Der Versuchsstollen Hagerbach ist seit über fünfzig Jahren das Untertage-Labor der Schweiz. Julien Michels, Head Research Infrastructure, über die Brücke zwischen Forschung und Markt.
Julien, welche Rolle spielt Hagerbach im Innosuisse-Ökosystem?
Der VSH ist das zentrale Labor, wenn es um die Nutzung des unterirdischen Raums geht, von Bautechnik bis zu Wärme- und Energiespeicherung, CO2 Einspeicherung und Elektrifizierung unterirdischer Anlagen. Bei Innosuisse-Projekten agieren wir als Forschungspartner, weil uns das SBFI gemäss FIFG Artikel 15 als Forschungsinfrastruktur von nationaler Bedeutung anerkannt hat. Wir bieten wissenschaftliche Begleitung durch unsere Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Ingenieure sowie eine einzigartige Forschungsinfrastruktur. Diese erlaubt es, technologische Entwicklungen im Grossmassstab zu verifizieren und so den Markteintritt zu vereinfachen, sozusagen «Versuche unter realen Bedingungen mit der Ruhe eines Labors». Das Underground Future Lab ist die Schnittstelle zwischen Forschung und praktischer Anwendung.
Wo scheitern Startups und Forschungsprojekte typischerweise an der Schnittstelle zwischen Forschung und Anwendung?
Oft genau beim Übergang vom Labor in die Praxis. Wir bieten den Unternehmen einen kontrollierten Rahmen, in dem ihre Ideen im grossen Massstab überprüft werden können. Die Industriepartner und Startups lassen wir aber nicht allein, sondern stellen technischen Support und wissenschaftliches Backup gemeinsam mit unseren akademischen Partnern bereit. Bei Innosuisse-Projekten arbeiten Akademie und Industrie Hand in Hand, mit dem Ziel einer erfolgreichen Markteinführung. Unsere Partner profitieren zudem direkt von unserem breiten akademischen und industriellen Netzwerk, sowohl national als auch international.
Welche Arten von Startups profitieren am stärksten von eurer Infrastruktur?
Ursprünglich kommen wir aus dem Untertagbau, dort sind wir nach wie vor sehr aktiv. Erst kürzlich wurde ein weiteres Innosuisse-Projekt genehmigt, bei dem wir mit unseren Partnern ultrahochfesten Beton auf die Spritztechnologie anpassen, um Tunnel und andere Infrastrukturen effizient sanieren zu können. Es geht aber längst nicht nur um Maschinen und Beton. Wir arbeiten auch mit Konzepten wie Digitalen Zwillingen für unterirdische Anlagen, mit Sensorik, Vermessung und KI-basierten Überwachungsmethoden. Neben Heavy Construction sind wir in den Feldern Energy, Smart City und Space Habitats aktiv. Das reicht von unterirdischer Wärmespeicherung über Carbon Dioxide Removal bis hin zu autonomem Fahren unter Tag und batteriebetriebenen Minenfahrzeugen. Aktuell bauen wir mit Akteuren aus dem Space-Bereich Aktivitäten zu Space Habitats und Microgravity auf. Es gibt also nicht die eine Branche, die besonders geeignet ist. Gemeinsam ist allen Partnern, dass sie bereits eine Vorstellung haben, wie ihr Konzept aussehen soll. Grundlagenforschung machen wir nicht, wir greifen dort ein, wo eine Methode schon erste Entwicklungsschritte hinter sich hat.
Was unterscheidet euch operativ von klassischen Innovationsparks oder Acceleratoren?
Die grossmassstäbliche Stolleninfrastruktur. Das Kavernensystem mit Tunneln in unterschiedlichen Längen und Querschnitten sucht in Europa seinesgleichen. Dazu kommt ein erfahrenes Team aus Wissenschaft und Ingenieurwesen, das den Partnern Support liefert. Durch unseren Status als Forschungsinfrastruktur von nationaler Bedeutung können wir uns für dieselben Fördergelder bewerben wie eine ETH oder eine Fachhochschule. Das macht uns für die Industrie zu einem anerkannten Forschungspartner.
Welche Mehrwerte bietet ihr Startups über die Infrastruktur hinaus?
Die Infrastruktur selbst ist ein Validierungsvehikel, weil sie Konzepte unter realen Bedingungen testbar macht. Das vertieft das technische Verständnis und erlaubt es unseren Partnern, ihre Stakeholder zu überzeugen, also Endkunden, Ämter oder Politik, wenn sie Entwicklungen im realen Massstab präsentieren können. Bestimmte Prototypen können auch die breitere Gesellschaft überzeugen, weil sie eine neue Methode realitätsnah erlebbar machen. Wir sind eine offene Versuchsanstalt und auf Anfrage privat besuchbar. Unser über fünfzig Jahre gewachsenes Netzwerk ist der zweite Hebel. Startups knüpfen via VSH Kontakte in die Wirtschaft, die sie sonst nicht so schnell erreichen würden.
Wie ist euer Geschäftsmodell zwischen Fördergeldern und privaten Partnern aufgebaut?
Wir agieren entweder als Dienstleister für kurzfristige Aufträge in unserer Stolleninfrastruktur und in unserem zertifizierten Baustoffprüflabor, oder als Forschungspartner in längerfristigen Projekten wie Innosuisse, SNSF und EU Horizon. Das richtige Vehikel stimmen wir gemeinsam mit dem Partner ab. Eine Dienstleistung eignet sich für die Überprüfung einer bereits ausgereiften Technologie. F&E-Projekte sind technisch und wissenschaftlich tiefer angesiedelt und unterstützen den Partner mit detaillierten Untersuchungen im Rahmen des Technologietransfers.
Das Underground Future Lab zeigt, was möglich wird, wenn Forschung, Industrie und Startups einen gemeinsamen Versuchsraum teilen. Die Stollen sind dabei mehr als Infrastruktur, sie sind der Ort, an dem Ideen ihre erste echte Bewährungsprobe bestehen.
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Der Versuchsstollen Hagerbach ist seit über fünfzig Jahren das Untertage-Labor der Schweiz. Julien Michels, Head Research Infrastructure, über die Brücke zwischen Forschung und Markt.
Julien, welche Rolle spielt Hagerbach im Innosuisse-Ökosystem?
Der VSH ist das zentrale Labor, wenn es um die Nutzung des unterirdischen Raums geht, von Bautechnik bis zu Wärme- und Energiespeicherung, CO2 Einspeicherung und Elektrifizierung unterirdischer Anlagen. Bei Innosuisse-Projekten agieren wir als Forschungspartner, weil uns das SBFI gemäss FIFG Artikel 15 als Forschungsinfrastruktur von nationaler Bedeutung anerkannt hat. Wir bieten wissenschaftliche Begleitung durch unsere Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Ingenieure sowie eine einzigartige Forschungsinfrastruktur. Diese erlaubt es, technologische Entwicklungen im Grossmassstab zu verifizieren und so den Markteintritt zu vereinfachen, sozusagen «Versuche unter realen Bedingungen mit der Ruhe eines Labors». Das Underground Future Lab ist die Schnittstelle zwischen Forschung und praktischer Anwendung.
Wo scheitern Startups und Forschungsprojekte typischerweise an der Schnittstelle zwischen Forschung und Anwendung?
Oft genau beim Übergang vom Labor in die Praxis. Wir bieten den Unternehmen einen kontrollierten Rahmen, in dem ihre Ideen im grossen Massstab überprüft werden können. Die Industriepartner und Startups lassen wir aber nicht allein, sondern stellen technischen Support und wissenschaftliches Backup gemeinsam mit unseren akademischen Partnern bereit. Bei Innosuisse-Projekten arbeiten Akademie und Industrie Hand in Hand, mit dem Ziel einer erfolgreichen Markteinführung. Unsere Partner profitieren zudem direkt von unserem breiten akademischen und industriellen Netzwerk, sowohl national als auch international.
Welche Arten von Startups profitieren am stärksten von eurer Infrastruktur?
Ursprünglich kommen wir aus dem Untertagbau, dort sind wir nach wie vor sehr aktiv. Erst kürzlich wurde ein weiteres Innosuisse-Projekt genehmigt, bei dem wir mit unseren Partnern ultrahochfesten Beton auf die Spritztechnologie anpassen, um Tunnel und andere Infrastrukturen effizient sanieren zu können. Es geht aber längst nicht nur um Maschinen und Beton. Wir arbeiten auch mit Konzepten wie Digitalen Zwillingen für unterirdische Anlagen, mit Sensorik, Vermessung und KI-basierten Überwachungsmethoden. Neben Heavy Construction sind wir in den Feldern Energy, Smart City und Space Habitats aktiv. Das reicht von unterirdischer Wärmespeicherung über Carbon Dioxide Removal bis hin zu autonomem Fahren unter Tag und batteriebetriebenen Minenfahrzeugen. Aktuell bauen wir mit Akteuren aus dem Space-Bereich Aktivitäten zu Space Habitats und Microgravity auf. Es gibt also nicht die eine Branche, die besonders geeignet ist. Gemeinsam ist allen Partnern, dass sie bereits eine Vorstellung haben, wie ihr Konzept aussehen soll. Grundlagenforschung machen wir nicht, wir greifen dort ein, wo eine Methode schon erste Entwicklungsschritte hinter sich hat.
Was unterscheidet euch operativ von klassischen Innovationsparks oder Acceleratoren?
Die grossmassstäbliche Stolleninfrastruktur. Das Kavernensystem mit Tunneln in unterschiedlichen Längen und Querschnitten sucht in Europa seinesgleichen. Dazu kommt ein erfahrenes Team aus Wissenschaft und Ingenieurwesen, das den Partnern Support liefert. Durch unseren Status als Forschungsinfrastruktur von nationaler Bedeutung können wir uns für dieselben Fördergelder bewerben wie eine ETH oder eine Fachhochschule. Das macht uns für die Industrie zu einem anerkannten Forschungspartner.
Welche Mehrwerte bietet ihr Startups über die Infrastruktur hinaus?
Die Infrastruktur selbst ist ein Validierungsvehikel, weil sie Konzepte unter realen Bedingungen testbar macht. Das vertieft das technische Verständnis und erlaubt es unseren Partnern, ihre Stakeholder zu überzeugen, also Endkunden, Ämter oder Politik, wenn sie Entwicklungen im realen Massstab präsentieren können. Bestimmte Prototypen können auch die breitere Gesellschaft überzeugen, weil sie eine neue Methode realitätsnah erlebbar machen. Wir sind eine offene Versuchsanstalt und auf Anfrage privat besuchbar. Unser über fünfzig Jahre gewachsenes Netzwerk ist der zweite Hebel. Startups knüpfen via VSH Kontakte in die Wirtschaft, die sie sonst nicht so schnell erreichen würden.
Wie ist euer Geschäftsmodell zwischen Fördergeldern und privaten Partnern aufgebaut?
Wir agieren entweder als Dienstleister für kurzfristige Aufträge in unserer Stolleninfrastruktur und in unserem zertifizierten Baustoffprüflabor, oder als Forschungspartner in längerfristigen Projekten wie Innosuisse, SNSF und EU Horizon. Das richtige Vehikel stimmen wir gemeinsam mit dem Partner ab. Eine Dienstleistung eignet sich für die Überprüfung einer bereits ausgereiften Technologie. F&E-Projekte sind technisch und wissenschaftlich tiefer angesiedelt und unterstützen den Partner mit detaillierten Untersuchungen im Rahmen des Technologietransfers.
Das Underground Future Lab zeigt, was möglich wird, wenn Forschung, Industrie und Startups einen gemeinsamen Versuchsraum teilen. Die Stollen sind dabei mehr als Infrastruktur, sie sind der Ort, an dem Ideen ihre erste echte Bewährungsprobe bestehen.




