Job als Gründer:in ist es, das Fundament und die Unternehmenskultur zu definieren, danach dürfen es gern andere übernehmen. 

Wieso seid ihr in die Schweiz gekommen für einen Auftritt am Start Summit 2023? 

Um Präsenz zu zeigen. Als grosses Startup in Europa sehen wir uns als Teil der Community. Und wir wollen Inspiration geben. Ausserdem haben wir Vieles zu zeigen, wie beispielsweise den Highspeed Flight von unserem Prototyp. Kurz: We proved them wrong after 8 years of naysaying. Man kann viel mehr als einem zugetraut wird. 

Alyssia Kugler

"Interviews mit Startups zu führen, ermöglicht es mir unserer Leserschaft Inspiration, Erfahrungswerte und authentische Einblicke ins Gründerleben und den Unternehmensaufbau zu geben."

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Lilium baut den ersten elektrischen Jet, der vertikal abhebt und landet. Damit will das Unternehmen die regionale Mobilität radikal verändern. Im Interview erzählt uns Patrick Nathen, Mitgründer von Lilium, warum er trotz aller Hürden für das Gründen von Hardware-Startups plädiert. 

 Welches Problem möchtet ihr mit Lilium lösen? 

Es gibt ein doppeltes Mobilitätsproblem insbesondere in den Städten. Einerseits sind die CO2-Emissionen zu hoch. Andererseits gibt es zu viel Verkehr auf zu kleiner Fläche. Wir wollen deshalb den Verkehr in die Luft verlagern, ohne dabei CO2 auszustossen. Und dies tun wir mit einem Flugshuttle, der vertikal startet und landet und ein Spitzentempo von 250 km/h im Reiseflug erreichen kann. 

Wieso sollten Städte mit dem Lilium Jet die ganze Mobilität auf den Kopf stellen? 

Unser Ziel ist es, die aktuellen Mobilitätsprobleme mit unserer Technologie zu lösen. Dabei ist es erstens ein Vorteil des Lilium Jets, dass durch das vertikale Abheben und Landen wenig Platz benötigt wird. Zweitens emittieren unsere elektrischen Jets kaum Lärmemissionen, was den innerstädtischen Betrieb ermöglichen und für Akzeptanz in der Bevölkerung führen wird. Drittens wird der Liliujm Jet das Strassennetzwerk am Boden entlasten. 

Was waren die Reaktionen von Investoren auf eure Idee? 

Es ist allgemein schwer, in Europa als Hardware-Startup an VC-Geld zu kommen. Wir bezeichneten uns deshalb stets als Deep Tech. Trotzdem war es natürlich high risk capital, das wir benötigten und Investoren mussten entsprechend risikoaffin und visionär sein. Einer unserer ersten Investoren sagte uns damals: «Mein Herz sagt ja, mein Kopf sagt nein». Das Herz hatte gesiegt, er investierte 500’000 Euro und brachte weitere visionäre Geldgeber ein. 

 Wenn nicht die Investorensuche, was war dann die bisher grösste Herausforderung? 

Das war die Transformation vom Startup zur Aerospace Company und das zeitgleiche Voranbringen der Kommerzialisierung der Personenbeförderung. Man trifft auf viel Widerstand und Unglaube. 

Wie bist du mit diesem Widerstand umgegangen? 

Klar ist man am Anfang gekränkt. Wir wollten schliesslich nie etwas Falsches machen. Im Gegenteil: Wir wollten Technologien entwickeln, mit denen wir unserem Planenten helfen können. Kritiker erkennen nicht wie hart es ist, so etwas aufzubauen. Sie werden auch nie sehen, mit wie viel Ambition das einhergeht. Dafür werden sie auch nie am eigenen Körper erfahren, wie befriedigend es ist, wenn sich das Durchhaltevermögen auszahlt und man sieht, dass man einen Impact hat. 

Wolltest du schon immer eine eigene Firma gründen oder wie kam es dazu? 

Ich war nie der Corporate-Typ. Zum Startup kam ich eher durch Glück. Sebastian, ein Mitgründer von Lilium, hatte ich nämlich am ersten Tag kennengelernt, als ich nach München zog. Er hatte unseren Mitgründer und ehemaligen CEO kennengelernt und war auch der ursprüngliche Kern der Idee.  «Let’s do it», war meine prompte Antwort, als ich von dem Vorhaben das erste Mal gehört hatte. Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Die Hochs und Tiefs mit Lilium haben mir gezeigt, dass es nichts Spannenderes gibt als die Startup-Welt. Und mittlerweile gibt es Gründergeschichten, für die wir die Inspiration waren. Wir wissen von Hardware-Startups, die mit uns als Vorbild gegründet wurden. Das ist ein unglaublicher Motivationsboost für unser Team. 

Und zu wem schaust du auf? 

Zu meiner Frau. Sie ist so etwas wie ein Co-Co-Founder, denn ohne den starken Rückhalt von ihr wäre ich nicht hier. Es wird oft unterschätzt, was das Gründen eines Startups für einen Einfluss auf das Privatleben hat. Vor lauter «höher, schneller, weiter», werden dann andere Prioritäten vernachlässigt und das wird man schnell bereuen. Meine Frau hilft und hat mir immer geholfen, die Balance zu halten und nach vorne zu schauen, denn nichts ist wichtiger als Personal Health. Das sollte man niemals vergessen, denn ohne den privaten Rückhalt wird es schwer sein, alles zu schaffen und diese Unterstützung ist keine Selbstverständlichkeit. Das sollte jede:r Gründer:in maximal zu schätzen wissen  

Welchen Tipp gibst du einem Gründer, der ein Hardware-Business aufbauen möchte? 

Don’t quit. Ein Hardware-Startup aufzubauen, erfordert unglaubliche Belastbarkeit und Resistenz gegen Rückschläge. Ausserdem braucht es viel Zeit und Geld: Die Cash-Burn-Rate ist hoch und Ziele sind nicht immer so schnell erreichbar wie geplant. Doch wenn man sich geschlagen gibt, kommt man nirgends hin. Ausserdem braucht es Hardware-Innovation in Europa. Hardware setzt dort an, wo Net-Positive-Impact kreiert werden kann. Also nochmals: «Don’t quit, you’ll make it.” An dieser Stelle auch ein Appell an Investoren: Ihr müsst Risiken eingehen, den Gründerteams vertrauern und an ihre Produktinnovationen glauben. 

Euer Team wuchs auf 800 Personen während 8 Jahren: Wie habt ihr dieses Wachstum hingekriegt?  

Ein grosser Faktor ist unsere Vision. Die hat brillante Leute angezogen. In ersten Skalierungsphasen haben unsere Mitarbeitenden proaktiv das nächste Nötige an Strukturen aufgebaut, die dann wiederum für den nächsten Wachstumsschub hilfreich waren. 

Der Ausbruch des Corona-Virus war aber natürlich auch ein riesiges Hindernis für den Wachstumsschritt von 400 auf 800 Mitarbeitende. Alles musste nach Hause verlegt werden – ausser Produktion und Testing. In dieser Situation war es sehr herausfordernd, die Unternehmenskultur aufrechtzuerhalten. Es brauchte ein ausserordentlich starkes Leadership-Team. 

Gibt es etwas, das ihr beim Leadership anders handhabt als die Mehrheit? 

Wenn wir Management-Positionen neu besetzen, fragen wir Bewerber:innen insbesondere nach Dingen, welche die Person anders machen möchte als sie es in vergangenen Positionen gemacht hat. Das ist die Schlüsselfrage. Denn wir wollen niemanden einstellen, der beispielsweise Airbus-Prozesse über uns stülpen möchte, das ginge für uns nicht auf. Ein schönes Resultat von dieser Vorgehensweise ist unser CEO, der nicht aus dem Founder-Team ist, sondern rekrutiert wurde. Unser neuer CEO hinterfragt alles, was etwas zu langsam klingt. Er verhält sich wie ein Founder, auch wenn er keiner ist. 

 Wieso hat kein Gründungsmitglied die CEO-Position inne? 

Wir vier Gründer hatten miteinander vereinbart, dass wir immer wenn wir jemand Besseres für unser Position finden, diese Person einstellen. In der Regel steht diesem Vorgehen viel Ego im Weg. Man meint immer, die Gründer müssten bei den grossen Themen verantwortlich sein. Das ist der grösste Trugschluss. Dein Job als Gründer:in ist es, das Fundament und die Unternehmenskultur zu definieren, danach dürfen es gern andere übernehmen. 

Wieso seid ihr in die Schweiz gekommen für einen Auftritt am Start Summit 2023? 

Um Präsenz zu zeigen. Als grosses Startup in Europa sehen wir uns als Teil der Community. Und wir wollen Inspiration geben. Ausserdem haben wir Vieles zu zeigen, wie beispielsweise den Highspeed Flight von unserem Prototyp. Kurz: We proved them wrong after 8 years of naysaying. Man kann viel mehr als einem zugetraut wird. 

Alyssia Kugler

"Interviews mit Startups zu führen, ermöglicht es mir unserer Leserschaft Inspiration, Erfahrungswerte und authentische Einblicke ins Gründerleben und den Unternehmensaufbau zu geben."

Alyssia Kugler

"Interviews mit Startups zu führen, ermöglicht es mir unserer Leserschaft Inspiration, Erfahrungswerte und authentische Einblicke ins Gründerleben und den Unternehmensaufbau zu geben."