Biotech Startup Cellvie: Wenn Zellkraftwerke zur Therapie werden

Bei vielen Krankheiten sterben Zellen, weil ihnen die Energie ausgeht.  Um dies künftig zu vermeiden, hat das Biotech-Startup cellvie eine neue Therapieform entwickelt. 

Hinter cellvie steht Gründer Alexander Schueller, der zuvor bereits ein Unternehmen im medizinischen Bereich aufgebaut und erfolgreich veräussert hatte. Ausgangspunkt für die cellvie war die Beobachtung seines Mitgründers von der Harvard Medical School, dass Zellen unter bestimmten Umständen Mitochondrien, ihre «Kraftwerke», an andere Zellen weitergeben können und dass man diesen natürlichen Mechanismus auch therapeutisch nutzen kann. «Wir entwickeln Mitochondrien als neue therapeutische Modalität», sagt Schueller. Nach ersten Schritten in den USA verlegte er das Unternehmen im Rahmen der ersten Finanzierungsrunde nach Zürich. «Wid sind natürlich gerne in die Schweiz gekommen – nicht zuletzt auch wegen der starken Biotech Szene vor Ort – aber es war Dr. Jürg Geigy, der uns durch seine Investition hierher gelotst hat». Seit seiner Gründung hat cellvie mehr als 13 Millionen Franken eingesammelt und arbeitet mit einem Team von 9 Mitarbeitern im Züricher Technopark daran die Mitochondrientransplantation zum Patienten zu bringen.

Eine Therapie für beschädigte Zellen

Cellvie konzentriert sich zunächst auf sogenannte Ischämie- und Reperfusionsschäden, die immer dann auftreten, wenn ein Organ oder Gewebe vom Blutfluss abgetrennt wird und dadurch mit zu wenig mit Sauerstoff versorgt wird (Ischämie), bevor der Blutfluss wieder einsetzt (Reperfusion). Gerade diese Rückkehr des Sauerstoffs kann die geschwächten Zellen zusätzlich belasten. Schueller vergleicht das mit einer deftigen Mahlzeit nach einer langen Fastenperiode. Was eigentlich helfen soll, kann den Körper zunächst überfordern. Oft ist der Grund für das Ausmass der Schäden defekte Mitochondrien. Im gesunden Zustand sind sie dafür verantwortlich, dass Zellen mithilfe von Sauerstoff Energie produzieren können. Funktionieren sie nicht mehr, bricht die Energieversorgung zusammen und die Zelle stirbt.

Dies will cellvie durch Mitochondrientransplantation verhindern. Das Unternehmen gewinnt Mitochondrien aus Stammzellen, bereitet sie auf und bringt sie in geschädigte Zellen ein. So soll deren Energieproduktion wieder stabilisiert werden. Erste klinische Studien sind zunächst im Bereich von Nierentransplantationen geplant. Dort sind die Bedingungen besser kontrollierbar, was kleinere und damit realistisch finanzierbare Studien ermöglicht.

Der lange Weg zur neuen medizinischen Modalität

Noch befindet sich cellvie in der präklinischen Phase. Die Therapie wurde bisher vor allem im Labor und in Tiermodellen getestet. Die Anforderungen sind hoch, nicht zuletzt, weil es sich um einen völlig neuen medizinischen Ansatz handelt. Noch sind nicht alle relevanten biologische Prozesse vollständig verstanden. «In der Biologie schaut man oft durch Schlüssellöcher in einen Raum», sagt Schueller, «man sieht einzelne Teile, aber nie das ganze Bild.»

Trotz dieser Unsicherheiten hat Cellvie bereits Investoren wie Kizoo Technology Capital und Taiho Ventures gewonnen. Erste Studien, etwa am Boston Children’s Hospital, durchgeführt von cellvie’s Mitgründern, liefern zudem vielversprechende Hinweise auf das Potenzial der Technologie. Langfristig versteht sich cellvie nicht nur als Entwickler einer einzelnen Therapie, sondern als Plattform für mitochondriale Medizin. Neben akuten Schäden untersucht das Unternehmen auch Anwendungen bei genetischen Erkrankungen, etwa der Schmetterlingskrankheit. Mit der für 2026 geplanten Finanzierungsrunde sollen erste klinische Studien folgen. Gelingt der Ansatz, entsteht daraus eine neue Klasse von Therapien.

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Author: Dea Sikiric

Dea Sikiric
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Eine Therapie für beschädigte Zellen

Cellvie konzentriert sich zunächst auf sogenannte Ischämie- und Reperfusionsschäden, die immer dann auftreten, wenn ein Organ oder Gewebe vom Blutfluss abgetrennt wird und dadurch mit zu wenig mit Sauerstoff versorgt wird (Ischämie), bevor der Blutfluss wieder einsetzt (Reperfusion). Gerade diese Rückkehr des Sauerstoffs kann die geschwächten Zellen zusätzlich belasten. Schueller vergleicht das mit einer deftigen Mahlzeit nach einer langen Fastenperiode. Was eigentlich helfen soll, kann den Körper zunächst überfordern. Oft ist der Grund für das Ausmass der Schäden defekte Mitochondrien. Im gesunden Zustand sind sie dafür verantwortlich, dass Zellen mithilfe von Sauerstoff Energie produzieren können. Funktionieren sie nicht mehr, bricht die Energieversorgung zusammen und die Zelle stirbt.

Dies will cellvie durch Mitochondrientransplantation verhindern. Das Unternehmen gewinnt Mitochondrien aus Stammzellen, bereitet sie auf und bringt sie in geschädigte Zellen ein. So soll deren Energieproduktion wieder stabilisiert werden. Erste klinische Studien sind zunächst im Bereich von Nierentransplantationen geplant. Dort sind die Bedingungen besser kontrollierbar, was kleinere und damit realistisch finanzierbare Studien ermöglicht.

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Noch befindet sich cellvie in der präklinischen Phase. Die Therapie wurde bisher vor allem im Labor und in Tiermodellen getestet. Die Anforderungen sind hoch, nicht zuletzt, weil es sich um einen völlig neuen medizinischen Ansatz handelt. Noch sind nicht alle relevanten biologische Prozesse vollständig verstanden. «In der Biologie schaut man oft durch Schlüssellöcher in einen Raum», sagt Schueller, «man sieht einzelne Teile, aber nie das ganze Bild.»

Trotz dieser Unsicherheiten hat Cellvie bereits Investoren wie Kizoo Technology Capital und Taiho Ventures gewonnen. Erste Studien, etwa am Boston Children’s Hospital, durchgeführt von cellvie’s Mitgründern, liefern zudem vielversprechende Hinweise auf das Potenzial der Technologie. Langfristig versteht sich cellvie nicht nur als Entwickler einer einzelnen Therapie, sondern als Plattform für mitochondriale Medizin. Neben akuten Schäden untersucht das Unternehmen auch Anwendungen bei genetischen Erkrankungen, etwa der Schmetterlingskrankheit. Mit der für 2026 geplanten Finanzierungsrunde sollen erste klinische Studien folgen. Gelingt der Ansatz, entsteht daraus eine neue Klasse von Therapien.

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