Startup Nights: von Winterthur auf die Weltbühne

Die Startup Nights sind mit über 9500 Besucherinnen und Besuchern das grösste Startup-Event der Schweiz. Diese Woche wurde ihre Vision 2030 vorgestellt: Unter dem Dach der Swiss Startup Association beginnt eine neue Ära. Gabriel Riedo erklärt, warum der Schweiz nicht die Innovation fehlt, sondern die Bühne dafür.

Gabriel, wenn du an 2030 denkst: Ist das erst der Anfang oder schon das Ziel?

Definitiv der Anfang. Die Startup Nights haben sich bisher in Fünfjahresperioden entwickelt. Angefangen hat alles im Technopark Winterthur, nach rund fünf Jahren waren wir dafür zu gross und zogen in die Eulachhallen. Jetzt reicht auch dieses Venue nicht mehr, also beginnt die nächste Periode. Es ist kein Start bei null, sondern der Anfang eines neuen Kapitels. Es herrscht Aufbruchstimmung, mit neuen Strukturen, Formaten und Zielen.

Seit 2026 gehören die Startup Nights zur Swiss Startup Association (SSA). Was verändert dieser Schritt?

Es war eine logische Entwicklung. Entstanden sind die Startup Nights beim Entrepreneur Club Winterthur mit dem Ziel, Winterthur und das Unternehmertum zu fördern. Getragen haben uns dabei von Anfang an der Technopark, die Stadt und unsere Partner der ersten Stunde – dieser Rückhalt war elementar. Irgendwann wurde das Ganze aber grösser als der Standort, die neue Obhut war deshalb folgerichtig. Mit der SSA im Rücken fächern wir breiter auf. Es geht nicht mehr nur um die frühe Phase, sondern um alle Stages, ganz national von der Romandie bis zur italienischsprachigen Schweiz. Wir wollen zeigen, was der Innovationsstandort Schweiz auf der globalen Bühne zu bieten hat.

Ihr wollt über die Schweiz hinaus. Wie sieht dieser Weg aus?

2027 ziehen wir nach Zürich in die Messe, in ein grösseres Venue nahe am Flughafen, das den internationalen Zugang erleichtert. In den Eulachhallen sind wir an unsere Kapazitätsgrenzen gestossen, mit Aussenzelten und -containern ging es nicht mehr weiter. Genau darum wird die letzte Startup Nights dort im November 2026 für uns auch einen nostalgischen Charakter haben, und ich hoffe, dass nochmal möglichst viele mit uns dabei sind. Oerlikon mit der Nähe zum Flughafen ist für den nächsten Schritt ein Glücksfall, ETH und Messe-Infrastruktur machen den Standort für den internationalen Austausch enorm wertvoll. Wir verstehen uns dabei als Orchestrator. Wir schaffen ein gemeinsames Dach, unter dem die bestehenden Akteure ihre Expertise und Formate einbringen, konzentriert auf zwei bis drei Tage statt übers Jahr verteilt. So entsteht ein Effekt, der sich multipliziert, bis jemand in Paris oder London sagt: In Zürich läuft etwas, das lohnt sich.

Der Blick nach Paris, Lissabon oder Helsinki: Was nimmst du aus solchen Ökosystemen mit?

Ich kenne die einzelnen Hubs zu wenig im Detail, um sie seriös zu vergleichen. Als Gründer weiss ich aber, was ein Startup braucht: Talente, Finanzierung, Marktzugang. Bei den Talenten ist die Schweiz stark, die Finanzierung hat sich in der frühen Phase deutlich verbessert, der kleine Heimmarkt bleibt strukturell anspruchsvoll. Meine eigentliche Beobachtung ist eine andere. Die Schweiz hat enorm viel Substanz, macht sie international aber noch zu wenig gebündelt sichtbar. Der Schweiz fehlt nicht die Innovation, ihr fehlt die Bühne. Genau die wollen wir bauen.

Der familiäre Charakter gilt als eure DNA. Wie bleibt dieser lebendig, wenn das Format wächst?

Das ist die Gretchenfrage. Wir sind überzeugt, dass es an den Leuten liegt. Wenn das Team hinter dem Event familiär miteinander umgeht, spiegelt sich das nach aussen. Unser Format soll einladend, niederschwellig und zugänglich sein, gemacht zum Bleiben statt zur Abfertigung. Unternehmerinnen und Unternehmer, die ständig unter Strom stehen, sollen einen Ort finden, der Nutzen stiftet und zugleich Freude macht. Deshalb setzen wir auf Festival- statt Kongresscharakter.

Wie setzt du das konkret um?

Schon der Eingang soll ein Erlebnis sein. Wer die Messe betritt, taucht in eine andere Welt ein und will nicht gleich wieder hinaus. Essen und Getränke sind kostenlos, man bleibt auf dem Gelände. Unsere Startups animieren wir zu Hands-on-Erlebnissen an den Ständen, dazu kommen Side Events wie Padel- oder Jassturniere und Investorenformate. Zugleich zeigen wir: Unternehmertum darf Spass machen.

Unkonventionell gefragt: Wären die Startup Nights selbst ein Startup, in welcher Finanzierungsrunde stündet ihr und wer wäre euer Trauminvestor?

Wir wären klar in der Scaleup-Phase. Wenn ich mir einen Trauminvestor aussuchen dürfte, dann wäre es eigentlich unser eigenes Team. Die Menschen, die die Startup Nights aufbauen, tragen sie mit enorm viel Passion und Ownership. Dieses «Skin in the Game» ist für mich wahrscheinlich der stärkste Treiber für langfristige Qualität.

Wenn du eine einzige Sache am Schweizer Ökosystem per Fingerschnippen ändern könntest, welche wäre es?

Ich würde gesellschaftlich ansetzen. Wir Schweizer sind stark auf Sicherheit ausgelegt, der klassische Weg führt vom Studium ins Corporate. Ich wünsche mir mehr Risikofreude und mehr Reiz am Gründen. Vor allem wünsche ich mir, dass Scheitern nicht mit Scham verbunden ist. Wenn jemand etwas anreisst und es nicht funktioniert, soll die Reaktion sein: Gut, hast du es probiert, auf zum nächsten Versuch.

Was braucht es hinter den Kulissen, damit das alles gelingt?

Ein Event in dieser Grösse ist ohne das Engagement und die Leidenschaft von Ehrenamtlichen schlicht nicht möglich. Ein riesiges Team trägt die Startup Nights. Unsere Aufgabe ist es, in einer wachsenden Organisation Freude und Begeisterung zu erhalten und unsere Werte zu leben. Gelingt uns das nicht, funktioniert das Ganze nicht.

Ganz persönlich: Wenn du 2030 auf der Bühne stehst und zurückschaust, woran merkst du, dass sich die Arbeit gelohnt hat?

Wenn ich nicht allein auf der Bühne stehe. Wenn das Ökosystem von der Romandie über das Tessin bis nach Schaffhausen zusammengekommen ist und wir gemeinsam zwei, drei Tage Innovation zelebrieren. Wenn Leute ohne jede Gründungserfahrung an die Messe kommen und mit dem Gedanken hinausgehen, selbst ein Startup zu starten. Wenn wir am Ende zudem sagen können, dass ganz konkrete Lösungen entstanden sind, die die Schweiz und Europa in der Innovation weiterbringen, dann hat es sich gelohnt.

 Die nächsten Startup Nights live miterleben

Mit der Vorstellung ihrer Vision 2030 haben die Startup Nights die nächste Entwicklungsphase eingeläutet. Bis 2030 soll in Zürich eine internationale Innovationswoche mit über 50’000 Teilnehmenden und 150 Side Events entstehen.

Bevor 2027 ein neues Kapitel beginnt, finden die Startup Nights am 5. und 6. November 2026 noch einmal dort statt, wo sie gross geworden sind: in den Eulachhallen Winterthur.

Sei dabei und sichere dir jetzt dein Ticket für die Startup Nights 2026!

Bildlegende: Gabriel Riedo, Director von Startup Nights

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Gabriel, wenn du an 2030 denkst: Ist das erst der Anfang oder schon das Ziel?

Definitiv der Anfang. Die Startup Nights haben sich bisher in Fünfjahresperioden entwickelt. Angefangen hat alles im Technopark Winterthur, nach rund fünf Jahren waren wir dafür zu gross und zogen in die Eulachhallen. Jetzt reicht auch dieses Venue nicht mehr, also beginnt die nächste Periode. Es ist kein Start bei null, sondern der Anfang eines neuen Kapitels. Es herrscht Aufbruchstimmung, mit neuen Strukturen, Formaten und Zielen.

Seit 2026 gehören die Startup Nights zur Swiss Startup Association (SSA). Was verändert dieser Schritt?

Es war eine logische Entwicklung. Entstanden sind die Startup Nights beim Entrepreneur Club Winterthur mit dem Ziel, Winterthur und das Unternehmertum zu fördern. Getragen haben uns dabei von Anfang an der Technopark, die Stadt und unsere Partner der ersten Stunde – dieser Rückhalt war elementar. Irgendwann wurde das Ganze aber grösser als der Standort, die neue Obhut war deshalb folgerichtig. Mit der SSA im Rücken fächern wir breiter auf. Es geht nicht mehr nur um die frühe Phase, sondern um alle Stages, ganz national von der Romandie bis zur italienischsprachigen Schweiz. Wir wollen zeigen, was der Innovationsstandort Schweiz auf der globalen Bühne zu bieten hat.

Ihr wollt über die Schweiz hinaus. Wie sieht dieser Weg aus?

2027 ziehen wir nach Zürich in die Messe, in ein grösseres Venue nahe am Flughafen, das den internationalen Zugang erleichtert. In den Eulachhallen sind wir an unsere Kapazitätsgrenzen gestossen, mit Aussenzelten und -containern ging es nicht mehr weiter. Genau darum wird die letzte Startup Nights dort im November 2026 für uns auch einen nostalgischen Charakter haben, und ich hoffe, dass nochmal möglichst viele mit uns dabei sind. Oerlikon mit der Nähe zum Flughafen ist für den nächsten Schritt ein Glücksfall, ETH und Messe-Infrastruktur machen den Standort für den internationalen Austausch enorm wertvoll. Wir verstehen uns dabei als Orchestrator. Wir schaffen ein gemeinsames Dach, unter dem die bestehenden Akteure ihre Expertise und Formate einbringen, konzentriert auf zwei bis drei Tage statt übers Jahr verteilt. So entsteht ein Effekt, der sich multipliziert, bis jemand in Paris oder London sagt: In Zürich läuft etwas, das lohnt sich.

Der Blick nach Paris, Lissabon oder Helsinki: Was nimmst du aus solchen Ökosystemen mit?

Ich kenne die einzelnen Hubs zu wenig im Detail, um sie seriös zu vergleichen. Als Gründer weiss ich aber, was ein Startup braucht: Talente, Finanzierung, Marktzugang. Bei den Talenten ist die Schweiz stark, die Finanzierung hat sich in der frühen Phase deutlich verbessert, der kleine Heimmarkt bleibt strukturell anspruchsvoll. Meine eigentliche Beobachtung ist eine andere. Die Schweiz hat enorm viel Substanz, macht sie international aber noch zu wenig gebündelt sichtbar. Der Schweiz fehlt nicht die Innovation, ihr fehlt die Bühne. Genau die wollen wir bauen.

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Wenn du eine einzige Sache am Schweizer Ökosystem per Fingerschnippen ändern könntest, welche wäre es?

Ich würde gesellschaftlich ansetzen. Wir Schweizer sind stark auf Sicherheit ausgelegt, der klassische Weg führt vom Studium ins Corporate. Ich wünsche mir mehr Risikofreude und mehr Reiz am Gründen. Vor allem wünsche ich mir, dass Scheitern nicht mit Scham verbunden ist. Wenn jemand etwas anreisst und es nicht funktioniert, soll die Reaktion sein: Gut, hast du es probiert, auf zum nächsten Versuch.

Was braucht es hinter den Kulissen, damit das alles gelingt?

Ein Event in dieser Grösse ist ohne das Engagement und die Leidenschaft von Ehrenamtlichen schlicht nicht möglich. Ein riesiges Team trägt die Startup Nights. Unsere Aufgabe ist es, in einer wachsenden Organisation Freude und Begeisterung zu erhalten und unsere Werte zu leben. Gelingt uns das nicht, funktioniert das Ganze nicht.

Ganz persönlich: Wenn du 2030 auf der Bühne stehst und zurückschaust, woran merkst du, dass sich die Arbeit gelohnt hat?

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