Digitale Kompetenzen sind weltweit gefragt — doch viele Talente bleiben unsichtbar, vor allem in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und geringen Zukunftsperspektiven. Remotecoders bringt sie mit europäischen Firmen zusammen.

Von der eigenen Fluchterfahrung zur unternehmerischen Vision

Gegründet wurde Remotecoders von Christian Hirsing — einem Schweizer Unternehmer und Gründer des Unternehmens Powercoders — und Hussam Allaham, der einst selbst auf der Flucht war: «Als erfolgreicher Absolvent in Damaskus habe ich plötzlich alles verloren und musste einen sicheren Ort für meine Familie finden. Ich wusste, mit welchen Schwierigkeiten andere Geflüchtete zu kämpfen haben, die beruflich Fuss fassen möchten.» Im Umfeld des Schweizer Integrationsprojekts Powercoders entstand 2017 eine Idee mit viel Potenzial: Warum nicht Arbeitsplätze dorthin bringen, wo gut ausgebildete, aber chancenlose Menschen leben, statt darauf zu warten, dass sie als Geflüchtete ankommen? Viele Menschen fliehen aus wirtschaftlicher Not, obwohl sie lieber in ihrer Heimat bleiben würden. Andere stecken fest, ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft. So entstand ein Modell, das Digitalisierung, soziale Wirkung und wirtschaftliche Effizienz miteinander verbindet.

Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

Remotecoders funktioniert anders als klassische Outsourcing-Plattformen: Die Organisation ist als Non-Profit strukturiert und baut langfristige Remote-Teams für europäische Unternehmen auf. Unternehmen stellen ein Vollzeitteam mit mindestens einem Senior und bieten alle sechs Monate zwei bis drei Praktika für qualifizierte Talente aus benachteiligten Gruppen an. Einige Schweizer Kunden haben so ihre Teams auf bis zu 12 Personen erweitert. Nachdem alles in der Schweiz startete, wurde das erste Zentrum in Ägypten gegründet. Dort setzen erfahrene Fachkräfte nicht nur Projekte um, sondern wirken auch als Mentoren und Mentorinnen für Talente aus benachteiligten Gruppen.

Benachteiligte Talente gezielt fördern und integrieren

In Partnerschaft mit der EPFL Extension School werden Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt — darunter Geflüchtete, arbeitslose Jugendliche und Frauen — in intensiven und praxisnahen Programmen geschult, bevor sie im fünfmonatigen Praktikum als vollwertiger Teil im echten Unternehmensalltag mitarbeiten. Je nach Profil arbeiten sie in Bereichen wie UI/UX Design, Frontend- oder Backend Entwicklung oder Data Engeneering. Bei diesem Prozess achtet das Team auch gezielt auf die individuelle Lebenssituation der Teilnehmenden und unterstützt sie mit kulturellem Onboarding sowie einem persönlichem Einstiegscoaching. 

Herausforderung: Wirkung und Wirtschaft vereinen

Wie so viele Social Startups kämpft auch Remotecoders an mehreren Fronten: Finanzierung sichern, neue Kundschaft gewinnen, interkulturelle Teams aufbauen. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, Unternehmen das besondere Modell zu vermitteln: dass es hier nicht nur um das Auslagern von Aufgaben geht, sondern um langfristige Teamstrukturen mit sozialer Wirkung. Doch die Erfolge sprechen für sich — zahlreiche Teilnehmende haben durch Remotecoders den Sprung in eine nachhaltige Karriere geschafft. «Neulich kehrte jemand zu uns zurück und sagte: Die sechs Monate bei Remotecoders waren für mich wie zwei Jahre Erfahrung anderswo», erzählt der Gründer glücklich. Und die guten Absichten zahlen sich aus: «Er kam nicht nur, um sich zu bedanken, sondern auch, um zwei neue Stellen für unsere Absolventen und Absolventinnen anzubieten.»

Ein neues Modell für internationale Zusammenarbeit

Remotecoders sieht Remote-Arbeit nicht als pandemiebedingte Ausnahme, sondern als Zukunftsmodell, das wirtschaftlich tragfähig ist und kulturelle Brücken baut. Als Lösung für zwei dringliche Probleme, Fachkräftemangel und Migration, kann es echten sozialen Wandel ermöglichen. Die Zukunftsvision ist, das Konzept auf weitere Länder ausweiten und Remotecoders als führende Plattform für faire, grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu etablieren. Das ist ein Beispiel dafür, wie wir neue Technologien sinnvoll einsetzen können — nicht um zu isolieren, sondern um sinnvoll und gezielt zu verbinden.

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Author: Imke Bolz

Imke Bolz
"Einfach machen. Starten, loslegen und dabei nicht zu sehr an sich zweifeln." -Liliane Ableitner

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Digitale Kompetenzen sind weltweit gefragt — doch viele Talente bleiben unsichtbar, vor allem in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und geringen Zukunftsperspektiven. Remotecoders bringt sie mit europäischen Firmen zusammen.

Von der eigenen Fluchterfahrung zur unternehmerischen Vision

Gegründet wurde Remotecoders von Christian Hirsing — einem Schweizer Unternehmer und Gründer des Unternehmens Powercoders — und Hussam Allaham, der einst selbst auf der Flucht war: «Als erfolgreicher Absolvent in Damaskus habe ich plötzlich alles verloren und musste einen sicheren Ort für meine Familie finden. Ich wusste, mit welchen Schwierigkeiten andere Geflüchtete zu kämpfen haben, die beruflich Fuss fassen möchten.» Im Umfeld des Schweizer Integrationsprojekts Powercoders entstand 2017 eine Idee mit viel Potenzial: Warum nicht Arbeitsplätze dorthin bringen, wo gut ausgebildete, aber chancenlose Menschen leben, statt darauf zu warten, dass sie als Geflüchtete ankommen? Viele Menschen fliehen aus wirtschaftlicher Not, obwohl sie lieber in ihrer Heimat bleiben würden. Andere stecken fest, ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft. So entstand ein Modell, das Digitalisierung, soziale Wirkung und wirtschaftliche Effizienz miteinander verbindet.

Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

Remotecoders funktioniert anders als klassische Outsourcing-Plattformen: Die Organisation ist als Non-Profit strukturiert und baut langfristige Remote-Teams für europäische Unternehmen auf. Unternehmen stellen ein Vollzeitteam mit mindestens einem Senior und bieten alle sechs Monate zwei bis drei Praktika für qualifizierte Talente aus benachteiligten Gruppen an. Einige Schweizer Kunden haben so ihre Teams auf bis zu 12 Personen erweitert. Nachdem alles in der Schweiz startete, wurde das erste Zentrum in Ägypten gegründet. Dort setzen erfahrene Fachkräfte nicht nur Projekte um, sondern wirken auch als Mentoren und Mentorinnen für Talente aus benachteiligten Gruppen.

Benachteiligte Talente gezielt fördern und integrieren

In Partnerschaft mit der EPFL Extension School werden Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt — darunter Geflüchtete, arbeitslose Jugendliche und Frauen — in intensiven und praxisnahen Programmen geschult, bevor sie im fünfmonatigen Praktikum als vollwertiger Teil im echten Unternehmensalltag mitarbeiten. Je nach Profil arbeiten sie in Bereichen wie UI/UX Design, Frontend- oder Backend Entwicklung oder Data Engeneering. Bei diesem Prozess achtet das Team auch gezielt auf die individuelle Lebenssituation der Teilnehmenden und unterstützt sie mit kulturellem Onboarding sowie einem persönlichem Einstiegscoaching. 

Herausforderung: Wirkung und Wirtschaft vereinen

Wie so viele Social Startups kämpft auch Remotecoders an mehreren Fronten: Finanzierung sichern, neue Kundschaft gewinnen, interkulturelle Teams aufbauen. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, Unternehmen das besondere Modell zu vermitteln: dass es hier nicht nur um das Auslagern von Aufgaben geht, sondern um langfristige Teamstrukturen mit sozialer Wirkung. Doch die Erfolge sprechen für sich — zahlreiche Teilnehmende haben durch Remotecoders den Sprung in eine nachhaltige Karriere geschafft. «Neulich kehrte jemand zu uns zurück und sagte: Die sechs Monate bei Remotecoders waren für mich wie zwei Jahre Erfahrung anderswo», erzählt der Gründer glücklich. Und die guten Absichten zahlen sich aus: «Er kam nicht nur, um sich zu bedanken, sondern auch, um zwei neue Stellen für unsere Absolventen und Absolventinnen anzubieten.»

Ein neues Modell für internationale Zusammenarbeit

Remotecoders sieht Remote-Arbeit nicht als pandemiebedingte Ausnahme, sondern als Zukunftsmodell, das wirtschaftlich tragfähig ist und kulturelle Brücken baut. Als Lösung für zwei dringliche Probleme, Fachkräftemangel und Migration, kann es echten sozialen Wandel ermöglichen. Die Zukunftsvision ist, das Konzept auf weitere Länder ausweiten und Remotecoders als führende Plattform für faire, grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu etablieren. Das ist ein Beispiel dafür, wie wir neue Technologien sinnvoll einsetzen können — nicht um zu isolieren, sondern um sinnvoll und gezielt zu verbinden.

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