Von der Studenten-Idee zum Raketentriebwerk in 82 Tagen

Vier ARIS-Alumni bauen in Zürich Raketentriebwerke einer neuen Generation, die Detonation statt Verbrennung nutzen. Ihr erstes zündete 82 Tage nach der Firmengründung, ein Tempo, das die Branche sonst nicht kennt.

Simi Wespi hat jahrelang für eine Technologie gekämpft, die in der Schweiz kaum jemand ernst nahm. Die Idee, mit Überschall-Detonationswellen mehr aus dem Treibstoff zu holen, galt vielen als akademisch reizvoll, aber kommerziell aussichtslos. Simi liess sich davon nicht abbringen. Innerhalb der Academic Spaceflight Initiative Switzerland, kurz ARIS, baute er Team Perseus auf und bewies das Konzept. 2024 zündeten sie das weltweit erste von Studierenden gebaute rotierende Detonations-Raketentriebwerk. Die Schweiz war damit die siebte Nation der Welt, der das gelang.

Anfang 2026 gründeten vier ARIS-Alumni daraus ein Unternehmen. Simi übernahm die Antriebsentwicklung. Rick Röthlisberger stiess dazu, der zuvor bei Rocket Factory Augsburg als Verantwortlicher für Systemarchitektur und stellvertretender Leiter Systems Engineering gearbeitet hatte und damit Industrieerfahrung aus einem der ambitioniertesten europäischen Raketenprojekte mitbrachte. Patrick Egli hatte bei ARIS das Triebwerksprojekt Hephaestus vorangetrieben. Victor Elliesen, der International Management an der ZHAW studiert hat, übernahm die kommerzielle Seite: Finanzierung, Investorenbeziehungen, Marktarchitektur. Wer für Orbitalmanöver zahlt, das ist seine Frage.

Das Problem mit dem Orbit

Ins All zu kommen ist heute so günstig wie nie, dank wiederverwendbarer Raketen wie der Falcon 9 von SpaceX. Was noch fehlt, ist die Mobilität danach. Ein Satellit, der von der Erdumlaufbahn auf einen geostationären Orbit wechseln muss, ist auf Antriebssysteme angewiesen, die sich seit Jahrzehnten kaum verändert haben. Für In-Space Servicing, also die Wartung und Neupositionierung von Satelliten im Orbit, gibt es kaum Systeme, die das in der nötigen Flexibilität und Kadenz leisten können.

Genau dort setzt Stellar Alpina an. Rotierende Detonations-Raketentriebwerke, auf Englisch Rotating Detonation Rocket Engines oder RDREs, extrahieren durch Überschall-Detonationswellen mehr Energie aus derselben Treibstoffmenge. Das erlaubt kompaktere, leichtere Triebwerke mit weniger Teilen und höherer Effizienz. Kein schrittweise verbessertes Konzept, sondern ein anderer physikalischer Ansatz.

82 Tage

Das Gründerteam setzte sich selbst ein Ziel, das in der Branche niemand für realistisch hielt: Innerhalb von 100 Tagen nach der Firmengründung ein RDRE bauen und zünden. Sie schafften es in 82. Engine 0, das erste kommerziell entwickelte rotierende Detonations-Raketentriebwerk Europas, absolvierte acht Zündungen mit bis zu fünf stabilen Detonationswellen.

Die Ingenieurphilosophie dahinter hat Victor einmal so beschrieben: Build, Fire, Break, Learn, Improve. Destructive Testing, absichtlich. In einem Bereich, in dem Entwicklungszyklen oft Jahrzehnte dauern, ist Tempo der entscheidende Vorteil. Der Plan für das nächste Jahr: alle zwei Wochen eine neue Triebwerkskonfiguration testen.

Das Geld und was danach kommt

Im Mai 2026 schloss Stellar Alpina eine Pre-Seed-Runde über 3,5 Mio. CHF (rund 4,5 Mio. USD) ab. Founderful führte die Runde an, LP&E beteiligte sich. LP&E hat unter anderem in Isar Aerospace, Quantum Systems und Impulse Space investiert und bringt neben Kapital Erfahrung aus dem europäischen Raumfahrt-Ökosystem mit.

Das Geld fliesst in Testkampagnen, einen leistungsfähigeren Prüfstand und den Aufbau eines Teams von über einem Dutzend der besten Ingenieure. Das Ziel: ein flugfähiges RDRE bis 2028. Welche genaue Form das annimmt, hängt von den Kunden ab.

Das Rennen ist offen

Stellar Alpina ist nicht allein. Japan zündete 2021 als erstes Land überhaupt ein RDRE im Weltraum, mit Unterstützung der Raumfahrtbehörde JAXA. Das US-Startup Venus Aerospace absolvierte im Mai 2025 den ersten Testflug einer RDRE-betriebenen Kleinrakete. Astrobotic meldete im April 2026 einen neuen Rekord beim längsten RDRE-Hotfire. Wer das erste kommerzielle Triebwerk dieser Art in den Orbit bringt, ist offen.

Victor sieht das als Chance: «Who says the first commercialised RDRE can’t come from Europe?»

Die Antwort wird Stellar Alpina in Dübendorf erarbeiten, am Innovation Park Zürich, wo Simi einst anfing, Ideen zu verteidigen, die niemand hören wollte.

Bildlegende: Das Gründerteam von Stellar Alpina (von links): Rick Röthlisberger, Simi Wespi, Victor Elliesen und Patrick Egli.

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Niwes Willner
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Simi Wespi hat jahrelang für eine Technologie gekämpft, die in der Schweiz kaum jemand ernst nahm. Die Idee, mit Überschall-Detonationswellen mehr aus dem Treibstoff zu holen, galt vielen als akademisch reizvoll, aber kommerziell aussichtslos. Simi liess sich davon nicht abbringen. Innerhalb der Academic Spaceflight Initiative Switzerland, kurz ARIS, baute er Team Perseus auf und bewies das Konzept. 2024 zündeten sie das weltweit erste von Studierenden gebaute rotierende Detonations-Raketentriebwerk. Die Schweiz war damit die siebte Nation der Welt, der das gelang.

Anfang 2026 gründeten vier ARIS-Alumni daraus ein Unternehmen. Simi übernahm die Antriebsentwicklung. Rick Röthlisberger stiess dazu, der zuvor bei Rocket Factory Augsburg als Verantwortlicher für Systemarchitektur und stellvertretender Leiter Systems Engineering gearbeitet hatte und damit Industrieerfahrung aus einem der ambitioniertesten europäischen Raketenprojekte mitbrachte. Patrick Egli hatte bei ARIS das Triebwerksprojekt Hephaestus vorangetrieben. Victor Elliesen, der International Management an der ZHAW studiert hat, übernahm die kommerzielle Seite: Finanzierung, Investorenbeziehungen, Marktarchitektur. Wer für Orbitalmanöver zahlt, das ist seine Frage.

Das Problem mit dem Orbit

Ins All zu kommen ist heute so günstig wie nie, dank wiederverwendbarer Raketen wie der Falcon 9 von SpaceX. Was noch fehlt, ist die Mobilität danach. Ein Satellit, der von der Erdumlaufbahn auf einen geostationären Orbit wechseln muss, ist auf Antriebssysteme angewiesen, die sich seit Jahrzehnten kaum verändert haben. Für In-Space Servicing, also die Wartung und Neupositionierung von Satelliten im Orbit, gibt es kaum Systeme, die das in der nötigen Flexibilität und Kadenz leisten können.

Genau dort setzt Stellar Alpina an. Rotierende Detonations-Raketentriebwerke, auf Englisch Rotating Detonation Rocket Engines oder RDREs, extrahieren durch Überschall-Detonationswellen mehr Energie aus derselben Treibstoffmenge. Das erlaubt kompaktere, leichtere Triebwerke mit weniger Teilen und höherer Effizienz. Kein schrittweise verbessertes Konzept, sondern ein anderer physikalischer Ansatz.

82 Tage

Das Gründerteam setzte sich selbst ein Ziel, das in der Branche niemand für realistisch hielt: Innerhalb von 100 Tagen nach der Firmengründung ein RDRE bauen und zünden. Sie schafften es in 82. Engine 0, das erste kommerziell entwickelte rotierende Detonations-Raketentriebwerk Europas, absolvierte acht Zündungen mit bis zu fünf stabilen Detonationswellen.

Die Ingenieurphilosophie dahinter hat Victor einmal so beschrieben: Build, Fire, Break, Learn, Improve. Destructive Testing, absichtlich. In einem Bereich, in dem Entwicklungszyklen oft Jahrzehnte dauern, ist Tempo der entscheidende Vorteil. Der Plan für das nächste Jahr: alle zwei Wochen eine neue Triebwerkskonfiguration testen.

Das Geld und was danach kommt

Im Mai 2026 schloss Stellar Alpina eine Pre-Seed-Runde über 3,5 Mio. CHF (rund 4,5 Mio. USD) ab. Founderful führte die Runde an, LP&E beteiligte sich. LP&E hat unter anderem in Isar Aerospace, Quantum Systems und Impulse Space investiert und bringt neben Kapital Erfahrung aus dem europäischen Raumfahrt-Ökosystem mit.

Das Geld fliesst in Testkampagnen, einen leistungsfähigeren Prüfstand und den Aufbau eines Teams von über einem Dutzend der besten Ingenieure. Das Ziel: ein flugfähiges RDRE bis 2028. Welche genaue Form das annimmt, hängt von den Kunden ab.

Das Rennen ist offen

Stellar Alpina ist nicht allein. Japan zündete 2021 als erstes Land überhaupt ein RDRE im Weltraum, mit Unterstützung der Raumfahrtbehörde JAXA. Das US-Startup Venus Aerospace absolvierte im Mai 2025 den ersten Testflug einer RDRE-betriebenen Kleinrakete. Astrobotic meldete im April 2026 einen neuen Rekord beim längsten RDRE-Hotfire. Wer das erste kommerzielle Triebwerk dieser Art in den Orbit bringt, ist offen.

Victor sieht das als Chance: «Who says the first commercialised RDRE can’t come from Europe?»

Die Antwort wird Stellar Alpina in Dübendorf erarbeiten, am Innovation Park Zürich, wo Simi einst anfing, Ideen zu verteidigen, die niemand hören wollte.

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