Was niemand kannte – und jeder braucht.

Lebensmittel frisch halten und Foodwaste vermeiden – Sandra Gschwend erzählt im Interview, wie das cleverste Verschlusssystem der Welt funktioniert, woher die Idee zum Tütenhüter kam und was sie als Gründerin gelernt hat.

Was bietet deine Firma böörds alles an?

Unser Hauptprodukt ist der Tütenhüter, den wir gerne das cleverste Verschlusssystem der Welt nennen. Dazu kommt die Tubeschruberi und der Tütenhüterhüter.

Was hat euch bei der Entwicklung inspiriert?

Mein Mitgründer Christian Diethelm und ich waren auf der Suche nach einer Idee, für die wir beide brennen, die einen breiten Nutzen bietet und noch weitgehend unbekannt ist. Von Anfang an war uns klar, dass wir kein Nischenprodukt entwickeln wollen. Auf einem Markt in Thailand entdeckten wir schliesslich ein Produkt, das ähnlich funktioniert wie der Tütenhüter. Sofort erkannten wir das Potenzial und beschlossen, das Konzept weiterzuentwickeln und in der Schweiz zu produzieren.

Was kann ein Tütenhüter?

Der Tütenhüter ist die clevere Alternative zur herkömmlichen Klammer: Er verschliesst Tüten luftdicht und auslaufsicher, hält Lebensmittel länger frisch und hilft dabei, Food Waste zu vermeiden. Dank seiner sicheren Abdichtung eignet er sich auch für Flüssigkeiten. Der Tütenhüterhüter ergänzt den Tütenhüter perfekt und ermöglicht das praktische Aufhängen von verschlossenen Tüten.

Wozu dient die Tubeschruberi?

Die Tubeschruberi dient dazu, Tuben einfach aufzurollen und nahezu vollständig zu entleeren. Sie besteht aus einem kleinen Tütenhüter, der mit einem ansteckbaren Drehgriff zur Tubeschruberi wird. Dadurch ist sie multifunktional einsetzbar und hilft, den Inhalt von Tuben optimal zu nutzen.

Warum braucht man einen Tütenhüter und keine herkömmliche Klammer?

Die Lebensmittel bleiben mit dem Tütenhüter länger frisch als mit einer herkömmlichen Klammer. Sogar Flüssigkeiten können in einer Tüte auslaufdicht aufbewahrt oder eingefroren werden.

Auf welchen Verpackungen sieht man bei dir zu Hause die Tütenhüter?

Auf so ziemlich allen. Zurzeit sind das Teigwaren, Nüsse, Trockenfrüchte, Mehl, Zucker, Käse, Mozzarella und vieles mehr. Besonders praktisch finde ich es für das kleine Gefrierfach, das ich in der Küche habe. Gerade Tiefkühlgemüse nimmt viel Platz weg, wegen der Luft im Beutel. Deshalb schneide ich die Packung immer auf, lasse die Luft raus und verschliesse sie wieder mit einem Tütenhüter. So hat man viel mehr Platz in dem Fach.

Woher kommt der Name böörds ?

Die Idee hatten wir auf einer Reise in Thailand. Wir haben viel Mundart Musik gehört und bei Peter Reber stehen Vögel oft für Freiheit. Wir fanden, dass das super  zu uns passt. Wir haben uns für zwei Ö’s entschieden, die nun für Partnerschaft unter uns Mitarbeitenden, Kunden und anderen Partnern stehen.

Welche Werte pflegt ihr innerhalb der Firma?

Mir sind flache Hierarchien, Offenheit und Transparenz sehr wichtig. Auch Humor gehört in unserer Firma ganz viel dazu! Ich bin aber auch streng, wenn es um Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit geht. Alles soll reibungslos funktionieren.

Was magst du am Gründerleben?

Ich habe schon immer sehr unternehmerisch gedacht. In einer früheren Anstellung hat mir mal jemand gesagt, dass ich mich zu sehr mit der Firma identifiziere. Ich bin sehr begeisterungsfähig und treffe gerne Entscheidungen. Da hat es sich einfach richtig angefühlt, etwas Eigenes aufzubauen.

Was magst du nicht am Gründerleben?

Es gibt Phasen, in denen ich es nicht so toll finde, rund um die Uhr für alles verantwortlich zu sein. Mir ist sehr wichtig, dass auch ich ab und zu eine Pause habe und zum Beispiel in die Ferien gehen kann. Aber manchmal kommt man eben nicht um die Überstunden herum und das ist okay.

Wer produziert eure Produkte?

Die Einzelteile werden im St. Galler Rheintal produziert, die dann in der Stiftung Arwole in Sargans von Menschen mit Beeinträchtigung konfektioniert werden.

Welche Materialien verwendet ihr?

Unsere Produkte bestehen aus Hartkunststoff. Nachhaltigkeit und ein sinnvoller Umgang mit unseren Ressourcen sind uns ein grosses Anliegen. Wir wollen etwas herstellen, das robust und langlebig ist. So kann man unsere Produkte problemlos in den Tiefkühler oder den Geschirrspüler legen, ohne dass sie Schaden nehmen.

Auf was achtet ihr besonders bei der Produktentwicklung?

Wir achten darauf, dass unsere Produkte weitgehend Swiss Made sind. Dafür verwenden wir sinnvolle Materialien, halten die Transportwege kurz und produzieren nach Möglichkeit in der Region.

Was ist die Mission von der böörds AG?

Wir wollen mit böörds nachhaltige, sinnvolle und nützliche Produkte anbieten. Zudem ist es mir ein Anliegen, die Menschen für das Thema Wegwerf-Konsum zu sensibilisieren. Viele sind sich nicht bewusst, dass wenn Produkte sehr günstig sind, diese meistens im Ausland hergestellt werden. Ich sehe uns ein bisschen als Sprachrohr, dass man doch lieber direkt in der Region produzieren soll.

Erfüllen die Tütenhüter diese Ziele?

Absolut. Mit unseren Produkten wird Foodwaste vermieden und Regionalität gefördert. Lebensmittel wegwerfen zu müssen, war schon immer schlimm für mich und tut mir im Herzen weh.

Wie kommen diese Eigenschaften bei den Kundinnen und Kunden an?

Unsere Kundschaft hat uns bestätigt, dass die Lebensmittel mit dem Tütenhüter wirklich länger frisch bleiben. Jemand hat zum Beispiel gesagt, dass Chips auch drei Monate nach dem Öffnen noch frisch gewesen seien. Positiv sei auch, dass sie wenig Platz brauchen. Wir erhalten auch viele Komplimente wegen unserer Farbauswahl. 

Erhaltet ihr auch Kritik?

Viele finden es am Anfang schwierig, den Tütenhüter korrekt auf die Tüte zu ziehen. Man muss die Anleitung genau lesen. Deswegen gehen wir häufig auf Messen, auf denen die Menschen unsere Produkte direkt testen können.

Wie testet ihr eure Produkte, damit sie auch einhalten, was ihr versprecht?

Zu Beginn haben wir verschiedene Produktversionen getestet und direkt auf der Strasse potenzielle Kundinnen und Kunden befragt. Dabei wollten wir herausfinden, ob sie das Produkt kaufen würden, wie sie es verwenden und welche Informationen wir in der Anleitung berücksichtigen müssen.

Was ist das grösste Learning, das du als Gründerin bis jetzt gemacht hast?

Ich hätte nie gedacht, dass sich alles ständig so verändert. Ich habe unterschätzt, dass man sich immer wieder anpassen muss.

Habt ihr Investoren?

Nein, mein Mitgründer hat 2024 seine Anteile an mich verkauft. Die Firma gehört mir jetzt zu 100 Prozent.

Was würdest du mit böörds anders machen, wenn du in der Zeit zurückreisen könntest?

Ich denke, ich würde alles wieder genau gleich machen, weil wir aus den Fehlern am meisten gelernt haben.

Was würdest du anderen Gründerinnen und Gründern raten, die auch ein Produkt auf den Markt bringen wollen?

Wir hatten anfangs die Tendenz, unser Produkt möglichst lange für uns zu behalten. Heute wissen wir, wie wertvoll der Austausch mit Kundinnen und Kunden ist. Viele Verbesserungen entstehen erst durch Gespräche und echte Erfahrungen aus dem Alltag.

Entwickelt ihr momentan auch noch neue Produkte?

Nein, das ist keine Strategie für uns. Wir konzentrieren uns mehr auf den Verkauf in Deutschland und Österreich. Wir haben aber grosse Ambitionen und planen, den Tütenhüter auch in Skandinavien bekannt zu machen.

Sandra Gschwend, Inhaberin böörds AG

Das könnte dich auch interessieren…

Author: Yasmin Maggi

Yasmin Maggi
Ich möchte dabei helfen, Startups eine Plattform zu bieten und der Leserschaft zu zeigen, was es alles für neue und innovative Angebote gibt!

FOUNDED

Videoformat

“23 Questions mit…”

In unserem neuen Format stellen wir Gründerinnen, Gründern oder Teammitgliedern 23 Fragen in einem One-Take – während wir durch die Firma gehen. Kein Skript, kein Cut, kein Studio. Nur echtes Startup-Leben.

23 Questions mit Scewo. 

Interview
Erfolgsgeschichten
Scaleups
Startups
Tipps
Geistiges Eigentum
Female Entrepreneur
Investoren & Fundraising

Lebensmittel frisch halten und Foodwaste vermeiden – Sandra Gschwend erzählt im Interview, wie das cleverste Verschlusssystem der Welt funktioniert, woher die Idee zum Tütenhüter kam und was sie als Gründerin gelernt hat.

Was bietet deine Firma böörds alles an?

Unser Hauptprodukt ist der Tütenhüter, den wir gerne das cleverste Verschlusssystem der Welt nennen. Dazu kommt die Tubeschruberi und der Tütenhüterhüter.

Was hat euch bei der Entwicklung inspiriert?

Mein Mitgründer Christian Diethelm und ich waren auf der Suche nach einer Idee, für die wir beide brennen, die einen breiten Nutzen bietet und noch weitgehend unbekannt ist. Von Anfang an war uns klar, dass wir kein Nischenprodukt entwickeln wollen. Auf einem Markt in Thailand entdeckten wir schliesslich ein Produkt, das ähnlich funktioniert wie der Tütenhüter. Sofort erkannten wir das Potenzial und beschlossen, das Konzept weiterzuentwickeln und in der Schweiz zu produzieren.

Was kann ein Tütenhüter?

Der Tütenhüter ist die clevere Alternative zur herkömmlichen Klammer: Er verschliesst Tüten luftdicht und auslaufsicher, hält Lebensmittel länger frisch und hilft dabei, Food Waste zu vermeiden. Dank seiner sicheren Abdichtung eignet er sich auch für Flüssigkeiten. Der Tütenhüterhüter ergänzt den Tütenhüter perfekt und ermöglicht das praktische Aufhängen von verschlossenen Tüten.

Wozu dient die Tubeschruberi?

Die Tubeschruberi dient dazu, Tuben einfach aufzurollen und nahezu vollständig zu entleeren. Sie besteht aus einem kleinen Tütenhüter, der mit einem ansteckbaren Drehgriff zur Tubeschruberi wird. Dadurch ist sie multifunktional einsetzbar und hilft, den Inhalt von Tuben optimal zu nutzen.

Warum braucht man einen Tütenhüter und keine herkömmliche Klammer?

Die Lebensmittel bleiben mit dem Tütenhüter länger frisch als mit einer herkömmlichen Klammer. Sogar Flüssigkeiten können in einer Tüte auslaufdicht aufbewahrt oder eingefroren werden.

Auf welchen Verpackungen sieht man bei dir zu Hause die Tütenhüter?

Auf so ziemlich allen. Zurzeit sind das Teigwaren, Nüsse, Trockenfrüchte, Mehl, Zucker, Käse, Mozzarella und vieles mehr. Besonders praktisch finde ich es für das kleine Gefrierfach, das ich in der Küche habe. Gerade Tiefkühlgemüse nimmt viel Platz weg, wegen der Luft im Beutel. Deshalb schneide ich die Packung immer auf, lasse die Luft raus und verschliesse sie wieder mit einem Tütenhüter. So hat man viel mehr Platz in dem Fach.

Woher kommt der Name böörds ?

Die Idee hatten wir auf einer Reise in Thailand. Wir haben viel Mundart Musik gehört und bei Peter Reber stehen Vögel oft für Freiheit. Wir fanden, dass das super  zu uns passt. Wir haben uns für zwei Ö’s entschieden, die nun für Partnerschaft unter uns Mitarbeitenden, Kunden und anderen Partnern stehen.

Welche Werte pflegt ihr innerhalb der Firma?

Mir sind flache Hierarchien, Offenheit und Transparenz sehr wichtig. Auch Humor gehört in unserer Firma ganz viel dazu! Ich bin aber auch streng, wenn es um Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit geht. Alles soll reibungslos funktionieren.

Was magst du am Gründerleben?

Ich habe schon immer sehr unternehmerisch gedacht. In einer früheren Anstellung hat mir mal jemand gesagt, dass ich mich zu sehr mit der Firma identifiziere. Ich bin sehr begeisterungsfähig und treffe gerne Entscheidungen. Da hat es sich einfach richtig angefühlt, etwas Eigenes aufzubauen.

Was magst du nicht am Gründerleben?

Es gibt Phasen, in denen ich es nicht so toll finde, rund um die Uhr für alles verantwortlich zu sein. Mir ist sehr wichtig, dass auch ich ab und zu eine Pause habe und zum Beispiel in die Ferien gehen kann. Aber manchmal kommt man eben nicht um die Überstunden herum und das ist okay.

Wer produziert eure Produkte?

Die Einzelteile werden im St. Galler Rheintal produziert, die dann in der Stiftung Arwole in Sargans von Menschen mit Beeinträchtigung konfektioniert werden.

Welche Materialien verwendet ihr?

Unsere Produkte bestehen aus Hartkunststoff. Nachhaltigkeit und ein sinnvoller Umgang mit unseren Ressourcen sind uns ein grosses Anliegen. Wir wollen etwas herstellen, das robust und langlebig ist. So kann man unsere Produkte problemlos in den Tiefkühler oder den Geschirrspüler legen, ohne dass sie Schaden nehmen.

Auf was achtet ihr besonders bei der Produktentwicklung?

Wir achten darauf, dass unsere Produkte weitgehend Swiss Made sind. Dafür verwenden wir sinnvolle Materialien, halten die Transportwege kurz und produzieren nach Möglichkeit in der Region.

Was ist die Mission von der böörds AG?

Wir wollen mit böörds nachhaltige, sinnvolle und nützliche Produkte anbieten. Zudem ist es mir ein Anliegen, die Menschen für das Thema Wegwerf-Konsum zu sensibilisieren. Viele sind sich nicht bewusst, dass wenn Produkte sehr günstig sind, diese meistens im Ausland hergestellt werden. Ich sehe uns ein bisschen als Sprachrohr, dass man doch lieber direkt in der Region produzieren soll.

Erfüllen die Tütenhüter diese Ziele?

Absolut. Mit unseren Produkten wird Foodwaste vermieden und Regionalität gefördert. Lebensmittel wegwerfen zu müssen, war schon immer schlimm für mich und tut mir im Herzen weh.

Wie kommen diese Eigenschaften bei den Kundinnen und Kunden an?

Unsere Kundschaft hat uns bestätigt, dass die Lebensmittel mit dem Tütenhüter wirklich länger frisch bleiben. Jemand hat zum Beispiel gesagt, dass Chips auch drei Monate nach dem Öffnen noch frisch gewesen seien. Positiv sei auch, dass sie wenig Platz brauchen. Wir erhalten auch viele Komplimente wegen unserer Farbauswahl. 

Erhaltet ihr auch Kritik?

Viele finden es am Anfang schwierig, den Tütenhüter korrekt auf die Tüte zu ziehen. Man muss die Anleitung genau lesen. Deswegen gehen wir häufig auf Messen, auf denen die Menschen unsere Produkte direkt testen können.

Wie testet ihr eure Produkte, damit sie auch einhalten, was ihr versprecht?

Zu Beginn haben wir verschiedene Produktversionen getestet und direkt auf der Strasse potenzielle Kundinnen und Kunden befragt. Dabei wollten wir herausfinden, ob sie das Produkt kaufen würden, wie sie es verwenden und welche Informationen wir in der Anleitung berücksichtigen müssen.

Was ist das grösste Learning, das du als Gründerin bis jetzt gemacht hast?

Ich hätte nie gedacht, dass sich alles ständig so verändert. Ich habe unterschätzt, dass man sich immer wieder anpassen muss.

Habt ihr Investoren?

Nein, mein Mitgründer hat 2024 seine Anteile an mich verkauft. Die Firma gehört mir jetzt zu 100 Prozent.

Was würdest du mit böörds anders machen, wenn du in der Zeit zurückreisen könntest?

Ich denke, ich würde alles wieder genau gleich machen, weil wir aus den Fehlern am meisten gelernt haben.

Was würdest du anderen Gründerinnen und Gründern raten, die auch ein Produkt auf den Markt bringen wollen?

Wir hatten anfangs die Tendenz, unser Produkt möglichst lange für uns zu behalten. Heute wissen wir, wie wertvoll der Austausch mit Kundinnen und Kunden ist. Viele Verbesserungen entstehen erst durch Gespräche und echte Erfahrungen aus dem Alltag.

Entwickelt ihr momentan auch noch neue Produkte?

Nein, das ist keine Strategie für uns. Wir konzentrieren uns mehr auf den Verkauf in Deutschland und Österreich. Wir haben aber grosse Ambitionen und planen, den Tütenhüter auch in Skandinavien bekannt zu machen.

Sandra Gschwend, Inhaberin böörds AG

Das könnte dich auch interessieren…

Nach oben