Wir erledigen immer mehr tägliche Aufgaben am Handy – und bleiben dann auch gerne auf Unterhaltungsapps hängen. Wie wir unsere Screentime dennoch unter Kontrolle halten können, verrät uns Ondrej Zak, Mitgründer der Mental Health App Zario, im Interview.

Jedes Startup hat seine eigene Geschichte. Welche Geschichte steht hinter der Entstehung eurer Businessidee?

Die Entstehung unseres Startups begann mit einer unverhofften Begegnung zwischen meinem Co-Founder und mir. Während eines Streiks des Flughafenpersonals in Paris, wo wir beide das Wochenende verbringen wollten, sind wir zufällig durch Blablacar im gleichen Auto unterwegs gewesen und haben dort sechs Stunden lang gequatscht. So sind wir Freunde geworden. Seither haben wir uns regelmässig getroffen und darüber gesprochen, dass es cool wäre, gemeinsam ein Startup zu gründen. Irgendwann kam eine Phase, da war ich im Consulting nicht mehr so motiviert. Ich habe zunehmend Zeit am Handy verbracht. Meine Eltern, Freundinnen und Freude haben es mir gesagt, aber ich habe immer gedacht: Als Digital Native ist das Handy für mich kein Problem. Eines Tages ging es jedoch so weit, dass mich meine Chefin dabei ertappt hat, wie ich in einem Kundenmeeting auf Tinder geswipet habe. Sie hat zu mir gesagt: «Ondrej, das ist ein No-Go und darf niemals wieder passieren.» Ich war geschockt. Erst in dem Moment ist mir mein Verhalten bewusst geworden. Also habe ich angefangen, mich mit dem richtigen Umgang mit dem Smartphone zu beschäftigen. 

Das war bestimmt nicht einfach. Wie ging es weiter?

Ich habe es anfangs mit Screentime Limits versucht, aber immer auf Ignorieren geklickt und alles weitergenutzt. Ich musste feststellen: Diese Limits funktionieren bei mir nicht. Irgendwann bin ich auf das Buch «Indistractable» gestossen. Darin geht es im Prinzip darum, warum wir das machen, was wir machen. Die Psychologie dahinter wird beschrieben. Man lernt Taktiken kennen, die man anwenden kann. Das hat mir geholfen, meine Screentime von über sieben Stunden am Tag auf etwa zweieinhalb Stunden herunterzubringen. Ich habe meine Apps nicht mehr 200 Mal am Tag geöffnet, sondern nur noch zwischen 100 und 80. 

Wie hast du Zario konzipiert, um die Screentime besser reduzieren zu können als in deiner eigenen Erfahrung?

Zario basiert auf der neusten Forschung aus Psychologie und Behavioral Science. Wir Menschen haben zwei Wege, wie wir Entscheidungen treffen. Es gibt den gemütlichen Modus, wo wir intuitiv handeln und uns mit Infos berieseln lassen wollen. Und es gibt den aktiven Modus, wo wir gezielt nach dem Suchen, was wir wissen oder erledigen wollen. Die gemütlichen Intuitiven tendieren dazu, stundenlang am Handy zu sein, weil sie dort in einen Teufelskreis gelangen. Mit dem Circuit Braker brechen wir diese Gewohnheiten auf. Für die, die aktiv ihre Gewohnheiten ändern wollen, haben wir Challenges entwickelt, die in fünf Minuten zu erledigen sind.

Was hat es mit dem Namen «Zario» auf sich?

Wir wollten einen coolen Namen, der etwas mit Spielen zu tun hat. Die Idee war, dass die App, obwohl alles wissenschaftlich fundiert ist, einfach und spielerisch zu nutzen ist. Diese Gamification hat sich auch bei anderen Apps, beispielsweise bei Duolingo, bewährt. Wir haben an Super Mario gedacht. Das war immer ein Spiel, das für uns eine gewisse Leichtigkeit hatte. Dann haben wir uns überlegt: Wie könnte man daraus etwas machen?

Was unterscheidet eure App von anderen Digital Wellbeing Apps?

Unsere App unterscheidet sich von anderen, indem sie nicht versucht, Apps zu blockieren, sondern dir hilft, dir bewusst zu werden, wie oft du sie verwendest. Wir wollen, dass du selbst entscheiden kannst, ob du das wirklich willst oder nicht. Unsere Methode basiert auf psychologischen Erkenntnissen und zielt darauf ab, deine Gewohnheiten zu verändern.

 Ein Beispiel: Ich bin gelangweilt, bin es aber nicht mehr gewohnt, auch nur 30 Sekunden gelangweilt zu sein. Ich greife also zum Handy, öffne oder schaue irgendetwas, das mir Spass verspricht. Wir versuchen, den Leuten zu helfen, dass ihnen dieser Kompensationsmechanismus bewusst wird. Diese Kombination aus Psychologie und Gamification ist das, was uns von den anderen unterscheidet.

„Das Handy selbst ist nicht das Problem, sondern die Art, wie wir es nutzen.“ So heisst es auf eurer Website. Wie sieht ein gesundes Nutzverhalten des Smartphones deiner Meinung nach aus?

Ich glaube, das ist immer persönlich. Schlussendlich musst du das als Nutzerin oder Nutzer selbst definieren, was du dir davon versprichst, was dir Spass und Nutzen bringt. Wir würden das Nutzverhalten aus unserer Sicht dann als gut definieren, wenn nach dem Verwenden des Handys gesagt werden kann: Es war intentional und hat mir das gebracht, was ich wollte. Es geht darum, dass die Handynutzung nicht zur unbewussten und automatischen Zeitverschwendung wird, sondern Menschen es bewusst für gewählte Zwecke einsetzen können. Wir haben inzwischen ein viel grösseres Bewusstsein dafür aufgebaut, was für uns gesund ist als vor zwanzig bis vierzig Jahren beispielsweise. Aber trotzdem schmeissen wir uns so viel Müll in den Kopf, indem wir Stunden auf Social Media verbringen. In diesem Sinne ist das Smartphone idealerweise den ganzen Tag ein Werkzeug, das dir hilft: Google Maps, Banking, Übersetzung, Arbeit… Aber als Ablenkung nutzt du es nur in gewissen Zeitslots.

Ist es das Ziel von Zario, die Bildschirmzeit so weit zu minimieren, dass Zario selbst irgendwann nicht mehr gebraucht wird?

Ich schätze, es wird auf zwei Modi der Verwendung hinauslaufen. Am Anfang wird die Nutzung intensiver sein, du wirst dir allmählich über deine Routinen bewusst und änderst durch die Challenges und das Circuit Braker System deine Verhaltensmuster. Es wäre schön, wenn unsere Arbeit damit getan wäre. Aber ich glaube, die wenigsten Menschen werden sich dazu entscheiden, Social Media einfach zu löschen. Es kommen immer wieder neue Herausforderungen, neue Störfaktoren, neue Apps rein. Deshalb vermute ich, du brauchst Zario dann in einem anderen Modus. Der ist vielleicht eher vergleichbar mit der Rolle von Eltern, die aufpassen und sagen: «Ich sehe, du hast eine neue App heruntergeladen. Seitdem ist deine Bildschirmzeit durch die Decke gegangen. Das müssen wir ändern, sonst funktioniert es nicht.» Es wird vermutlich immer eine Stütze benötigt, die dir jedes Mal, wenn du ausrutschst, wieder zurück auf die Beine hilft. Diese Stütze kann Zario sein.

Was macht ein erfolgreiches Startup in deinen Augen aus?

Das hängt schlussendlich wohl mit der Perspektive zusammen, aus der du schaust. Unser primäres Ziel ist es, die beste Lösung für das Problem zu sein. Ich glaube, wenn du das Problem löst, das die Nutzerinnen und Nutzer haben, dann ist es auch viel einfacher, damit erfolgreich zu sein.

Wie sieht deine Zukunftsvision für Zario aus?

Wir wollen die effizienteste App auf dem Markt werden, die beim Minimieren der Bildschirmzeit hilft. Haben Menschen das Gefühl, dass sie ihre Zeit nicht sinnvoll investieren, sind sie damit unglücklich und möchten das ändern. Das ist also das Bedürfnis, das wir abdecken. Wir werden irgendwann immer besser verstehen, wann die Leute dazu tendieren, Zeit am Handy zu verbringen. Wenn wir genügend Nutzerinnen und Nutzer haben, deren Verhalten wir auswerten können, werden wir in der Lage sein, ihnen genau zu diesem Zeitpunkt eine bessere Alternative zu empfehlen.

Innovation
Startups
Tipps
Politik
Startup Ökosystem
Female Entrepreneur
Investoren & Fundraising
Interview

Wir erledigen immer mehr tägliche Aufgaben am Handy – und bleiben dann auch gerne auf Unterhaltungsapps hängen. Wie wir unsere Screentime dennoch unter Kontrolle halten können, verrät uns Ondrej Zak, Mitgründer der Mental Health App Zario, im Interview.

Jedes Startup hat seine eigene Geschichte. Welche Geschichte steht hinter der Entstehung eurer Businessidee?

Die Entstehung unseres Startups begann mit einer unverhofften Begegnung zwischen meinem Co-Founder und mir. Während eines Streiks des Flughafenpersonals in Paris, wo wir beide das Wochenende verbringen wollten, sind wir zufällig durch Blablacar im gleichen Auto unterwegs gewesen und haben dort sechs Stunden lang gequatscht. So sind wir Freunde geworden. Seither haben wir uns regelmässig getroffen und darüber gesprochen, dass es cool wäre, gemeinsam ein Startup zu gründen. Irgendwann kam eine Phase, da war ich im Consulting nicht mehr so motiviert. Ich habe zunehmend Zeit am Handy verbracht. Meine Eltern, Freundinnen und Freude haben es mir gesagt, aber ich habe immer gedacht: Als Digital Native ist das Handy für mich kein Problem. Eines Tages ging es jedoch so weit, dass mich meine Chefin dabei ertappt hat, wie ich in einem Kundenmeeting auf Tinder geswipet habe. Sie hat zu mir gesagt: «Ondrej, das ist ein No-Go und darf niemals wieder passieren.» Ich war geschockt. Erst in dem Moment ist mir mein Verhalten bewusst geworden. Also habe ich angefangen, mich mit dem richtigen Umgang mit dem Smartphone zu beschäftigen. 

Das war bestimmt nicht einfach. Wie ging es weiter?

Ich habe es anfangs mit Screentime Limits versucht, aber immer auf Ignorieren geklickt und alles weitergenutzt. Ich musste feststellen: Diese Limits funktionieren bei mir nicht. Irgendwann bin ich auf das Buch «Indistractable» gestossen. Darin geht es im Prinzip darum, warum wir das machen, was wir machen. Die Psychologie dahinter wird beschrieben. Man lernt Taktiken kennen, die man anwenden kann. Das hat mir geholfen, meine Screentime von über sieben Stunden am Tag auf etwa zweieinhalb Stunden herunterzubringen. Ich habe meine Apps nicht mehr 200 Mal am Tag geöffnet, sondern nur noch zwischen 100 und 80. 

Wie hast du Zario konzipiert, um die Screentime besser reduzieren zu können als in deiner eigenen Erfahrung?

Zario basiert auf der neusten Forschung aus Psychologie und Behavioral Science. Wir Menschen haben zwei Wege, wie wir Entscheidungen treffen. Es gibt den gemütlichen Modus, wo wir intuitiv handeln und uns mit Infos berieseln lassen wollen. Und es gibt den aktiven Modus, wo wir gezielt nach dem Suchen, was wir wissen oder erledigen wollen. Die gemütlichen Intuitiven tendieren dazu, stundenlang am Handy zu sein, weil sie dort in einen Teufelskreis gelangen. Mit dem Circuit Braker brechen wir diese Gewohnheiten auf. Für die, die aktiv ihre Gewohnheiten ändern wollen, haben wir Challenges entwickelt, die in fünf Minuten zu erledigen sind.

Was hat es mit dem Namen «Zario» auf sich?

Wir wollten einen coolen Namen, der etwas mit Spielen zu tun hat. Die Idee war, dass die App, obwohl alles wissenschaftlich fundiert ist, einfach und spielerisch zu nutzen ist. Diese Gamification hat sich auch bei anderen Apps, beispielsweise bei Duolingo, bewährt. Wir haben an Super Mario gedacht. Das war immer ein Spiel, das für uns eine gewisse Leichtigkeit hatte. Dann haben wir uns überlegt: Wie könnte man daraus etwas machen?

Was unterscheidet eure App von anderen Digital Wellbeing Apps?

Unsere App unterscheidet sich von anderen, indem sie nicht versucht, Apps zu blockieren, sondern dir hilft, dir bewusst zu werden, wie oft du sie verwendest. Wir wollen, dass du selbst entscheiden kannst, ob du das wirklich willst oder nicht. Unsere Methode basiert auf psychologischen Erkenntnissen und zielt darauf ab, deine Gewohnheiten zu verändern.

 Ein Beispiel: Ich bin gelangweilt, bin es aber nicht mehr gewohnt, auch nur 30 Sekunden gelangweilt zu sein. Ich greife also zum Handy, öffne oder schaue irgendetwas, das mir Spass verspricht. Wir versuchen, den Leuten zu helfen, dass ihnen dieser Kompensationsmechanismus bewusst wird. Diese Kombination aus Psychologie und Gamification ist das, was uns von den anderen unterscheidet.

„Das Handy selbst ist nicht das Problem, sondern die Art, wie wir es nutzen.“ So heisst es auf eurer Website. Wie sieht ein gesundes Nutzverhalten des Smartphones deiner Meinung nach aus?

Ich glaube, das ist immer persönlich. Schlussendlich musst du das als Nutzerin oder Nutzer selbst definieren, was du dir davon versprichst, was dir Spass und Nutzen bringt. Wir würden das Nutzverhalten aus unserer Sicht dann als gut definieren, wenn nach dem Verwenden des Handys gesagt werden kann: Es war intentional und hat mir das gebracht, was ich wollte. Es geht darum, dass die Handynutzung nicht zur unbewussten und automatischen Zeitverschwendung wird, sondern Menschen es bewusst für gewählte Zwecke einsetzen können. Wir haben inzwischen ein viel grösseres Bewusstsein dafür aufgebaut, was für uns gesund ist als vor zwanzig bis vierzig Jahren beispielsweise. Aber trotzdem schmeissen wir uns so viel Müll in den Kopf, indem wir Stunden auf Social Media verbringen. In diesem Sinne ist das Smartphone idealerweise den ganzen Tag ein Werkzeug, das dir hilft: Google Maps, Banking, Übersetzung, Arbeit… Aber als Ablenkung nutzt du es nur in gewissen Zeitslots.

Ist es das Ziel von Zario, die Bildschirmzeit so weit zu minimieren, dass Zario selbst irgendwann nicht mehr gebraucht wird?

Ich schätze, es wird auf zwei Modi der Verwendung hinauslaufen. Am Anfang wird die Nutzung intensiver sein, du wirst dir allmählich über deine Routinen bewusst und änderst durch die Challenges und das Circuit Braker System deine Verhaltensmuster. Es wäre schön, wenn unsere Arbeit damit getan wäre. Aber ich glaube, die wenigsten Menschen werden sich dazu entscheiden, Social Media einfach zu löschen. Es kommen immer wieder neue Herausforderungen, neue Störfaktoren, neue Apps rein. Deshalb vermute ich, du brauchst Zario dann in einem anderen Modus. Der ist vielleicht eher vergleichbar mit der Rolle von Eltern, die aufpassen und sagen: «Ich sehe, du hast eine neue App heruntergeladen. Seitdem ist deine Bildschirmzeit durch die Decke gegangen. Das müssen wir ändern, sonst funktioniert es nicht.» Es wird vermutlich immer eine Stütze benötigt, die dir jedes Mal, wenn du ausrutschst, wieder zurück auf die Beine hilft. Diese Stütze kann Zario sein.

Was macht ein erfolgreiches Startup in deinen Augen aus?

Das hängt schlussendlich wohl mit der Perspektive zusammen, aus der du schaust. Unser primäres Ziel ist es, die beste Lösung für das Problem zu sein. Ich glaube, wenn du das Problem löst, das die Nutzerinnen und Nutzer haben, dann ist es auch viel einfacher, damit erfolgreich zu sein.

Wie sieht deine Zukunftsvision für Zario aus?

Wir wollen die effizienteste App auf dem Markt werden, die beim Minimieren der Bildschirmzeit hilft. Haben Menschen das Gefühl, dass sie ihre Zeit nicht sinnvoll investieren, sind sie damit unglücklich und möchten das ändern. Das ist also das Bedürfnis, das wir abdecken. Wir werden irgendwann immer besser verstehen, wann die Leute dazu tendieren, Zeit am Handy zu verbringen. Wenn wir genügend Nutzerinnen und Nutzer haben, deren Verhalten wir auswerten können, werden wir in der Lage sein, ihnen genau zu diesem Zeitpunkt eine bessere Alternative zu empfehlen.

Author: Imke Bolz