Das Zuhause ist vernetzt. Die Beleuchtung reagiert, die Heizung lernt, der Kühlschrank meldet sich. Nur das Bett schläft noch. Das Schweizer Startup calmea AG will das ändern.
Wer morgens aufwacht und sich fragt, warum er sich trotz acht Stunden Schlaf nicht erholt fühlt, bekommt von den meisten Technologien auf dem Markt eine halbe Antwort. Tracker am Handgelenk messen den Körper, ignorieren aber die Umgebung. Sie sagen, was passiert ist, nicht warum. Das Schlafzimmer selbst – seine Temperatur, seine Luftqualität, sein Lärmpegel – bleibt aussen vor.
Die Forschungsgruppe am Sensory-Motor Systems Lab der ETH Zürich beschäftigt sich seit Jahren mit genau dieser Frage. Zu dieser Gruppe gehörten Dr. Alexander Breuss und Manuel Fujs, die dort an Schlafrobotik forschten. Dabei erkannten sie etwas Unerwartetes. Jedes Mal, wenn sie ihre Technologie zeigten, wollten die Menschen wissen, wann sie diese für ihr eigenes Schlafzimmer kaufen könnten. Diese spontane und wiederholte Nachfrage war der eigentliche Auslöser, aus dem Forschungsprojekt ein Unternehmen zu machen.
Sensoren im Bettfuss statt am Handgelenk
Calmea integriert proprietäre Sensoren direkt in die Struktur des Bettes, konkret in die Bettfüsse. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Ballistokardiographie. Das bedeutet: Die Sensoren sind empfindlich genug, um jede Herzkontraktion und die minimalen Gewichtsverlagerungen durch jeden Atemzug zu erfassen. Daraus leiten Machine-Learning-Modelle kontinuierlich Herzfrequenz, Atemfrequenz, Bewegung und Schlafphasen ab. Gleichzeitig erfasst das System die Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftqualität, Licht und Lärm. Kein Wearable, das getragen oder geladen werden muss.
Der eigentliche Wert liegt nicht in der Messung allein. Calmea verbindet, was im Körper passiert, mit der Umgebung, die ihn beeinflusst, und verändert diese Umgebung dann automatisch. Nutzende erhalten ein vollständigeres Bild davon, warum sie so schlafen, wie sie schlafen, und was sich konkret verbessern lässt.
Das Unternehmen ist aus einem Pivot entstanden. Ursprünglich arbeitete das Team an Schaukelbett-Systemen, welche eine wissenschaftlich validierte, schlaffördernde Wirkung haben. Der Weg zur Skalierung führte aber über teure, schwer zu vertreibende Hardware. Die ehrliche Erkenntnis war, so beschreibt es das Team, dass der eigentliche Wert nicht im bewegten Bett lag, sondern in der Sensorik und Intelligenz darunter. Der Schwenk zum OEM-Modell folgte dieser Logik.
Durch bestehende Kanäle skalieren
Das Geschäftsmodell von calmea basiert auf OEM-Integration und Lizenzierung. Kunden sind Bettenhersteller, die die Sensing-Technologie in ihre eigenen Produkte integrieren. Die Endnutzenden schlafen darin, ohne je ein calmea-Gerät gekauft zu haben. Die Logik dahinter ist klar: Skalierung über bestehende Vertriebskanäle der Hersteller, statt eine eigene Kundenbasis von Grund auf aufzubauen. Das Unternehmen befindet sich noch in der Pre-Revenue-Phase und entwickelt das Produkt in enger Partnerschaft mit Bettenherstellern und Endkonsumierenden. Erste Pilotprojekte mit Herstellern und Händlern sind in Planung. Gespräche mit grossen Herstellern laufen bereits, das Interesse ist laut dem Team stark.
Den Moment, an dem die Gelegenheit offensichtlich wurde, beschreibt das Team so: In Gesprächen mit Bettenherstellern wurde klar, dass deren Markt nach Innovation hungert. Das Bewusstsein für Schlaf und Longevity wächst rasant, der Markt rund um das Thema expandiert, aber fast nichts davon erreicht das Bett selbst.
Ein Team zwischen ETH und Markt
Die vier Gründer bringen unterschiedliche Hintergründe mit. Alexander, CEO, hat Informatik und Robotik studiert und sein Doktorat sowie Postdoc in schlafspezifischer Robotik an der ETH absolviert. Manuel, MSc. und CTO, hat seinen Master in Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU München gemacht und seine Masterthesis an der ETH zu Schlafrobotik geschrieben, bevor er als Forscher blieb. Levin Engeli, Dipl.-Ing. und Lead Engineer, ist ausgebildeter Full-Stack-Entwickler mit einem CAS in Industrial Design sowie Erfahrung bei Siemens. Er kam über den Zivildienst an die ETH, und das Team entschied, ihn danach zu behalten. Leo Andrin Küng, MSc. und CCO, bringt einen Master in Innovation and Entrepreneurship von der ZHAW sowie Erfahrung in Strategieberatung, Innovationsmanagement und B2B-Sales mit.
Die Unterstützung durch das Schweizer Ökosystem hat sich laut dem Team mit jeder Phase verändert. Während der ETH-Zeit flossen nicht dilutive Fördergelder vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und von Innosuisse für die Entwicklung neuer Schlaftechnologien. Danach folgte das BRIDGE Proof of Concept Fellowship, um die Forschungsgeräte auf Marktfähigkeit zu testen. Venture Kick und VentureLab sowie die Innosuisse-Coaching-Programme halfen beim Übergang von der Forschung zur eigenständigen Unternehmung.
Wenn calmea erfolgreich ist, wird Schlaftracking per Wearable so veraltet wirken wie das manuelle Zählen von Schritten. Das Bett versteht die schlafende Person, passt die Umgebung still im Hintergrund an und macht Erholung zu etwas, das von selbst geschieht. Das ist die Schicht, die im vernetzten Zuhause noch fehlt.
Bildlegende (von links): Leo Andrin Küng, Levin Engeli, Manuel Fujs und Alexander Breuss, die Co-Founder von calmea
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23 Questions mit Scewo.
Das Zuhause ist vernetzt. Die Beleuchtung reagiert, die Heizung lernt, der Kühlschrank meldet sich. Nur das Bett schläft noch. Das Schweizer Startup calmea AG will das ändern.
Wer morgens aufwacht und sich fragt, warum er sich trotz acht Stunden Schlaf nicht erholt fühlt, bekommt von den meisten Technologien auf dem Markt eine halbe Antwort. Tracker am Handgelenk messen den Körper, ignorieren aber die Umgebung. Sie sagen, was passiert ist, nicht warum. Das Schlafzimmer selbst – seine Temperatur, seine Luftqualität, sein Lärmpegel – bleibt aussen vor.
Die Forschungsgruppe am Sensory-Motor Systems Lab der ETH Zürich beschäftigt sich seit Jahren mit genau dieser Frage. Zu dieser Gruppe gehörten Dr. Alexander Breuss und Manuel Fujs, die dort an Schlafrobotik forschten. Dabei erkannten sie etwas Unerwartetes. Jedes Mal, wenn sie ihre Technologie zeigten, wollten die Menschen wissen, wann sie diese für ihr eigenes Schlafzimmer kaufen könnten. Diese spontane und wiederholte Nachfrage war der eigentliche Auslöser, aus dem Forschungsprojekt ein Unternehmen zu machen.
Sensoren im Bettfuss statt am Handgelenk
Calmea integriert proprietäre Sensoren direkt in die Struktur des Bettes, konkret in die Bettfüsse. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Ballistokardiographie. Das bedeutet: Die Sensoren sind empfindlich genug, um jede Herzkontraktion und die minimalen Gewichtsverlagerungen durch jeden Atemzug zu erfassen. Daraus leiten Machine-Learning-Modelle kontinuierlich Herzfrequenz, Atemfrequenz, Bewegung und Schlafphasen ab. Gleichzeitig erfasst das System die Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftqualität, Licht und Lärm. Kein Wearable, das getragen oder geladen werden muss.
Der eigentliche Wert liegt nicht in der Messung allein. Calmea verbindet, was im Körper passiert, mit der Umgebung, die ihn beeinflusst, und verändert diese Umgebung dann automatisch. Nutzende erhalten ein vollständigeres Bild davon, warum sie so schlafen, wie sie schlafen, und was sich konkret verbessern lässt.
Das Unternehmen ist aus einem Pivot entstanden. Ursprünglich arbeitete das Team an Schaukelbett-Systemen, welche eine wissenschaftlich validierte, schlaffördernde Wirkung haben. Der Weg zur Skalierung führte aber über teure, schwer zu vertreibende Hardware. Die ehrliche Erkenntnis war, so beschreibt es das Team, dass der eigentliche Wert nicht im bewegten Bett lag, sondern in der Sensorik und Intelligenz darunter. Der Schwenk zum OEM-Modell folgte dieser Logik.
Durch bestehende Kanäle skalieren
Das Geschäftsmodell von calmea basiert auf OEM-Integration und Lizenzierung. Kunden sind Bettenhersteller, die die Sensing-Technologie in ihre eigenen Produkte integrieren. Die Endnutzenden schlafen darin, ohne je ein calmea-Gerät gekauft zu haben. Die Logik dahinter ist klar: Skalierung über bestehende Vertriebskanäle der Hersteller, statt eine eigene Kundenbasis von Grund auf aufzubauen. Das Unternehmen befindet sich noch in der Pre-Revenue-Phase und entwickelt das Produkt in enger Partnerschaft mit Bettenherstellern und Endkonsumierenden. Erste Pilotprojekte mit Herstellern und Händlern sind in Planung. Gespräche mit grossen Herstellern laufen bereits, das Interesse ist laut dem Team stark.
Den Moment, an dem die Gelegenheit offensichtlich wurde, beschreibt das Team so: In Gesprächen mit Bettenherstellern wurde klar, dass deren Markt nach Innovation hungert. Das Bewusstsein für Schlaf und Longevity wächst rasant, der Markt rund um das Thema expandiert, aber fast nichts davon erreicht das Bett selbst.
Ein Team zwischen ETH und Markt
Die vier Gründer bringen unterschiedliche Hintergründe mit. Alexander, CEO, hat Informatik und Robotik studiert und sein Doktorat sowie Postdoc in schlafspezifischer Robotik an der ETH absolviert. Manuel, MSc. und CTO, hat seinen Master in Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU München gemacht und seine Masterthesis an der ETH zu Schlafrobotik geschrieben, bevor er als Forscher blieb. Levin Engeli, Dipl.-Ing. und Lead Engineer, ist ausgebildeter Full-Stack-Entwickler mit einem CAS in Industrial Design sowie Erfahrung bei Siemens. Er kam über den Zivildienst an die ETH, und das Team entschied, ihn danach zu behalten. Leo Andrin Küng, MSc. und CCO, bringt einen Master in Innovation and Entrepreneurship von der ZHAW sowie Erfahrung in Strategieberatung, Innovationsmanagement und B2B-Sales mit.
Die Unterstützung durch das Schweizer Ökosystem hat sich laut dem Team mit jeder Phase verändert. Während der ETH-Zeit flossen nicht dilutive Fördergelder vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und von Innosuisse für die Entwicklung neuer Schlaftechnologien. Danach folgte das BRIDGE Proof of Concept Fellowship, um die Forschungsgeräte auf Marktfähigkeit zu testen. Venture Kick und VentureLab sowie die Innosuisse-Coaching-Programme halfen beim Übergang von der Forschung zur eigenständigen Unternehmung.
Wenn calmea erfolgreich ist, wird Schlaftracking per Wearable so veraltet wirken wie das manuelle Zählen von Schritten. Das Bett versteht die schlafende Person, passt die Umgebung still im Hintergrund an und macht Erholung zu etwas, das von selbst geschieht. Das ist die Schicht, die im vernetzten Zuhause noch fehlt.




