Mit bestsmile, betterview und Hair & Skin sind in Winterthur drei Medical-Retail-Startups angesiedelt. Zusammen ziehen sie eine neue Branche auf, wiederbeleben das ehemalige Sulzer-Hochhaus und haben in vier Jahren bereits über 500 Arbeitsplätze geschaffen.

Startups ticken einfach anders als KMU. Sie bauen neue Geschäftsmodelle und entwickeln neue Produkte. Um ihre Vision zu verfolgen, gehen sie von Anfang an unternehmerische Risiken ein. Und sie denken gross, sehr gross sogar. Zum Glück. Denn es liegt in der Natur von Startups, dass sie stets etwas Bestehendes einfacher, nachhaltiger, effizienter, sicherer oder günstiger machen. Und so etwas muss doch an möglichst viele Menschen und Unternehmen kommen.

Ein aussergewöhnliches Beispiel für ein neues Geschäftsmodell und eine gross gedachte Wachstumsstrategie ist bestsmile. Das Startup hat mit transparenten Zahnschienen den Markt für Zahnkorrekturen in der Schweiz komplett verändert und einen Stein ins Rollen gebracht, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Nach der Eröffnung von 36 Filialen in der Schweiz, der Schaffung von 320 Arbeitsplätzen und dem Erreichen von einem Umsatz von 50 Millionen Schweizer Franken hat der Migros Genossenschaftsbund das Startup im Frühling 2022 gekauft.

Parallel waren bereits betterview und Hair & Skin entstanden. Zwei Startups, die ebenfalls im Bereich Medical Retail zu Hause sind, in Winterthur ansässig sind und das gleiche Konzept wie bestsmile haben. Das beinhaltet nicht nur das Preismodell, die Wachstumsstrategie und den Markenaufbau, sondern auch, dass sie komplett digitalisiert sind und eher wie Tech-Unternehmen agieren als Arztpraxen. Ausserdem haben alle drei Startups zu grossen Teilen die gleichen Gründungsinvestoren.

Ertan Wittwer treibt als Gründer und ehemaliger Inhaber von bestsmile die Vision von Winterthur als Medical-Retail-Stadt voran. (Foto: Bestsmile)

«Man könnte sagen, es ist ein Erfolgsrezept, das wir nun auf andere Dienstleistungen anwenden. Aber nicht beliebige, sondern stets klinische Angebote, die in der Schweiz aktuell zu teuer für die Masse, oder wie im Fall von Hair & Skin schambehaftet sind. Niemand gibt gerne zu, dass er seelisch unter dem Haarverlust leidet und deshalb etwas dagegen tun möchte», sagt Ertan Wittwer, Gründer von bestsmile sowie Mitinhaber bei betterview und Hair & Skin. «Wir machen Haartransplantationen salonfähig, einfach zu verstehen und preislich fair.»

Gerade Zähne, scharfer Blick, volles Haar und schöne Haut

Bei bestsmile können Zahnkorrekturen dank transparenter Zahnschienen sozusagen im Geheimen gemacht werden. Und dies zu Preisen, mit denen die herkömmliche Kieferorthopädie nicht Schritt halten kann. Die sogenannten Aligner können zwar nur kleinere Schönheitsfehler ausgleichen und sind nicht für die noch weichen Kiefer von Kindern und Jugendlichen geeignet. Doch bereits über 27’000 Erwachsene haben dank bestsmile eine perfekte Zahnstellung, ohne je einen «Gartenhag» getragen zu haben.

Bei betterview können Augenlaserbehandlungen zum Fixpreis in der Schweiz gemacht werden, während Hair & Skin Haartransplantationen für dichteres Haar und Eigenblutbehandlungen für schönere Haut anbietet. «Es sind Behandlungen, die mehr medizinisches Wissen verlangen als Zahnkorrekturen. Obwohl wir auch bei bestsmile pro Praxis einen ausgebildeten Zahnarzt anstellen mussten, ist bei betterview ein Augenchirurg vorgeschrieben und bei Hair & Skin sind ausgebildete Haartransplanteure im Einsatz, von denen es in der Schweiz kaum welche gibt», erklärt Ertan.

CEO David Holenstein unterzog sich als einer der Ersten einer Augenlaserbehandlung von betterview. (Foto: Betterview)

Doch für den Umgang mit dem Fachkräftemangel haben sie eine klare Strategie. Einerseits wird bei Hair & Skin aus dem Ausland rekrutiert, andererseits gibt es für eine nachhaltige Problemlösung bereits eine klare Vision: Eine eigene Academy, in der Transplanteure für die eigenen Teams, aber gerne auch für andere Kliniken, ausgebildet werden sollen – in der Schweiz. Auch hier ist das Ziel wie gewohnt gross: Es soll die grösste Belegschaft von Haartransplanteuren in der Schweiz, im besten Fall auch in ganz Europa, entstehen. Doch vorerst gilt das Augenmerk der Schweiz und dem hiesigen Aufbau von betterview und Hair & Skin.

Aus den wachsenden Startups wird gar eine ganze Branche

Die Begeisterung für die Angebote der drei Medical-Retail-Startups geht seit Tag eins weit über die eigenen Reihen hinaus. Entsprechend stark ist das Wachstum: «Die Nachfrage ist es, die uns das unglaubliche Wachstum ermöglicht», sagt Philip in der gleichen bescheidenen Art, die auch David und Ertan zu pflegen wissen. Ihre drei wachsenden Unternehmen haben zusammen schliesslich innert vier Jahren 500 Stellen geschaffen und es sei zu erwarten, dass das Wachstum im gleichen Stil weitergehe – auch über die drei Startups hinaus.

Philip Lehmann, CEO von Hair & Skin, möchte schambehaftete Behandlungen salonfähig machen. (Foto: Hair & Skin)

Denn hinter den Medical-Retail-Startups steckt eine übergeordnete Vision. Der treibende Visionär dahinter: Ertan. Er strebt an, dass der Schweizer Medical-Retail-Markt in Winterthur auflebt und von dort heraus in der Schweiz so gross wie möglich wird und schliesslich über die Landesgrenzen hinausgeht. Bei solchen Plänen ist es ein besonderer Vorteil, dass die Unternehmen sich konzeptionell so sehr ähneln und sie allesamt in Winterthur ihren Hauptsitz haben.

«Ich versuche bewusst, alle Startups in Winterthur zu behalten. So sind sich die Geschäftsleitungen nicht nur fachlich, sondern auch räumlich nah beieinander, wodurch sie sich regelmässig austauschen und voneinander lernen können. Ausserdem ist der Wintower gut zum Wachsen. Seit Neustem besetzen wir dort drei Stockwerke», erzählt Ertan stolz. Wir werden sehen, wie lange die drei Stockwerke für die grossen Pläne ausreichend sind. Denn bald wird Ertans Vision weitergetrieben mit zwei weiteren Unternehmen in der Medical-Retail-Branche und dem Unternehmenskonzept, das einst mit bestsmile erschaffen wurde. Diese zwei weiteren Startups wurden bereits gegründet und stehen in den Startlöchern.

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Mit bestsmile, betterview und Hair & Skin sind in Winterthur drei Medical-Retail-Startups angesiedelt. Zusammen ziehen sie eine neue Branche auf, wiederbeleben das ehemalige Sulzer-Hochhaus und haben in vier Jahren bereits über 500 Arbeitsplätze geschaffen.

Startups ticken einfach anders als KMU. Sie bauen neue Geschäftsmodelle und entwickeln neue Produkte. Um ihre Vision zu verfolgen, gehen sie von Anfang an unternehmerische Risiken ein. Und sie denken gross, sehr gross sogar. Zum Glück. Denn es liegt in der Natur von Startups, dass sie stets etwas Bestehendes einfacher, nachhaltiger, effizienter, sicherer oder günstiger machen. Und so etwas muss doch an möglichst viele Menschen und Unternehmen kommen.

Ein aussergewöhnliches Beispiel für ein neues Geschäftsmodell und eine gross gedachte Wachstumsstrategie ist bestsmile. Das Startup hat mit transparenten Zahnschienen den Markt für Zahnkorrekturen in der Schweiz komplett verändert und einen Stein ins Rollen gebracht, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Nach der Eröffnung von 36 Filialen in der Schweiz, der Schaffung von 320 Arbeitsplätzen und dem Erreichen von einem Umsatz von 50 Millionen Schweizer Franken hat der Migros Genossenschaftsbund das Startup im Frühling 2022 gekauft.

Parallel waren bereits betterview und Hair & Skin entstanden. Zwei Startups, die ebenfalls im Bereich Medical Retail zu Hause sind, in Winterthur ansässig sind und das gleiche Konzept wie bestsmile haben. Das beinhaltet nicht nur das Preismodell, die Wachstumsstrategie und den Markenaufbau, sondern auch, dass sie komplett digitalisiert sind und eher wie Tech-Unternehmen agieren als Arztpraxen. Ausserdem haben alle drei Startups zu grossen Teilen die gleichen Gründungsinvestoren.

Ertan Wittwer treibt als Gründer und ehemaliger Inhaber von bestsmile die Vision von Winterthur als Medical-Retail-Stadt voran. (Foto: Bestsmile)

«Man könnte sagen, es ist ein Erfolgsrezept, das wir nun auf andere Dienstleistungen anwenden. Aber nicht beliebige, sondern stets klinische Angebote, die in der Schweiz aktuell zu teuer für die Masse, oder wie im Fall von Hair & Skin schambehaftet sind. Niemand gibt gerne zu, dass er seelisch unter dem Haarverlust leidet und deshalb etwas dagegen tun möchte», sagt Ertan Wittwer, Gründer von bestsmile sowie Mitinhaber bei betterview und Hair & Skin. «Wir machen Haartransplantationen salonfähig, einfach zu verstehen und preislich fair.»

Gerade Zähne, scharfer Blick, volles Haar und schöne Haut

Bei bestsmile können Zahnkorrekturen dank transparenter Zahnschienen sozusagen im Geheimen gemacht werden. Und dies zu Preisen, mit denen die herkömmliche Kieferorthopädie nicht Schritt halten kann. Die sogenannten Aligner können zwar nur kleinere Schönheitsfehler ausgleichen und sind nicht für die noch weichen Kiefer von Kindern und Jugendlichen geeignet. Doch bereits über 27’000 Erwachsene haben dank bestsmile eine perfekte Zahnstellung, ohne je einen «Gartenhag» getragen zu haben.

Bei betterview können Augenlaserbehandlungen zum Fixpreis in der Schweiz gemacht werden, während Hair & Skin Haartransplantationen für dichteres Haar und Eigenblutbehandlungen für schönere Haut anbietet. «Es sind Behandlungen, die mehr medizinisches Wissen verlangen als Zahnkorrekturen. Obwohl wir auch bei bestsmile pro Praxis einen ausgebildeten Zahnarzt anstellen mussten, ist bei betterview ein Augenchirurg vorgeschrieben und bei Hair & Skin sind ausgebildete Haartransplanteure im Einsatz, von denen es in der Schweiz kaum welche gibt», erklärt Ertan.

CEO David Holenstein unterzog sich als einer der Ersten einer Augenlaserbehandlung von betterview. (Foto: Betterview)

Doch für den Umgang mit dem Fachkräftemangel haben sie eine klare Strategie. Einerseits wird bei Hair & Skin aus dem Ausland rekrutiert, andererseits gibt es für eine nachhaltige Problemlösung bereits eine klare Vision: Eine eigene Academy, in der Transplanteure für die eigenen Teams, aber gerne auch für andere Kliniken, ausgebildet werden sollen – in der Schweiz. Auch hier ist das Ziel wie gewohnt gross: Es soll die grösste Belegschaft von Haartransplanteuren in der Schweiz, im besten Fall auch in ganz Europa, entstehen. Doch vorerst gilt das Augenmerk der Schweiz und dem hiesigen Aufbau von betterview und Hair & Skin.

Aus den wachsenden Startups wird gar eine ganze Branche

Die Begeisterung für die Angebote der drei Medical-Retail-Startups geht seit Tag eins weit über die eigenen Reihen hinaus. Entsprechend stark ist das Wachstum: «Die Nachfrage ist es, die uns das unglaubliche Wachstum ermöglicht», sagt Philip in der gleichen bescheidenen Art, die auch David und Ertan zu pflegen wissen. Ihre drei wachsenden Unternehmen haben zusammen schliesslich innert vier Jahren 500 Stellen geschaffen und es sei zu erwarten, dass das Wachstum im gleichen Stil weitergehe – auch über die drei Startups hinaus.

Philip Lehmann, CEO von Hair & Skin, möchte schambehaftete Behandlungen salonfähig machen. (Foto: Hair & Skin)

Denn hinter den Medical-Retail-Startups steckt eine übergeordnete Vision. Der treibende Visionär dahinter: Ertan. Er strebt an, dass der Schweizer Medical-Retail-Markt in Winterthur auflebt und von dort heraus in der Schweiz so gross wie möglich wird und schliesslich über die Landesgrenzen hinausgeht. Bei solchen Plänen ist es ein besonderer Vorteil, dass die Unternehmen sich konzeptionell so sehr ähneln und sie allesamt in Winterthur ihren Hauptsitz haben.

«Ich versuche bewusst, alle Startups in Winterthur zu behalten. So sind sich die Geschäftsleitungen nicht nur fachlich, sondern auch räumlich nah beieinander, wodurch sie sich regelmässig austauschen und voneinander lernen können. Ausserdem ist der Wintower gut zum Wachsen. Seit Neustem besetzen wir dort drei Stockwerke», erzählt Ertan stolz. Wir werden sehen, wie lange die drei Stockwerke für die grossen Pläne ausreichend sind. Denn bald wird Ertans Vision weitergetrieben mit zwei weiteren Unternehmen in der Medical-Retail-Branche und dem Unternehmenskonzept, das einst mit bestsmile erschaffen wurde. Diese zwei weiteren Startups wurden bereits gegründet und stehen in den Startlöchern.