Gesundheit ist längst mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Sie wird zum Lebensstil, zur Investition und zum Statussymbol. Die Gründerinnen und Gründer von AVEA erklären, weshalb Prävention boomt und welche Rolle die Wissenschaft dabei spielt.
Als AVEA 2021 gegründet wurde, war Longevity noch ein Nischenthema. Heute zählt das Unternehmen zu den frühen Schweizer Anbietern in einem rasant wachsenden Markt. Die Gründerinnen und Gründer Sophie Chabloz, Teresa Budetta, Duri Granziol und Pascal Rode sprechen über Wissenschaft, Unternehmertum und Marktchancen. Investor Tobias Reichmuth ordnet ein, weshalb er von Anfang an an das Potenzial glaubte.
Warum beschäftigt sich unsere Gesellschaft plötzlich so intensiv mit Longevity?
Sophie: Demografisch gesehen werden wir immer älter. Gleichzeitig leben wir im Westen weniger in engen Gemeinschaften, sodass viele Menschen im Alter stärker auf sich allein gestellt sind. Umso wichtiger wird es, gesund und unabhängig zu bleiben.
Zudem haben viele erkannt, dass sie ihre Gesundheit selbst aktiv beeinflussen können. Sie verlassen sich nicht mehr ausschliesslich auf ihre Ärztinnen und Ärzte, sondern verstehen Prävention als den entscheidenden Hebel.
Das heisst, ein gesunder Lifestyle gilt heute als «cool»?
Sophie: Gesundheit ist zu einem Statussymbol geworden. Sie signalisiert, dass man Zeit und Ressourcen hat, in sich selbst zu investieren. Gleichzeitig erleben wir einen Generationenwandel: Jüngere Menschen trinken deutlich weniger oder gar keinen Alkohol und legen schon früh grossen Wert auf Fitness und Gesundheit.
Welche Rolle spielen soziale Medien und Persönlichkeiten wie Bryan Johnson?
Sophie: Auch Wissen ist heute viel leichter zugänglich. Soziale Medien, Influencerinnen und Influencer und inzwischen auch KI machen wissenschaftliche Erkenntnisse verständlicher. Wearables und Gesundheitstests für zu Hause ermöglichen es zudem, die eigene Gesundheit laufend zu beobachten. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – von Bryan Johnson bis zu Sportlern wie David Beckham oder Cristiano Ronaldo – haben das Thema zusätzlich sichtbar gemacht, indem sie offen über ihre Routinen sprechen.
Ihr verkauft heute in mehreren Ländern. Welche Unterschiede gibt es beim Verständnis von Gesundheit, Prävention und gesundem Altern?
Teresa: In der Schweiz und in den nordischen Ländern ist Prävention tief in Kultur und Gesundheitssystem verankert. Die Menschen investieren selbstverständlich auch selbst in ihre Gesundheit – etwa in Diagnostik, Nahrungsergänzungsmittel oder andere Longevityangebote. Gesundheit wird dort aktiv gemessen, erhalten und verbessert, nicht erst dann, wenn Beschwerden auftreten.
Deutschland und Grossbritannien befinden sich aus unserer Sicht in einer Übergangsphase. Das Interesse an Longevity, Prävention und Biohacking wächst deutlich, gleichzeitig ist das Vertrauen in das klassische Gesundheitssystem weiterhin sehr hoch. Viele Menschen beschäftigen sich deshalb erst intensiver mit ihrer Gesundheit, wenn ein konkreter Anlass oder erste Beschwerden auftreten.
In Südeuropa ist Prävention im Alltag bislang weniger verankert. Gesundheit wird stärker mit Behandlung als mit Vorbeugung verbunden, auch wenn das Interesse an Nahrungsergänzung und Wellness spürbar zunimmt.
Insgesamt sehen wir deshalb kein grundsätzlich unterschiedliches Verständnis von Gesundheit, sondern verschiedene Geschwindigkeiten. Alle Märkte bewegen sich in dieselbe Richtung – einige sind dabei einfach weiter als andere.
Wie baut man eine Marke in einem entstehenden Markt auf?
Teresa: Wir haben begonnen, über Longevity aufzuklären, lange bevor das Thema zum Mainstream wurde – noch bevor Persönlichkeiten wie Bryan Johnson weltweit Aufmerksamkeit dafür geschaffen haben. Wir mussten zunächst Verständnis schaffen, bevor überhaupt eine Nachfrage entstehen konnte. Wir erklärten, weshalb gesundes Altern wichtig ist, was biologisches Altern bedeutet und warum Prävention eine langfristige Investition in die eigene Gesundheit ist.
Was für Vorteile hat euch diese Vorarbeit gebracht?
Teresa: Wir konnten Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufbauen, bevor der Markt deutlich voller wurde. Heute, da die Kategorie stark wächst, werden wir als eine der frühen wissenschaftlich geprägten Stimmen in diesem Bereich wahrgenommen.
Wer in einem entstehenden Markt eine Marke aufbaut, braucht vor allem das richtige Timing und viel Aufklärungsarbeit. Man entwickelt nicht nur ein Unternehmen, sondern prägt die neue Kategorie von Anfang an mit.
Wo seht ihr die grössten Missverständnisse rund um gesundes Altern?
Pascal: Das grösste Missverständnis ist, dass Longevity teuer, exklusiv und einer kleinen Elite vorbehalten sei. Das Gegenteil ist der Fall. Lange wurde überschätzt, wie stark unsere Lebensspanne genetisch festgelegt ist. Heute zeigen Längsschnittstudien, dass der erbliche Anteil nur etwa ein Viertel ausmacht. Der weitaus grössere Teil hängt von Faktoren ab, die wir selbst beeinflussen können: Bewegung, Schlaf, Ernährung, Stress und soziale Beziehungen.
Das macht gesundes Altern zugänglicher, denn die wirksamsten Hebel sind oft nicht die teuersten. Entsprechend verändert sich auch die Zielgruppe. Sie reicht längst über ein wohlhabendes, technikaffines Publikum hinaus und umfasst immer mehr Menschen, die früh und pragmatisch in ihre langfristige Gesundheit investieren – unabhängig von Alter oder Lebenssituation.
Im Konsummarkt sind Trends und Hypes häufig die Treiber der Nachfrage. Wie geht ihr damit um?
Duri: Wir lassen uns von der Qualität der wissenschaftlichen Evidenz leiten, nicht vom Hype. Konkret fragen wir: Gibt es kontrollierte Studien am Menschen oder nur Labor- und Tierstudien? Ist der Wirkmechanismus plausibel? Entspricht die eingesetzte Dosierung jener, deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist? Wurden die Ergebnisse unabhängig bestätigt? Und wie sieht das Sicherheits- und Langzeitprofil aus?
Diese Fragen prüft unser wissenschaftlicher Beirat systematisch, bevor ein Wirkstoff überhaupt in die engere Auswahl kommt. Erhält ein Inhaltsstoff zwar viel mediale Aufmerksamkeit, fehlen aber belastbare Daten oder ist seine Bioverfügbarkeit unklar, verzichten wir bewusst darauf – auch wenn uns das kurzfristig Umsatz kosten kann. Genau diese Konsequenz gehört zu unserem Markenversprechen.
Evidenzbasierte Entwicklung braucht Zeit. Wie bringt ihr wissenschaftliche Qualität und Startup-Tempo unter einen Hut?
Sophie: Genau. Für ein Startup ist es wichtig, Produkte zeitnah auf den Markt zu bringen, während umfassende klinische Studien viel Zeit und Geld erfordern. Deshalb entwickeln wir unsere Produkte zunächst auf Basis der wissenschaftlichen Evidenz zu den einzelnen Wirkstoffen und ihrer sinnvollen Kombination. Anschliessend untersuchen wir die fertige Formulierung in eigenen Studien weiter.
Der Collagen Activator gilt als einer eurer grössten Erfolge. Wie erklärt ihr euch das?
Teresa: Kollagen ist vielen Menschen bereits ein Begriff. Sie suchen gezielt danach. Gleichzeitig besteht ein grosser Teil des Marktes aus Kollagenprodukten, deren Formulierungen wissenschaftlich nur schwach abgestützt sind.
Wir haben deshalb eine wissenschaftlich fundierte Formulierung entwickelt, diese patentiert und das Produkt laufend weiterentwickelt – nicht nur bei den Wirkstoffen, sondern auch beim Geschmack und den Verabreichungsformen.
Tobias, dich kennt man aus “Die Höhle der Löwen Schweiz”. Warum hast du in AVEA investiert?
Tobias: Wir haben mit Maximon, einem Inkubator, AVEA mitentwickelt. In diesem Rahmen haben wir auch als Investoren über mehrere Meilensteine hinweg insgesamt sieben Millionen Franken in AVEA investiert. Nach einer sechsmonatigen Validierungsphase war uns klar, dass es kaum wissenschaftlich fundierte Nahrungsergänzungsmittel im Bereich Longevity gab, die Nachfrage jedoch weit über die Biohacker-Community hinaus reichte und rasch wuchs.
Die Kombination aus Swissness und wissenschaftlicher Innovation erschien uns als Erfolgsrezept – und daran glauben wir bis heute. Gleichzeitig hat uns das Gründungsteam überzeugt: Vier Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Kompetenzen, die sich ideal ergänzen. Es macht mir bis heute grosse Freude, mit Sophie, Teresa, Duri und Pascal zusammenzuarbeiten.
Für Investoren ist es wichtig, dass die Produkte von Mitbewerbern nicht einfach kopiert werden können. Wie schützt sich AVEA vor diesem Risiko?
Duri: Wir verkaufen nicht einzelne Inhaltsstoffe, sondern entwickeln Formulierungen, in denen sich Wirkstoffe sinnvoll ergänzen und verschiedene Alterungsprozesse gleichzeitig adressieren.
Die enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft ermöglicht uns zudem, eigene Technologien und patentierte Wirkstoffe zu sichern. So konnten wir die an der ETH entwickelte Kollagenvorstufe exklusiv für unseren Collagen Activator patentieren. Für unser Biomind-Probiotikum setzen wir auf eine spezielle Duocap-Technologie.
Hinzu kommen Faktoren wie Reinheit, Bioverfügbarkeit und Zertifizierungen, deren Aufbau viel Zeit und Know-how erfordert. Und schliesslich ist auch unsere Marke ein Wettbewerbsvorteil. Vertrauen entsteht nicht über Nacht, sondern durch Transparenz, wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und eine Community, die uns seit Jahren begleitet.
Wenn du fünf Jahre vorausblickst: Welche Trends werden den Longevitymarkt am stärksten verändern – wissenschaftlich, gesellschaftlich und geschäftlich?
Pascal: Wissenschaftlich werden Daten und Messbarkeit immer wichtiger. Wir bewegen uns weg von allgemeinen Empfehlungen hin zu einer individualisierten Sicht auf Gesundheit. Zunehmend lässt sich messen, welche Massnahmen bei einer bestimmten Person tatsächlich wirken, statt sich auf Vermutungen zu verlassen.
Gesellschaftlich wird Gesundheit immer stärker als Ressource verstanden, in die Menschen frühzeitig investieren – nicht erst dann, wenn Beschwerden auftreten.
Geschäftlich werden biotechnologische Innovationen die Möglichkeiten für einen gesunden Lebensstil deutlich erweitern. Gleichzeitig bleibt der Lebensstil die Grundlage. Genau deshalb wird Longevity auf absehbare Zeit ein Konsumentenmarkt bleiben: Die grössten Hebel liegen weiterhin im Alltag und nicht primär in der Klinik.
Welche Entwicklung müsste AVEA in den nächsten fünf bis zehn Jahren erreichen, damit ihr sagen würdet: Jetzt haben wir wirklich noch einen Zacken zugelegt?
Duri: Für mich wäre das erreicht, wenn AVEA nicht mehr nur als vertrauenswürdige Marke für Nahrungsergänzungsmittel wahrgenommen wird, sondern als wissenschaftliche Referenz für personalisierte Longevity. Dazu gehören eigene publizierte klinische Studien zu unseren Kernformulierungen, eine breitere regulatorische Anerkennung in weiteren Märkten und vor allem belastbare Daten aus der Praxis, die zeigen, dass unsere Produkte die Gesundheitsspanne unserer Kundschaft messbar verbessern.
Ebenso wichtig ist für mich, Diagnostik und individualisierte Empfehlungen noch enger miteinander zu verknüpfen. Unser Ziel ist es, Menschen nicht einfach einzelne Produkte anzubieten, sondern einen auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Longevitypfad.
Wenn wir gleichzeitig durch Forschungspartnerschaften aktiv zur Weiterentwicklung des Fachgebiets beitragen, wäre das für mich der nächste grosse Schritt.
Ihr beschäftigt euch täglich mit gesundem Altern. Was setzt ihr selbst konsequent um?
Duri: Soziale Kontakte zu haben, ist einer der wichtigsten Faktoren für ein frohes, langes Leben. Dafür nehme ich auch mal eine spätere Schlafenszeit in Kauf und geniesse dafür viele soziale Nachtessen und Events am Abend.
Sophie: Zwei bis drei Mal pro Woche Krafttraining ist für mich unverzichtbar; die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Muskelmasse und gesundem Altern sind einfach zu überzeugend, um sie zu ignorieren. Auch was die Proteinzufuhr, ausreichender Schlaf und natürliches Licht am Morgen angeht, bin ich mittlerweile sehr diszipliniert.
Teresa: Ich ernähre mich überwiegend von unverarbeiteten Lebensmitteln, lege Wert auf hochwertige Proteinquellen, bewege mich täglich, kombiniere Krafttraining mit Ausdauertraining und achte darauf, dass ich die Grundlagen wie Schlaf und Erholung nicht vernachlässige. Zeit mit den Menschen zu verbringen, die ich liebe, sinnvolle Beziehungen aufzubauen und eine Arbeit zu verrichten, die mir ein Gefühl von Sinnhaftigkeit vermittelt, sind mir ebenso wichtig.
Pascal: Ich habe mit Gründerleben und Kindern gelernt, meinen Schlaf zu priorisieren, mir seltener Ausreden für einen Tag ohne Bewegung zu erlauben, regelmässig in Präventivdiagnostik zu investieren und meine Supplements täglich zu nehmen. Diese Konstanten geben mir den Spielraum, auch gezielte Ausnahmen zu geniessen.
Tobias: Ich achte konsequent auf regelmässigen Sport, ausreichend Schlaf, gesunde und auf meine DNA und Blutwerte abgestimmte Ernährung. Zudem investiere ich gezielt in personalisierte Prävention statt erst in die Behandlung.
Und woran scheitert ihr trotz eures Wissens selbst immer wieder?
Tobias: Ganz klar an der Balance. Als Unternehmer kommen intensive Arbeitsphasen, Reisen und viele Abendtermine dazwischen – dann leiden Schlaf und Erholung als Erstes. Perfektion ist aber gar nicht das Ziel. Entscheidend ist es, nach solchen Phasen konsequent wieder in eine gesunde Routine zurückzufinden.
Pascal: Ich bin gesellig, aus der Stammtischgeneration, und in meinen Kreisen gehört wenig gesundes Essen und das eine oder andere Glas oft dazu. Ich versuche, diese Momente bewusst zu leben, statt sie wegzudiskutieren, aber um ehrlich zu sein: Das ist die Baustelle, an der mein Wissen und mein Verhalten am weitesten auseinanderliegen.
Sophie: Stress reduzieren ist ultra schwierig. Ich könnte dir die gesamte Biologie von chronischem Cortisol erklären, was es mit deinem Stoffwechsel, deinem Schlaf und deiner langfristigen Gesundheit anstellt. Und trotz dieses Wissens schaffe ich es nicht, den Stress tiefer zu halten.
Duri: Ich finde es sehr schwierig, immer zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen, was für guten Schlaf jedoch optimal wäre. Für mich ist es immer ein Abwägen zwischen sozialen Kontakten und dem Einhalten einer perfekt optimierten Schlafroutine.
Sophie: Stimmt, am Schlaf scheitere ich auch oft. Aber ich bin Gründerin und Mutter, und um 23 Uhr ist die einzige ruhige Stunde, die ich habe, genau die, in der ich eigentlich schlafen sollte. Deshalb halte ich mich nicht immer an die richtige Schlafenszeit. Stattdessen habe ich gelernt, die Gesamtstundenzahl zu sichern: Wenn ich spät ins Bett gehe, erlaube ich mir, etwas später aufzuwachen, und verlege mein Training auf die Mittagszeit oder den späten Nachmittag, anstatt eine frühe Trainingseinheit im Fitnessstudio zu erzwingen. Das ist keine perfekte Schlafhygiene, aber ein realistischer Kompromiss, der die Erholung nicht beeinträchtigt.
Bildlegende (von links): Duri Granziol, Tobias Reichmuth (Investor), Sophie Chabloz, Teresa Budetta und Pascal Rode
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Gesundheit ist längst mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Sie wird zum Lebensstil, zur Investition und zum Statussymbol. Die Gründerinnen und Gründer von AVEA erklären, weshalb Prävention boomt und welche Rolle die Wissenschaft dabei spielt.
Als AVEA 2021 gegründet wurde, war Longevity noch ein Nischenthema. Heute zählt das Unternehmen zu den frühen Schweizer Anbietern in einem rasant wachsenden Markt. Die Gründerinnen und Gründer Sophie Chabloz, Teresa Budetta, Duri Granziol und Pascal Rode sprechen über Wissenschaft, Unternehmertum und Marktchancen. Investor Tobias Reichmuth ordnet ein, weshalb er von Anfang an an das Potenzial glaubte.
Warum beschäftigt sich unsere Gesellschaft plötzlich so intensiv mit Longevity?
Sophie: Demografisch gesehen werden wir immer älter. Gleichzeitig leben wir im Westen weniger in engen Gemeinschaften, sodass viele Menschen im Alter stärker auf sich allein gestellt sind. Umso wichtiger wird es, gesund und unabhängig zu bleiben.
Zudem haben viele erkannt, dass sie ihre Gesundheit selbst aktiv beeinflussen können. Sie verlassen sich nicht mehr ausschliesslich auf ihre Ärztinnen und Ärzte, sondern verstehen Prävention als den entscheidenden Hebel.
Das heisst, ein gesunder Lifestyle gilt heute als «cool»?
Sophie: Gesundheit ist zu einem Statussymbol geworden. Sie signalisiert, dass man Zeit und Ressourcen hat, in sich selbst zu investieren. Gleichzeitig erleben wir einen Generationenwandel: Jüngere Menschen trinken deutlich weniger oder gar keinen Alkohol und legen schon früh grossen Wert auf Fitness und Gesundheit.
Welche Rolle spielen soziale Medien und Persönlichkeiten wie Bryan Johnson?
Sophie: Auch Wissen ist heute viel leichter zugänglich. Soziale Medien, Influencerinnen und Influencer und inzwischen auch KI machen wissenschaftliche Erkenntnisse verständlicher. Wearables und Gesundheitstests für zu Hause ermöglichen es zudem, die eigene Gesundheit laufend zu beobachten. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – von Bryan Johnson bis zu Sportlern wie David Beckham oder Cristiano Ronaldo – haben das Thema zusätzlich sichtbar gemacht, indem sie offen über ihre Routinen sprechen.
Ihr verkauft heute in mehreren Ländern. Welche Unterschiede gibt es beim Verständnis von Gesundheit, Prävention und gesundem Altern?
Teresa: In der Schweiz und in den nordischen Ländern ist Prävention tief in Kultur und Gesundheitssystem verankert. Die Menschen investieren selbstverständlich auch selbst in ihre Gesundheit – etwa in Diagnostik, Nahrungsergänzungsmittel oder andere Longevityangebote. Gesundheit wird dort aktiv gemessen, erhalten und verbessert, nicht erst dann, wenn Beschwerden auftreten.
Deutschland und Grossbritannien befinden sich aus unserer Sicht in einer Übergangsphase. Das Interesse an Longevity, Prävention und Biohacking wächst deutlich, gleichzeitig ist das Vertrauen in das klassische Gesundheitssystem weiterhin sehr hoch. Viele Menschen beschäftigen sich deshalb erst intensiver mit ihrer Gesundheit, wenn ein konkreter Anlass oder erste Beschwerden auftreten.
In Südeuropa ist Prävention im Alltag bislang weniger verankert. Gesundheit wird stärker mit Behandlung als mit Vorbeugung verbunden, auch wenn das Interesse an Nahrungsergänzung und Wellness spürbar zunimmt.
Insgesamt sehen wir deshalb kein grundsätzlich unterschiedliches Verständnis von Gesundheit, sondern verschiedene Geschwindigkeiten. Alle Märkte bewegen sich in dieselbe Richtung – einige sind dabei einfach weiter als andere.
Wie baut man eine Marke in einem entstehenden Markt auf?
Teresa: Wir haben begonnen, über Longevity aufzuklären, lange bevor das Thema zum Mainstream wurde – noch bevor Persönlichkeiten wie Bryan Johnson weltweit Aufmerksamkeit dafür geschaffen haben. Wir mussten zunächst Verständnis schaffen, bevor überhaupt eine Nachfrage entstehen konnte. Wir erklärten, weshalb gesundes Altern wichtig ist, was biologisches Altern bedeutet und warum Prävention eine langfristige Investition in die eigene Gesundheit ist.
Was für Vorteile hat euch diese Vorarbeit gebracht?
Teresa: Wir konnten Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufbauen, bevor der Markt deutlich voller wurde. Heute, da die Kategorie stark wächst, werden wir als eine der frühen wissenschaftlich geprägten Stimmen in diesem Bereich wahrgenommen.
Wer in einem entstehenden Markt eine Marke aufbaut, braucht vor allem das richtige Timing und viel Aufklärungsarbeit. Man entwickelt nicht nur ein Unternehmen, sondern prägt die neue Kategorie von Anfang an mit.
Wo seht ihr die grössten Missverständnisse rund um gesundes Altern?
Pascal: Das grösste Missverständnis ist, dass Longevity teuer, exklusiv und einer kleinen Elite vorbehalten sei. Das Gegenteil ist der Fall. Lange wurde überschätzt, wie stark unsere Lebensspanne genetisch festgelegt ist. Heute zeigen Längsschnittstudien, dass der erbliche Anteil nur etwa ein Viertel ausmacht. Der weitaus grössere Teil hängt von Faktoren ab, die wir selbst beeinflussen können: Bewegung, Schlaf, Ernährung, Stress und soziale Beziehungen.
Das macht gesundes Altern zugänglicher, denn die wirksamsten Hebel sind oft nicht die teuersten. Entsprechend verändert sich auch die Zielgruppe. Sie reicht längst über ein wohlhabendes, technikaffines Publikum hinaus und umfasst immer mehr Menschen, die früh und pragmatisch in ihre langfristige Gesundheit investieren – unabhängig von Alter oder Lebenssituation.
Im Konsummarkt sind Trends und Hypes häufig die Treiber der Nachfrage. Wie geht ihr damit um?
Duri: Wir lassen uns von der Qualität der wissenschaftlichen Evidenz leiten, nicht vom Hype. Konkret fragen wir: Gibt es kontrollierte Studien am Menschen oder nur Labor- und Tierstudien? Ist der Wirkmechanismus plausibel? Entspricht die eingesetzte Dosierung jener, deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist? Wurden die Ergebnisse unabhängig bestätigt? Und wie sieht das Sicherheits- und Langzeitprofil aus?
Diese Fragen prüft unser wissenschaftlicher Beirat systematisch, bevor ein Wirkstoff überhaupt in die engere Auswahl kommt. Erhält ein Inhaltsstoff zwar viel mediale Aufmerksamkeit, fehlen aber belastbare Daten oder ist seine Bioverfügbarkeit unklar, verzichten wir bewusst darauf – auch wenn uns das kurzfristig Umsatz kosten kann. Genau diese Konsequenz gehört zu unserem Markenversprechen.
Evidenzbasierte Entwicklung braucht Zeit. Wie bringt ihr wissenschaftliche Qualität und Startup-Tempo unter einen Hut?
Sophie: Genau. Für ein Startup ist es wichtig, Produkte zeitnah auf den Markt zu bringen, während umfassende klinische Studien viel Zeit und Geld erfordern. Deshalb entwickeln wir unsere Produkte zunächst auf Basis der wissenschaftlichen Evidenz zu den einzelnen Wirkstoffen und ihrer sinnvollen Kombination. Anschliessend untersuchen wir die fertige Formulierung in eigenen Studien weiter.
Der Collagen Activator gilt als einer eurer grössten Erfolge. Wie erklärt ihr euch das?
Teresa: Kollagen ist vielen Menschen bereits ein Begriff. Sie suchen gezielt danach. Gleichzeitig besteht ein grosser Teil des Marktes aus Kollagenprodukten, deren Formulierungen wissenschaftlich nur schwach abgestützt sind.
Wir haben deshalb eine wissenschaftlich fundierte Formulierung entwickelt, diese patentiert und das Produkt laufend weiterentwickelt – nicht nur bei den Wirkstoffen, sondern auch beim Geschmack und den Verabreichungsformen.
Tobias, dich kennt man aus “Die Höhle der Löwen Schweiz”. Warum hast du in AVEA investiert?
Tobias: Wir haben mit Maximon, einem Inkubator, AVEA mitentwickelt. In diesem Rahmen haben wir auch als Investoren über mehrere Meilensteine hinweg insgesamt sieben Millionen Franken in AVEA investiert. Nach einer sechsmonatigen Validierungsphase war uns klar, dass es kaum wissenschaftlich fundierte Nahrungsergänzungsmittel im Bereich Longevity gab, die Nachfrage jedoch weit über die Biohacker-Community hinaus reichte und rasch wuchs.
Die Kombination aus Swissness und wissenschaftlicher Innovation erschien uns als Erfolgsrezept – und daran glauben wir bis heute. Gleichzeitig hat uns das Gründungsteam überzeugt: Vier Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Kompetenzen, die sich ideal ergänzen. Es macht mir bis heute grosse Freude, mit Sophie, Teresa, Duri und Pascal zusammenzuarbeiten.
Für Investoren ist es wichtig, dass die Produkte von Mitbewerbern nicht einfach kopiert werden können. Wie schützt sich AVEA vor diesem Risiko?
Duri: Wir verkaufen nicht einzelne Inhaltsstoffe, sondern entwickeln Formulierungen, in denen sich Wirkstoffe sinnvoll ergänzen und verschiedene Alterungsprozesse gleichzeitig adressieren.
Die enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft ermöglicht uns zudem, eigene Technologien und patentierte Wirkstoffe zu sichern. So konnten wir die an der ETH entwickelte Kollagenvorstufe exklusiv für unseren Collagen Activator patentieren. Für unser Biomind-Probiotikum setzen wir auf eine spezielle Duocap-Technologie.
Hinzu kommen Faktoren wie Reinheit, Bioverfügbarkeit und Zertifizierungen, deren Aufbau viel Zeit und Know-how erfordert. Und schliesslich ist auch unsere Marke ein Wettbewerbsvorteil. Vertrauen entsteht nicht über Nacht, sondern durch Transparenz, wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und eine Community, die uns seit Jahren begleitet.
Wenn du fünf Jahre vorausblickst: Welche Trends werden den Longevitymarkt am stärksten verändern – wissenschaftlich, gesellschaftlich und geschäftlich?
Pascal: Wissenschaftlich werden Daten und Messbarkeit immer wichtiger. Wir bewegen uns weg von allgemeinen Empfehlungen hin zu einer individualisierten Sicht auf Gesundheit. Zunehmend lässt sich messen, welche Massnahmen bei einer bestimmten Person tatsächlich wirken, statt sich auf Vermutungen zu verlassen.
Gesellschaftlich wird Gesundheit immer stärker als Ressource verstanden, in die Menschen frühzeitig investieren – nicht erst dann, wenn Beschwerden auftreten.
Geschäftlich werden biotechnologische Innovationen die Möglichkeiten für einen gesunden Lebensstil deutlich erweitern. Gleichzeitig bleibt der Lebensstil die Grundlage. Genau deshalb wird Longevity auf absehbare Zeit ein Konsumentenmarkt bleiben: Die grössten Hebel liegen weiterhin im Alltag und nicht primär in der Klinik.
Welche Entwicklung müsste AVEA in den nächsten fünf bis zehn Jahren erreichen, damit ihr sagen würdet: Jetzt haben wir wirklich noch einen Zacken zugelegt?
Duri: Für mich wäre das erreicht, wenn AVEA nicht mehr nur als vertrauenswürdige Marke für Nahrungsergänzungsmittel wahrgenommen wird, sondern als wissenschaftliche Referenz für personalisierte Longevity. Dazu gehören eigene publizierte klinische Studien zu unseren Kernformulierungen, eine breitere regulatorische Anerkennung in weiteren Märkten und vor allem belastbare Daten aus der Praxis, die zeigen, dass unsere Produkte die Gesundheitsspanne unserer Kundschaft messbar verbessern.
Ebenso wichtig ist für mich, Diagnostik und individualisierte Empfehlungen noch enger miteinander zu verknüpfen. Unser Ziel ist es, Menschen nicht einfach einzelne Produkte anzubieten, sondern einen auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Longevitypfad.
Wenn wir gleichzeitig durch Forschungspartnerschaften aktiv zur Weiterentwicklung des Fachgebiets beitragen, wäre das für mich der nächste grosse Schritt.
Ihr beschäftigt euch täglich mit gesundem Altern. Was setzt ihr selbst konsequent um?
Duri: Soziale Kontakte zu haben, ist einer der wichtigsten Faktoren für ein frohes, langes Leben. Dafür nehme ich auch mal eine spätere Schlafenszeit in Kauf und geniesse dafür viele soziale Nachtessen und Events am Abend.
Sophie: Zwei bis drei Mal pro Woche Krafttraining ist für mich unverzichtbar; die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Muskelmasse und gesundem Altern sind einfach zu überzeugend, um sie zu ignorieren. Auch was die Proteinzufuhr, ausreichender Schlaf und natürliches Licht am Morgen angeht, bin ich mittlerweile sehr diszipliniert.
Teresa: Ich ernähre mich überwiegend von unverarbeiteten Lebensmitteln, lege Wert auf hochwertige Proteinquellen, bewege mich täglich, kombiniere Krafttraining mit Ausdauertraining und achte darauf, dass ich die Grundlagen wie Schlaf und Erholung nicht vernachlässige. Zeit mit den Menschen zu verbringen, die ich liebe, sinnvolle Beziehungen aufzubauen und eine Arbeit zu verrichten, die mir ein Gefühl von Sinnhaftigkeit vermittelt, sind mir ebenso wichtig.
Pascal: Ich habe mit Gründerleben und Kindern gelernt, meinen Schlaf zu priorisieren, mir seltener Ausreden für einen Tag ohne Bewegung zu erlauben, regelmässig in Präventivdiagnostik zu investieren und meine Supplements täglich zu nehmen. Diese Konstanten geben mir den Spielraum, auch gezielte Ausnahmen zu geniessen.
Tobias: Ich achte konsequent auf regelmässigen Sport, ausreichend Schlaf, gesunde und auf meine DNA und Blutwerte abgestimmte Ernährung. Zudem investiere ich gezielt in personalisierte Prävention statt erst in die Behandlung.
Und woran scheitert ihr trotz eures Wissens selbst immer wieder?
Tobias: Ganz klar an der Balance. Als Unternehmer kommen intensive Arbeitsphasen, Reisen und viele Abendtermine dazwischen – dann leiden Schlaf und Erholung als Erstes. Perfektion ist aber gar nicht das Ziel. Entscheidend ist es, nach solchen Phasen konsequent wieder in eine gesunde Routine zurückzufinden.
Pascal: Ich bin gesellig, aus der Stammtischgeneration, und in meinen Kreisen gehört wenig gesundes Essen und das eine oder andere Glas oft dazu. Ich versuche, diese Momente bewusst zu leben, statt sie wegzudiskutieren, aber um ehrlich zu sein: Das ist die Baustelle, an der mein Wissen und mein Verhalten am weitesten auseinanderliegen.
Sophie: Stress reduzieren ist ultra schwierig. Ich könnte dir die gesamte Biologie von chronischem Cortisol erklären, was es mit deinem Stoffwechsel, deinem Schlaf und deiner langfristigen Gesundheit anstellt. Und trotz dieses Wissens schaffe ich es nicht, den Stress tiefer zu halten.
Duri: Ich finde es sehr schwierig, immer zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen, was für guten Schlaf jedoch optimal wäre. Für mich ist es immer ein Abwägen zwischen sozialen Kontakten und dem Einhalten einer perfekt optimierten Schlafroutine.
Sophie: Stimmt, am Schlaf scheitere ich auch oft. Aber ich bin Gründerin und Mutter, und um 23 Uhr ist die einzige ruhige Stunde, die ich habe, genau die, in der ich eigentlich schlafen sollte. Deshalb halte ich mich nicht immer an die richtige Schlafenszeit. Stattdessen habe ich gelernt, die Gesamtstundenzahl zu sichern: Wenn ich spät ins Bett gehe, erlaube ich mir, etwas später aufzuwachen, und verlege mein Training auf die Mittagszeit oder den späten Nachmittag, anstatt eine frühe Trainingseinheit im Fitnessstudio zu erzwingen. Das ist keine perfekte Schlafhygiene, aber ein realistischer Kompromiss, der die Erholung nicht beeinträchtigt.




