Die Firma reilo setzt dort an, wo ein grosser Teil der Weltwirtschaft blind ist. Kleinbauern verfügen über Land mit enormem ökologischen Wert, bleiben aber vom Finanzsystem ausgeschlossen. Das Startup versucht, genau diese Lücke zu schliessen.

Die Idee entstand nicht im Büro, sondern im Feld. 2022 sass Rahel Guggenbühl im Rahmen ihrer Masterarbeit zum ersten Mal mit Kleinbauern in Tansania zusammen. Erwartet hatte sie Gespräche über Kredite, Banken oder Finanzierungsmöglichkeiten. Stattdessen zeigte sich etwas anderes. Viele der Bauern hatten noch nie mit einem Finanzinstitut zu tun gehabt, nicht weil sie kein Interesse hatten, sondern weil sie für das System schlicht nicht existierten.

Was fehlte, war nicht nur Zugang zu Kapital, sondern die Grundlage, überhaupt als kreditwürdig zu gelten. Denn aus Sicht einer Bank zählen nur bestimmte Dinge: Sicherheiten, die sich bewerten lassen und Einnahmen, die planbar sind. Wälder, Bodenqualität oder Biodiversität tauchen dort nicht auf, obwohl sie realen Wert darstellen. Genau an diesem Punkt setzt reilo an.

Natur als Sicherheit

Das Grundproblem ist schnell erklärt. Banken vergeben Kredite gegen Sicherheiten, doch Kleinbauern können diese oft nicht liefern, nicht weil nichts vorhanden wäre, sondern weil ihre Werte nicht in eine Form übersetzt werden können, die Banken verstehen. reilo versucht genau das zu ändern. Die Idee ist, Natur erstmals finanziell greifbar zu machen. Konkret geht es darum, zukünftige Erlöse aus CO₂-Zertifikaten als Sicherheit für Kredite nutzbar zu machen. Aus ökologischen Leistungen wird damit eine Grundlage für Finanzierung. Das verändert die Logik: Natur wird nicht nur geschützt oder kompensiert, sondern Teil eines wirtschaftlichen Systems, das bisher ohne sie funktioniert hat. Einfach ist das nicht.

Die Idee entstand, als Rahel Guggenbühl im Rahmen ihrer Masterarbeit zum ersten Mal mit Kleinbauern in Tansania zusammen arbeitete.

Zwischen Banklogik und Realität vor Ort

Das System, in dem reilo arbeitet, hat mehrere Ebenen. Es reicht nicht, Daten zu sammeln. Diese müssen übersetzt werden in Modelle, Prozesse und Entscheidungen, die eine Bank tatsächlich treffen kann. Gleichzeitig funktioniert das Ganze nur, wenn es vor Ort Sinn ergibt.

In Ländern wie Tansania oder Brasilien arbeiten Kleinbauern unter Bedingungen, die wenig mit klassischen Kreditmodellen zu tun haben. Land ist nicht automatisch verwertbar, Risiken sind anders verteilt, und Vertrauen spielt eine grössere Rolle als jede Excel-Tabelle. Genau deshalb baut reilo nicht nur Technologie, sondern auch Beziehungen auf. Partnerschaften vor Ort sind zentral, denn ohne sie gäbe es keinen Zugang zu den Menschen, deren Realität das System eigentlich abbilden soll. Auf der anderen Seite steht die Integration in bestehende Bankstrukturen. reilo versucht nicht, Banken zu ersetzen, sondern bindet die Lösung direkt in bestehende Prozesse ein. Das senkt die Hürde und macht das Modell überhaupt erst umsetzbar.

Ein System, das zusammenpassen muss

Das Problem liegt nicht an einer einzelnen Stelle, sondern im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Es fehlt an Daten über naturbasierte Werte, an Standards für deren Bewertung und an Anreizen, sie überhaupt zu berücksichtigen. Vor allem fehlt die Infrastruktur, die all das verbindet. reilo setzt genau dort an. Datenerhebung im Feld, Bewertung ökologischer Leistungen, finanzielle Strukturierung und Integration in Bankprozesse greifen ineinander. Einzelne Teile davon gibt es bereits. Carbon-Projekte existieren, Finanzierungsmodelle auch. Was bisher fehlt, ist die Verbindung. Genau diese Verbindung versucht reilo aufzubauen.

Mehr als ein Finanzprodukt

Das Geschäftsmodell verbindet mehrere Ebenen. Banken zahlen für den Zugang zur Infrastruktur und zur Bewertung der Sicherheiten, während parallel Einnahmen aus CO₂-Zertifikaten entstehen. Entscheidend ist dabei die Verteilung. Ein grosser Teil der Einnahmen geht an die Bauern. Dadurch entsteht ein Anreiz, Natur nicht nur zu erhalten, sondern aktiv zu bewirtschaften, während sich gleichzeitig ihre finanzielle Situation verbessert. Für Banken entsteht ein neuer Markt, denn Kundengruppen, die bisher nicht zugänglich waren, werden plötzlich finanzierbar. 

reilo versteht sich nicht als Anbieter einzelner Projekte. Der Anspruch geht weiter. Langfristig soll daraus eine Infrastruktur entstehen, über die Kapital systematisch in naturbasierte Systeme fliesst. Wenn das funktioniert, verändert sich die Rolle von Natur im Finanzsystem grundlegend.

Zurück zu dem Moment in Tansania. Dort sass Rahel Guggenbühl mit Menschen zusammen, die aus Sicht des Finanzsystems nicht existierten, nicht weil sie nichts hatten, sondern weil niemand messen konnte, was sie besitzen. Wenn sich das ändert, verändert sich mehr als nur der Zugang zu Krediten. Dann bekommt etwas einen Wert, das die ganze Zeit schon da war.

Niwes Willner
Die Möglichkeit, mit inspirierenden Gründerinnen und Gründern zu sprechen und meine Arbeit online und im Founded-Magazin zu sehen, hat mich sofort angesprochen.

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Die Firma reilo setzt dort an, wo ein grosser Teil der Weltwirtschaft blind ist. Kleinbauern verfügen über Land mit enormem ökologischen Wert, bleiben aber vom Finanzsystem ausgeschlossen. Das Startup versucht, genau diese Lücke zu schliessen.

Die Idee entstand nicht im Büro, sondern im Feld. 2022 sass Rahel Guggenbühl im Rahmen ihrer Masterarbeit zum ersten Mal mit Kleinbauern in Tansania zusammen. Erwartet hatte sie Gespräche über Kredite, Banken oder Finanzierungsmöglichkeiten. Stattdessen zeigte sich etwas anderes. Viele der Bauern hatten noch nie mit einem Finanzinstitut zu tun gehabt, nicht weil sie kein Interesse hatten, sondern weil sie für das System schlicht nicht existierten.

Was fehlte, war nicht nur Zugang zu Kapital, sondern die Grundlage, überhaupt als kreditwürdig zu gelten. Denn aus Sicht einer Bank zählen nur bestimmte Dinge: Sicherheiten, die sich bewerten lassen und Einnahmen, die planbar sind. Wälder, Bodenqualität oder Biodiversität tauchen dort nicht auf, obwohl sie realen Wert darstellen. Genau an diesem Punkt setzt reilo an.

Natur als Sicherheit

Das Grundproblem ist schnell erklärt. Banken vergeben Kredite gegen Sicherheiten, doch Kleinbauern können diese oft nicht liefern, nicht weil nichts vorhanden wäre, sondern weil ihre Werte nicht in eine Form übersetzt werden können, die Banken verstehen. reilo versucht genau das zu ändern. Die Idee ist, Natur erstmals finanziell greifbar zu machen. Konkret geht es darum, zukünftige Erlöse aus CO₂-Zertifikaten als Sicherheit für Kredite nutzbar zu machen. Aus ökologischen Leistungen wird damit eine Grundlage für Finanzierung. Das verändert die Logik: Natur wird nicht nur geschützt oder kompensiert, sondern Teil eines wirtschaftlichen Systems, das bisher ohne sie funktioniert hat. Einfach ist das nicht.

Die Idee entstand, als Rahel Guggenbühl im Rahmen ihrer Masterarbeit zum ersten Mal mit Kleinbauern in Tansania zusammen arbeitete.

Zwischen Banklogik und Realität vor Ort

Das System, in dem reilo arbeitet, hat mehrere Ebenen. Es reicht nicht, Daten zu sammeln. Diese müssen übersetzt werden in Modelle, Prozesse und Entscheidungen, die eine Bank tatsächlich treffen kann. Gleichzeitig funktioniert das Ganze nur, wenn es vor Ort Sinn ergibt.

In Ländern wie Tansania oder Brasilien arbeiten Kleinbauern unter Bedingungen, die wenig mit klassischen Kreditmodellen zu tun haben. Land ist nicht automatisch verwertbar, Risiken sind anders verteilt, und Vertrauen spielt eine grössere Rolle als jede Excel-Tabelle. Genau deshalb baut reilo nicht nur Technologie, sondern auch Beziehungen auf. Partnerschaften vor Ort sind zentral, denn ohne sie gäbe es keinen Zugang zu den Menschen, deren Realität das System eigentlich abbilden soll. Auf der anderen Seite steht die Integration in bestehende Bankstrukturen. reilo versucht nicht, Banken zu ersetzen, sondern bindet die Lösung direkt in bestehende Prozesse ein. Das senkt die Hürde und macht das Modell überhaupt erst umsetzbar.

Ein System, das zusammenpassen muss

Das Problem liegt nicht an einer einzelnen Stelle, sondern im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Es fehlt an Daten über naturbasierte Werte, an Standards für deren Bewertung und an Anreizen, sie überhaupt zu berücksichtigen. Vor allem fehlt die Infrastruktur, die all das verbindet. reilo setzt genau dort an. Datenerhebung im Feld, Bewertung ökologischer Leistungen, finanzielle Strukturierung und Integration in Bankprozesse greifen ineinander. Einzelne Teile davon gibt es bereits. Carbon-Projekte existieren, Finanzierungsmodelle auch. Was bisher fehlt, ist die Verbindung. Genau diese Verbindung versucht reilo aufzubauen.

Mehr als ein Finanzprodukt

Das Geschäftsmodell verbindet mehrere Ebenen. Banken zahlen für den Zugang zur Infrastruktur und zur Bewertung der Sicherheiten, während parallel Einnahmen aus CO₂-Zertifikaten entstehen. Entscheidend ist dabei die Verteilung. Ein grosser Teil der Einnahmen geht an die Bauern. Dadurch entsteht ein Anreiz, Natur nicht nur zu erhalten, sondern aktiv zu bewirtschaften, während sich gleichzeitig ihre finanzielle Situation verbessert. Für Banken entsteht ein neuer Markt, denn Kundengruppen, die bisher nicht zugänglich waren, werden plötzlich finanzierbar. 

reilo versteht sich nicht als Anbieter einzelner Projekte. Der Anspruch geht weiter. Langfristig soll daraus eine Infrastruktur entstehen, über die Kapital systematisch in naturbasierte Systeme fliesst. Wenn das funktioniert, verändert sich die Rolle von Natur im Finanzsystem grundlegend.

Zurück zu dem Moment in Tansania. Dort sass Rahel Guggenbühl mit Menschen zusammen, die aus Sicht des Finanzsystems nicht existierten, nicht weil sie nichts hatten, sondern weil niemand messen konnte, was sie besitzen. Wenn sich das ändert, verändert sich mehr als nur der Zugang zu Krediten. Dann bekommt etwas einen Wert, das die ganze Zeit schon da war.