Drohnen kämpfen mit kurzer Laufzeit, Helikopter sprengen das Budget. Das Startup Levitate dreht den Spiess um: Ihr hybrides Fluggerät nutzt den Auftrieb, um hochpräzise Infrastrukturdaten effizienter zu erfassen.
Es sieht aus wie ein Zeppelin, ist aber keiner. Das fünf Meter lange Flugobjekt gleitet nahezu lautlos über steile Hänge und Hochspannungsleitungen, um hochpräzise Infrastrukturdaten zu liefern. Der Ursprung dieses ungewöhnlichen Geräts liegt in einem Problem, das Andi Zaugg keine Ruhe liess: der Kampf gegen die Gravitation. Der erfahrene Software- und Robotik-Spezialist hatte rund 60 eigene Drohnen gebaut und war frustriert über die kurze Akkulaufzeit. Da die sogenannten Multikopter den Grossteil ihrer Energie verschwenden, nur um in der Luft zu schweben, stellte er die entscheidende Frage: Warum nutzen wir nicht einfach den Auftrieb?
Gemeinsam mit Gabriela Odermatt-Feuz, die er während einer Weiterbildung kennenlernte, beschloss er, dieses Problem anzupacken. Aus der Idee entstand das Startup Levitate und ein Hybrid-Fluggerät, das aerodynamischen Auftrieb mit einem statischen Trägergas kombiniert. Die Folge: Das Flugobjekt kann bis zu sechs Stunden autonom fliegen.

Andi Zaugg und Gabriela Odermatt-Feuz entwickelten ein hybrides Fluggerät, um hochpräzise Infrastrukturdaten effizienter zu erfassen.
Mehr als nur fliegen: Daten statt Hardware
Levitate verkauft jedoch keine Fluggeräte, sondern «Aerial Data as a Service», also Bild- und Messdaten aus der Luft als Dienstleistung. «Faktisch ist nicht der Hybridgleiter unser Kernprodukt, sondern die fertigen Datensätze», erklärt Gabriela. Das Startup fliegt für seine Kunden lange Korridore ab und erfasst kritische Infrastrukturen. Aus den gesammelten Informationen entstehen präzise digitale Zwillinge.
Das Interesse ist riesig. Die ersten Pilotprojekte zeigen das breite Anwendungsspektrum: Levitate erfasst beispielsweise kilometerlange Gleisabschnitte für Bahnunternehmen, um topologische Verschiebungen, den Zustand von Steinschlagnetzen oder Hitzeschäden an Isolatoren frühzeitig zu erkennen. Auch für die Überwachung von Stromnetzen ist das Gerät ideal. Bisher werden solche Überprüfungen meist mit teuren und lauten Helikoptern durchgeführt. Levitate bietet hier eine umweltfreundliche Alternative und ermöglicht signifikante Kosteneinsparungen.
Der lange Atem auf dem Weg zur Skalierung
Auch wenn Levitate am Ende Daten verkauft, bleibt das Fundament ihres Services ein hochkomplexes physisches Fluggerät. Und wer in der Schweiz solche Hardware entwickelt, hat es bei der Investorensuche oft schwerer als reine Software-Unternehmen. «Es gibt in der Startup-Welt zwar viele Grants, aber die sind meistens nicht flüssig», erklärt Gabriela. Oft erhalte man stattdessen Coachings oder geschenkte Dienstleistungen. «Aber irgendwann bist du ausgecoacht. Ein Startup wie unseres braucht am Ende finanzielle Ressourcen», bringt sie es auf den Punkt. Bisher finanzierte sich Levitate hauptsächlich durch eigenes Kapital, eine Finanzierungsrunde im privaten Umfeld und Fördergelder. Nun strebt das Team den Abschluss einer Seed-Runde an.
Mit Resilienz zum nächsten Meilenstein
Solche Hürden zeigen, warum der Aufbau eines Hardware-Startups kein Sprint ist. «Es braucht unglaublich viel Atem und Resilienz», resümiert die Co-Founderin. Was das Duo auf diesem anspruchsvollen Weg antreibt, ist das klare Kundenbedürfnis und das positive Feedback aus der Industrie. Das nächste grosse Ziel steht bereits fest: die behördliche Fluglizenzierung. Sobald diese Hürde genommen ist, steht der Skalierung über die Landesgrenzen hinaus nichts mehr im Weg.
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“23 Questions mit…”
In unserem neuen Format stellen wir Gründerinnen, Gründern oder Teammitgliedern 23 Fragen in einem One-Take – während wir durch die Firma gehen. Kein Skript, kein Cut, kein Studio. Nur echtes Startup-Leben.
23 Questions mit Scewo.
Drohnen kämpfen mit kurzer Laufzeit, Helikopter sprengen das Budget. Das Startup Levitate dreht den Spiess um: Ihr hybrides Fluggerät nutzt den Auftrieb, um hochpräzise Infrastrukturdaten effizienter zu erfassen.
Es sieht aus wie ein Zeppelin, ist aber keiner. Das fünf Meter lange Flugobjekt gleitet nahezu lautlos über steile Hänge und Hochspannungsleitungen, um hochpräzise Infrastrukturdaten zu liefern. Der Ursprung dieses ungewöhnlichen Geräts liegt in einem Problem, das Andi Zaugg keine Ruhe liess: der Kampf gegen die Gravitation. Der erfahrene Software- und Robotik-Spezialist hatte rund 60 eigene Drohnen gebaut und war frustriert über die kurze Akkulaufzeit. Da die sogenannten Multikopter den Grossteil ihrer Energie verschwenden, nur um in der Luft zu schweben, stellte er die entscheidende Frage: Warum nutzen wir nicht einfach den Auftrieb?
Gemeinsam mit Gabriela Odermatt-Feuz, die er während einer Weiterbildung kennenlernte, beschloss er, dieses Problem anzupacken. Aus der Idee entstand das Startup Levitate und ein Hybrid-Fluggerät, das aerodynamischen Auftrieb mit einem statischen Trägergas kombiniert. Die Folge: Das Flugobjekt kann bis zu sechs Stunden autonom fliegen.

Andi Zaugg und Gabriela Odermatt-Feuz entwickelten ein hybrides Fluggerät, um hochpräzise Infrastrukturdaten effizienter zu erfassen.
Mehr als nur fliegen: Daten statt Hardware
Levitate verkauft jedoch keine Fluggeräte, sondern «Aerial Data as a Service», also Bild- und Messdaten aus der Luft als Dienstleistung. «Faktisch ist nicht der Hybridgleiter unser Kernprodukt, sondern die fertigen Datensätze», erklärt Gabriela. Das Startup fliegt für seine Kunden lange Korridore ab und erfasst kritische Infrastrukturen. Aus den gesammelten Informationen entstehen präzise digitale Zwillinge.
Das Interesse ist riesig. Die ersten Pilotprojekte zeigen das breite Anwendungsspektrum: Levitate erfasst beispielsweise kilometerlange Gleisabschnitte für Bahnunternehmen, um topologische Verschiebungen, den Zustand von Steinschlagnetzen oder Hitzeschäden an Isolatoren frühzeitig zu erkennen. Auch für die Überwachung von Stromnetzen ist das Gerät ideal. Bisher werden solche Überprüfungen meist mit teuren und lauten Helikoptern durchgeführt. Levitate bietet hier eine umweltfreundliche Alternative und ermöglicht signifikante Kosteneinsparungen.
Der lange Atem auf dem Weg zur Skalierung
Auch wenn Levitate am Ende Daten verkauft, bleibt das Fundament ihres Services ein hochkomplexes physisches Fluggerät. Und wer in der Schweiz solche Hardware entwickelt, hat es bei der Investorensuche oft schwerer als reine Software-Unternehmen. «Es gibt in der Startup-Welt zwar viele Grants, aber die sind meistens nicht flüssig», erklärt Gabriela. Oft erhalte man stattdessen Coachings oder geschenkte Dienstleistungen. «Aber irgendwann bist du ausgecoacht. Ein Startup wie unseres braucht am Ende finanzielle Ressourcen», bringt sie es auf den Punkt. Bisher finanzierte sich Levitate hauptsächlich durch eigenes Kapital, eine Finanzierungsrunde im privaten Umfeld und Fördergelder. Nun strebt das Team den Abschluss einer Seed-Runde an.
Mit Resilienz zum nächsten Meilenstein
Solche Hürden zeigen, warum der Aufbau eines Hardware-Startups kein Sprint ist. «Es braucht unglaublich viel Atem und Resilienz», resümiert die Co-Founderin. Was das Duo auf diesem anspruchsvollen Weg antreibt, ist das klare Kundenbedürfnis und das positive Feedback aus der Industrie. Das nächste grosse Ziel steht bereits fest: die behördliche Fluglizenzierung. Sobald diese Hürde genommen ist, steht der Skalierung über die Landesgrenzen hinaus nichts mehr im Weg.


