Babylat konzentriert Muttermilch für Frühgeborene

Frühgeborene Babys haben einen besonders hohen Nährstoffbedarf. Das Schweizer Medtech-Startup Babylat entwickelt ein Gerät, das Muttermilch aufbereitet. Gründerin Zina Yudina will medizinische Risiken senken – und ein ethisches Zeichen setzen.

Frühgeborene sind klein, leicht und besonders verletzlich. Jede Mahlzeit zählt, um ihr Wachstum und ihre Entwicklung zu sichern. Muttermilch gilt zwar als beste Nahrung für Neugeborene, doch bei Frühgeborenen reicht sie oft nicht aus. Ihr Magen ist klein, der Nährstoffbedarf hoch. Viele Kliniken mischen deshalb Kuhmilch-Bestandteile bei. Das löst zwar das Wachstumsproblem, kann aber Magen-Darm-Komplikationen auslösen. Genau hier setzt Babylat an. Das Schweizer Startup entwickelt ein Gerät, das Muttermilch konzentriert und mit notwendigen Nährstoffen anreichert – ganz ohne Kuhmilch. 

Vom Labor in die Klinik

Babylat wurde von Zina Yudina gegründet. Sie hat in Pharmazie promoviert und arbeitete danach unter anderem als Postdoc an der ETH Zürich. Während ihrer akademischen Laufbahn erlebte sie, wie herausfordernd es sein kann, die Anforderungen der Forschung mit einer langfristigen klinischen Wirkung in Einklang zu bringen. «Babylat entstand aus dem Wunsch heraus, etwas wirklich Sinnvolles zu schaffen, das über das Labor hinaus Anwendung findet», sagt sie. «In der Wissenschaft werden enorme Datenmengen generiert – doch vieles davon erreicht die Patientinnen und Patienten nie.»

Auf der Suche nach einem Projekt, das einen echten Unterschied macht, stiess sie auf die Ernährung von Frühgeborenen. Sie sprach mit Ärzt:innen, sammelte Daten und prüfte technologische Ansätze. «Viele Ärztinnen und Ärzte sagten mir, dass dieses Problem seit Jahren ungelöst ist», erinnert sie sich. Heute weist Yudina eine Lösung vor: Ein vollautomatisiertes Gerät, das direkt in Kliniken eingesetzt werden kann. Es konzentriert Muttermilch, liefert die nötigen Nährstoffe bei geringem Volumen und reduziert gleichzeitig Risiken wie Darmentzündungen. 

Zwischen Innovation und Ethik

Die Arbeit mit Muttermilch ist sensibel. Es gibt ethische Fragen, die oft übersehen werden. Geschäftsmodelle, die auf dem Handel mit menschlicher Milch basieren, können unbeabsichtigten Druck auf Mütter ausüben. Babylat geht einen anderen Weg: «Wir liefern das Gerät, die Milch bleibt in der Klinik», erklärt Yudina. So werden problematische Anreizstrukturen vermieden und die Verantwortung bleibt bei den medizinischen Fachpersonen. Das Gerät wird derzeit in ersten Kliniken getestet. Die Zulassung steht noch aus. Regulatorisch muss nachgewiesen werden, dass das neue Verfahren mindestens genauso sicher ist wie bestehende Lösungen. Das erfordert umfangreiche Studien, Validierungen und Geduld. Die Entwicklung des Unternehmens wurde durch öffentliche Fördergelder, private Investitionen sowie ein breites Netzwerk aus Berater:innen, klinischen Partnern und spezialisierten Dienstleistern unterstützt.

Unsicherheit als Antrieb

Für Yudina gehört diese Unsicherheit zum Gründen dazu: Tests, regulatorische Hürden, Förderanträge – nichts ist garantiert. «Diese Unsicherheit ist herausfordernd, treibt mich aber auch an», sagt sie. Digitale Tools, Remote-Arbeit und KI-gestützte Prozesse helfen ihr dabei, die komplexen Anforderungen beim Aufbau eines Medtech-Unternehmens zu bewältigen. Gleichzeitig bleibt der Fokus auf einer sinnstiftenden Lösung zur Verbesserung der Versorgung von Frühgeborenen. «Wenn Eltern später sagen, dass Babylat ihrem Baby wirklich geholfen oder sogar das Leben gerettet hat, dann wissen wir, dass sich der Einsatz gelohnt hat.»

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Author: Saskia Iten

Saskia Iten
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Frühgeborene Babys haben einen besonders hohen Nährstoffbedarf. Das Schweizer Medtech-Startup Babylat entwickelt ein Gerät, das Muttermilch aufbereitet. Gründerin Zina Yudina will medizinische Risiken senken – und ein ethisches Zeichen setzen.

Frühgeborene sind klein, leicht und besonders verletzlich. Jede Mahlzeit zählt, um ihr Wachstum und ihre Entwicklung zu sichern. Muttermilch gilt zwar als beste Nahrung für Neugeborene, doch bei Frühgeborenen reicht sie oft nicht aus. Ihr Magen ist klein, der Nährstoffbedarf hoch. Viele Kliniken mischen deshalb Kuhmilch-Bestandteile bei. Das löst zwar das Wachstumsproblem, kann aber Magen-Darm-Komplikationen auslösen. Genau hier setzt Babylat an. Das Schweizer Startup entwickelt ein Gerät, das Muttermilch konzentriert und mit notwendigen Nährstoffen anreichert – ganz ohne Kuhmilch. 

Vom Labor in die Klinik

Babylat wurde von Zina Yudina gegründet. Sie hat in Pharmazie promoviert und arbeitete danach unter anderem als Postdoc an der ETH Zürich. Während ihrer akademischen Laufbahn erlebte sie, wie herausfordernd es sein kann, die Anforderungen der Forschung mit einer langfristigen klinischen Wirkung in Einklang zu bringen. «Babylat entstand aus dem Wunsch heraus, etwas wirklich Sinnvolles zu schaffen, das über das Labor hinaus Anwendung findet», sagt sie. «In der Wissenschaft werden enorme Datenmengen generiert – doch vieles davon erreicht die Patientinnen und Patienten nie.»

Auf der Suche nach einem Projekt, das einen echten Unterschied macht, stiess sie auf die Ernährung von Frühgeborenen. Sie sprach mit Ärzt:innen, sammelte Daten und prüfte technologische Ansätze. «Viele Ärztinnen und Ärzte sagten mir, dass dieses Problem seit Jahren ungelöst ist», erinnert sie sich. Heute weist Yudina eine Lösung vor: Ein vollautomatisiertes Gerät, das direkt in Kliniken eingesetzt werden kann. Es konzentriert Muttermilch, liefert die nötigen Nährstoffe bei geringem Volumen und reduziert gleichzeitig Risiken wie Darmentzündungen. 

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Unsicherheit als Antrieb

Für Yudina gehört diese Unsicherheit zum Gründen dazu: Tests, regulatorische Hürden, Förderanträge – nichts ist garantiert. «Diese Unsicherheit ist herausfordernd, treibt mich aber auch an», sagt sie. Digitale Tools, Remote-Arbeit und KI-gestützte Prozesse helfen ihr dabei, die komplexen Anforderungen beim Aufbau eines Medtech-Unternehmens zu bewältigen. Gleichzeitig bleibt der Fokus auf einer sinnstiftenden Lösung zur Verbesserung der Versorgung von Frühgeborenen. «Wenn Eltern später sagen, dass Babylat ihrem Baby wirklich geholfen oder sogar das Leben gerettet hat, dann wissen wir, dass sich der Einsatz gelohnt hat.»

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