«Zürichs Superkraft ist die Dichte an Vertrauen»

Christoph Birkholz hat den Impact Hub Zürich und die Investmentplattform Inyova mitgegründet. Im Interview spricht er über Zürichs Stärken, fehlendes Wachstumskapital und echte Wirkung. Sein Blick reicht bis ins Jahr 2036.

Du hast den Impact Hub Zürich vor über einem Jahrzehnt mitgegründet. Was fehlte damals am Standort?

Zürich hatte hervorragende Hochschulen und eine starke Wirtschaft, aber es fehlte ein physisches und emotionales Zuhause für eine neue Generation von Gründerinnen und Gründern. Es gab kaum Orte, an denen der Tech-Nerd, die NGO-Mitarbeiterin, der Freelancer und das Corporate-Talent gemeinsam an Lösungen arbeiteten. Wir wollten ein Ökosystem, das Unternehmertum als Hebel zur Lösung gesellschaftlicher und ökologischer Probleme versteht.

Was kann Zürich, das Berlin, London oder Singapur nicht können?

Zürich hat eine besondere Superkraft, nämlich die extreme Dichte an Vertrauen, Qualität und Ressourcen auf engstem Raum. Weltklasse-Forschung trifft direkt auf eine starke Wirtschaft und eine eng vernetzte Startup-Szene. Wenn hier eine Partnerschaft geschlossen wird, hat sie Hand und Fuss. Zudem ist Zürich ein idealer Testmarkt. Wer sich in diesem anspruchsvollen Umfeld behauptet, hat ein Produkt, das weltweit skalieren kann.

Wo verliert die Schweiz Talente, die sie halten müsste?

Vor allem in der Wachstumsphase. Bei den Seed-Runden stehen wir sehr gut da, doch wer 50 oder 100 Millionen Franken braucht, wandert fast automatisch ins Ausland, meist in die USA. Hinzu kommt der Talentwettbewerb mit Big Tech, deren Löhne die eigene Gründung zur schwierigen Entscheidung machen. Wir verlieren Talente also nicht nur ins Ausland, sondern auch an andere Karriereformen.

War bei dir zuerst die akademische Frage da oder der unternehmerische Frust?

Zuerst die unternehmerische Neugier. Schon im Masterstudium wollte ich einen Impact-Investing-Fonds aufbauen, 2007/2008 waren wir der Zeit aber weit voraus. Mein Doktorat an der HSG und bei INSEAD war die theoretische Fortsetzung dieser Erfahrung. Später kamen Tillmann und Erik mit der Idee von Inyova auf mich zu. Impact Investing für alle statt nur für Vermögende. Das war spannend!

Woran erkennst du echte Wirkung statt gutem Marketing?

Am Geschäftsmodell. Steigt der positive Effekt für Umwelt oder Gesellschaft mit jedem verkauften Produkt, ist es spannend. Wird der Impact nachträglich dazu addiert, nach dem Motto «Wir verkaufen Plastikflaschen, spenden aber ein Prozent für Bäume», ist das oft nur Marketing. Echter Impact lässt sich messen und ist Teil der Kernstrategie, nicht der PR-Abteilung.

Wo steht Impact Investing 2026, Ernüchterung oder Reife?

Wir erleben die Phase der Konsolidierung und Reife. Die Euphorie, in der alle ihre Logos grün färbten, ist vorbei, und das ist gut so. Wer nur fürs Marketing mitgemacht hat, ist abgerückt. Das ist fürs Klima dramatisch, zeigt aber, wer wirklich aus Überzeugung unterwegs ist. Hitzewellen und die Abhängigkeit von der Strasse von Hormus zeigen, dass Impact Investing wichtiger denn je ist.

Wie kommt die Grauzone zwischen Non-Profit und For-Profit zu Kapital?

Das ist eine der grössten Baustellen. Stiftungen tun sich mit Krediten schwer, klassische VCs fordern Renditen, die soziale Innovationen anfangs nicht liefern. Doch es tut sich etwas. Der Kanton Zürich erlaubt gemeinnützigen Stiftungen nun Förderungen mit Darlehen, und es gibt immer mehr Fonds mit Nachhaltigkeitsfokus. Wenn die grossen Asset Owner verstärkt Nachhaltigkeit einfordern, fliesst noch mehr Kapital in wirkungsorientierte Startups.

Wo scheitern Partnerschaften zwischen Startups, Konzernen und Städten am häufigsten?

Fast nie an der Technologie, fast immer an Kulturen und Geschwindigkeiten. Ein Startup agiert in Wochen, ein Konzern in Budget-Jahren. Sechs Monate Wartezeit auf einen Proof-of-Concept können bereits das Ende bedeuten. Ein weiterer Killer ist das «Not-invented-here»-Syndrom im mittleren Management. Es gelingt, wenn ein Champion mit Budget und Entscheidungsmacht dahinter steht.

Welches Signal verrät dir früh, dass ein Team es schaffen wird?

Die Kombination aus starkem Fokus auf ein relevantes Problem und radikaler Flexibilität bei der Lösung. Wer sich in die erste Produktidee verliebt, scheitert oft. Erfolgreiche Teams hören extrem gut zu, lassen sich coachen und passen ihr Produkt ohne Ego an. Dazu kommen Resilienz und Komplementarität. Man spürt sofort, ob ein Team Gegenwind gemeinsam durchsteht.

Welche Unternehmen wird der Impact Hub in zehn Jahren beherbergen?

Unternehmen an der Schnittstelle von synthetischer Biologie, Quantencomputing und Kreislaufwirtschaft. Gründerinnen und Gründer, die Software für planetare Grenzen entwickeln oder KI-gesteuerte Energienetze für Städte entwerfen. Das Konzept des Impact-Startups wird sich erübrigt haben, denn 2036 wird kein Unternehmen mehr Zugang zu Kapital haben, das nicht inhärent nachhaltig agiert.

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Niwes Willner
Die Möglichkeit, mit inspirierenden Gründerinnen und Gründern zu sprechen und meine Arbeit online und im Founded-Magazin zu sehen, hat mich sofort angesprochen.

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Christoph Birkholz hat den Impact Hub Zürich und die Investmentplattform Inyova mitgegründet. Im Interview spricht er über Zürichs Stärken, fehlendes Wachstumskapital und echte Wirkung. Sein Blick reicht bis ins Jahr 2036.

Du hast den Impact Hub Zürich vor über einem Jahrzehnt mitgegründet. Was fehlte damals am Standort?

Zürich hatte hervorragende Hochschulen und eine starke Wirtschaft, aber es fehlte ein physisches und emotionales Zuhause für eine neue Generation von Gründerinnen und Gründern. Es gab kaum Orte, an denen der Tech-Nerd, die NGO-Mitarbeiterin, der Freelancer und das Corporate-Talent gemeinsam an Lösungen arbeiteten. Wir wollten ein Ökosystem, das Unternehmertum als Hebel zur Lösung gesellschaftlicher und ökologischer Probleme versteht.

Was kann Zürich, das Berlin, London oder Singapur nicht können?

Zürich hat eine besondere Superkraft, nämlich die extreme Dichte an Vertrauen, Qualität und Ressourcen auf engstem Raum. Weltklasse-Forschung trifft direkt auf eine starke Wirtschaft und eine eng vernetzte Startup-Szene. Wenn hier eine Partnerschaft geschlossen wird, hat sie Hand und Fuss. Zudem ist Zürich ein idealer Testmarkt. Wer sich in diesem anspruchsvollen Umfeld behauptet, hat ein Produkt, das weltweit skalieren kann.

Wo verliert die Schweiz Talente, die sie halten müsste?

Vor allem in der Wachstumsphase. Bei den Seed-Runden stehen wir sehr gut da, doch wer 50 oder 100 Millionen Franken braucht, wandert fast automatisch ins Ausland, meist in die USA. Hinzu kommt der Talentwettbewerb mit Big Tech, deren Löhne die eigene Gründung zur schwierigen Entscheidung machen. Wir verlieren Talente also nicht nur ins Ausland, sondern auch an andere Karriereformen.

War bei dir zuerst die akademische Frage da oder der unternehmerische Frust?

Zuerst die unternehmerische Neugier. Schon im Masterstudium wollte ich einen Impact-Investing-Fonds aufbauen, 2007/2008 waren wir der Zeit aber weit voraus. Mein Doktorat an der HSG und bei INSEAD war die theoretische Fortsetzung dieser Erfahrung. Später kamen Tillmann und Erik mit der Idee von Inyova auf mich zu. Impact Investing für alle statt nur für Vermögende. Das war spannend!

Woran erkennst du echte Wirkung statt gutem Marketing?

Am Geschäftsmodell. Steigt der positive Effekt für Umwelt oder Gesellschaft mit jedem verkauften Produkt, ist es spannend. Wird der Impact nachträglich dazu addiert, nach dem Motto «Wir verkaufen Plastikflaschen, spenden aber ein Prozent für Bäume», ist das oft nur Marketing. Echter Impact lässt sich messen und ist Teil der Kernstrategie, nicht der PR-Abteilung.

Wo steht Impact Investing 2026, Ernüchterung oder Reife?

Wir erleben die Phase der Konsolidierung und Reife. Die Euphorie, in der alle ihre Logos grün färbten, ist vorbei, und das ist gut so. Wer nur fürs Marketing mitgemacht hat, ist abgerückt. Das ist fürs Klima dramatisch, zeigt aber, wer wirklich aus Überzeugung unterwegs ist. Hitzewellen und die Abhängigkeit von der Strasse von Hormus zeigen, dass Impact Investing wichtiger denn je ist.

Wie kommt die Grauzone zwischen Non-Profit und For-Profit zu Kapital?

Das ist eine der grössten Baustellen. Stiftungen tun sich mit Krediten schwer, klassische VCs fordern Renditen, die soziale Innovationen anfangs nicht liefern. Doch es tut sich etwas. Der Kanton Zürich erlaubt gemeinnützigen Stiftungen nun Förderungen mit Darlehen, und es gibt immer mehr Fonds mit Nachhaltigkeitsfokus. Wenn die grossen Asset Owner verstärkt Nachhaltigkeit einfordern, fliesst noch mehr Kapital in wirkungsorientierte Startups.

Wo scheitern Partnerschaften zwischen Startups, Konzernen und Städten am häufigsten?

Fast nie an der Technologie, fast immer an Kulturen und Geschwindigkeiten. Ein Startup agiert in Wochen, ein Konzern in Budget-Jahren. Sechs Monate Wartezeit auf einen Proof-of-Concept können bereits das Ende bedeuten. Ein weiterer Killer ist das «Not-invented-here»-Syndrom im mittleren Management. Es gelingt, wenn ein Champion mit Budget und Entscheidungsmacht dahinter steht.

Welches Signal verrät dir früh, dass ein Team es schaffen wird?

Die Kombination aus starkem Fokus auf ein relevantes Problem und radikaler Flexibilität bei der Lösung. Wer sich in die erste Produktidee verliebt, scheitert oft. Erfolgreiche Teams hören extrem gut zu, lassen sich coachen und passen ihr Produkt ohne Ego an. Dazu kommen Resilienz und Komplementarität. Man spürt sofort, ob ein Team Gegenwind gemeinsam durchsteht.

Welche Unternehmen wird der Impact Hub in zehn Jahren beherbergen?

Unternehmen an der Schnittstelle von synthetischer Biologie, Quantencomputing und Kreislaufwirtschaft. Gründerinnen und Gründer, die Software für planetare Grenzen entwickeln oder KI-gesteuerte Energienetze für Städte entwerfen. Das Konzept des Impact-Startups wird sich erübrigt haben, denn 2036 wird kein Unternehmen mehr Zugang zu Kapital haben, das nicht inhärent nachhaltig agiert.

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