Mit ultradünnen Festkörperbatterien will BTRY das Laden von Geräten massiv verkürzen. Im Interview erklärt CEO Dr. Moritz Futscher, warum der Schritt aus der Forschung ins Unternehmertum trotz Familienleben und sicherer akademischer Laufbahn der richtige war – und wie er im Gründeralltag seine eigenen Batterien wieder auflädt.

Wie würdest du in wenigen Sätzen erklären, was BTRY macht?

Wir entwickeln mit BTRY ein neues Herstellungsverfahren für Batterien, das komplett ohne flüssige Bestandteile auskommt. Dadurch entstehen ultradünne Festkörperbatterien, die sich extrem schnell laden lassen, hohe Stromspitzen ermöglichen und besonders temperaturstabil sind. 

Wie bist du von der Forschung zur Gründung eines eigenen Startups gekommen?

Ich habe lange an der Empa geforscht und gesehen, wie schwer es ist, wissenschaftliche Ergebnisse in echte Produkte zu überführen. Diese Herausforderung war der Auslöser für die eigene Unternehmensgründung. Gemeinsam mit Dr. Abdessalem Aribia haben wir die Unterstützung im Empa-Inkubator genutzt, “Proof of Concepts” aufgebaut, Patente eingereicht und Förderungen gewonnen. Wir wussten nie, was der richtige Zeitpunkt für die Gründung ist – aber wir sind froh, dass wir es nicht zu lange hinausgezögert haben.

Du hattest zum Zeitpunkt der Gründung zwei kleine Kinder und eine attraktive akademische Karriere vor dir. Hättest du die Gründung ohne Förderprogramme gewagt?

Das weiss ich nicht. Das Fellowship-Programm, das anfangs unser Gehalt finanziert hat, machte den Schritt unter meiner damaligen Situation deutlich einfacher.

Was unterscheidet für dich die Arbeit im Startup von der akademischen Welt?

Im Startup arbeiten alle an einem gemeinsamen Ziel: ein Produkt, das echten Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden bietet. In der Wissenschaft arbeitet man oft isoliert und der Ausgang ist ungewiss. Im Startup muss etwas herauskommen und das macht die Arbeit für mich sehr motivierend.

Wie erklärst du jemandem ohne Tech-Hintergrund, was eure Batterien so besonders macht?

Heutige Batterien bestehen aus dicken Pasten mit vielen Komponenten. Unsere Schichten sind rund zehnmal dünner und komplett fest. Dadurch lassen sie sich extrem schnell laden und halten hohe Temperaturen aus. Erste Einsatzbereiche sind ultradünne Transportlabels oder Sensoren, die in heissen Umgebungen arbeiten müssen.

Welche Märkte wollt ihr zuerst erobern und wo siehst du langfristig das grösste Potenzial?

Langfristig sehen wir grosses Potenzial in der Unterhaltungselektronik: Wir wollen, dass sich jegliche Geräte in wenigen Minuten laden lassen. Unser Ziel ist es zudem, neue Anwendungen möglich zu machen, die heute noch nicht existieren.

Ihr habt 5,7 Millionen USD eingesammelt. Wie konntet ihr Investoren gewinnen?

Wir haben uns von Anfang an gut überlegt, mit welcher Art von Investoren wir arbeiten. Am Ende investieren sie ja in ein Team, dem sie zutrauen, etwas voranzubringen. Deshalb ist es uns so wichtig, dass neue Kolleginnen und Kollegen nicht nur fachlich, sondern auch kulturell ins Team passen.Gleichzeitig konnten wir früh zeigen, dass unsere Technologie ein konkretes Problem löst und sich skalieren lässt. Die Industrialisierung von Batterien passiert heute fast ausschliesslich in China. Deshalb sind wir froh, jetzt auch chinesische Investoren an Bord zu haben.

Welche Herausforderungen gibt es beim Eintritt in den chinesischen Markt?

Die Sprache ist natürlich ein Thema. Deshalb sind wir besonders dankbar für unsere chinesischen Teammitglieder. Viele Herausforderungen werden erst noch kommen. 

Deep-Tech heisst: Technologie entwickeln und gleichzeitig skalieren. Wie gehst du mit diesem Druck um?

Wir sind sehr früh in die Skalierung eingestiegen und haben Maschinen in Kalifornien und Deutschland betrieben. Jetzt suchen wir weitere Anlagen weltweit. Unser R&D-Team bleibt jedoch in Zürich und unterstützt die gesamte Skalierung. Das war von Anfang an Teil unserer Strategie.

Was hast du als Gründer bisher am meisten gelernt?

Flexibilität ist entscheidend. Man muss offen bleiben, viel Feedback einholen und gleichzeitig das grosse Ziel nicht aus den Augen verlieren. Schnell habe ich auch gemerkt, dass die Personalbetreuung mehr Zeit beansprucht, als ich je gedacht hätte – aber wenn ich sehe, wie das Team funktioniert, zahlt sich jeder Aufwand aus. 

Wie lädst du deine persönlichen Batterien wieder auf?

Meine eigenen Batterien lade ich zuhause mit meiner Familie auf. Dieser Kontrast zum Startup-Alltag tut mir unglaublich gut.


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Author: Saskia Iten

Saskia Iten
"Ich finde es eine wunderbare Aufgabe, mutige Gründer und ihre Ideen sichtbar zu machen."

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“23 Questions mit…”

In unserem neuen Format stellen wir Gründerinnen, Gründern oder Teammitgliedern 23 Fragen in einem One-Take – während wir durch die Firma gehen. Kein Skript, kein Cut, kein Studio. Nur echtes Startup-Leben.

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Mit ultradünnen Festkörperbatterien will BTRY das Laden von Geräten massiv verkürzen. Im Interview erklärt CEO Dr. Moritz Futscher, warum der Schritt aus der Forschung ins Unternehmertum trotz Familienleben und sicherer akademischer Laufbahn der richtige war – und wie er im Gründeralltag seine eigenen Batterien wieder auflädt.

Wie würdest du in wenigen Sätzen erklären, was BTRY macht?

Wir entwickeln mit BTRY ein neues Herstellungsverfahren für Batterien, das komplett ohne flüssige Bestandteile auskommt. Dadurch entstehen ultradünne Festkörperbatterien, die sich extrem schnell laden lassen, hohe Stromspitzen ermöglichen und besonders temperaturstabil sind. 

Wie bist du von der Forschung zur Gründung eines eigenen Startups gekommen?

Ich habe lange an der Empa geforscht und gesehen, wie schwer es ist, wissenschaftliche Ergebnisse in echte Produkte zu überführen. Diese Herausforderung war der Auslöser für die eigene Unternehmensgründung. Gemeinsam mit Dr. Abdessalem Aribia haben wir die Unterstützung im Empa-Inkubator genutzt, “Proof of Concepts” aufgebaut, Patente eingereicht und Förderungen gewonnen. Wir wussten nie, was der richtige Zeitpunkt für die Gründung ist – aber wir sind froh, dass wir es nicht zu lange hinausgezögert haben.

Du hattest zum Zeitpunkt der Gründung zwei kleine Kinder und eine attraktive akademische Karriere vor dir. Hättest du die Gründung ohne Förderprogramme gewagt?

Das weiss ich nicht. Das Fellowship-Programm, das anfangs unser Gehalt finanziert hat, machte den Schritt unter meiner damaligen Situation deutlich einfacher.

Was unterscheidet für dich die Arbeit im Startup von der akademischen Welt?

Im Startup arbeiten alle an einem gemeinsamen Ziel: ein Produkt, das echten Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden bietet. In der Wissenschaft arbeitet man oft isoliert und der Ausgang ist ungewiss. Im Startup muss etwas herauskommen und das macht die Arbeit für mich sehr motivierend.

Wie erklärst du jemandem ohne Tech-Hintergrund, was eure Batterien so besonders macht?

Heutige Batterien bestehen aus dicken Pasten mit vielen Komponenten. Unsere Schichten sind rund zehnmal dünner und komplett fest. Dadurch lassen sie sich extrem schnell laden und halten hohe Temperaturen aus. Erste Einsatzbereiche sind ultradünne Transportlabels oder Sensoren, die in heissen Umgebungen arbeiten müssen.

Welche Märkte wollt ihr zuerst erobern und wo siehst du langfristig das grösste Potenzial?

Langfristig sehen wir grosses Potenzial in der Unterhaltungselektronik: Wir wollen, dass sich jegliche Geräte in wenigen Minuten laden lassen. Unser Ziel ist es zudem, neue Anwendungen möglich zu machen, die heute noch nicht existieren.

Ihr habt 5,7 Millionen USD eingesammelt. Wie konntet ihr Investoren gewinnen?

Wir haben uns von Anfang an gut überlegt, mit welcher Art von Investoren wir arbeiten. Am Ende investieren sie ja in ein Team, dem sie zutrauen, etwas voranzubringen. Deshalb ist es uns so wichtig, dass neue Kolleginnen und Kollegen nicht nur fachlich, sondern auch kulturell ins Team passen.Gleichzeitig konnten wir früh zeigen, dass unsere Technologie ein konkretes Problem löst und sich skalieren lässt. Die Industrialisierung von Batterien passiert heute fast ausschliesslich in China. Deshalb sind wir froh, jetzt auch chinesische Investoren an Bord zu haben.

Welche Herausforderungen gibt es beim Eintritt in den chinesischen Markt?

Die Sprache ist natürlich ein Thema. Deshalb sind wir besonders dankbar für unsere chinesischen Teammitglieder. Viele Herausforderungen werden erst noch kommen. 

Deep-Tech heisst: Technologie entwickeln und gleichzeitig skalieren. Wie gehst du mit diesem Druck um?

Wir sind sehr früh in die Skalierung eingestiegen und haben Maschinen in Kalifornien und Deutschland betrieben. Jetzt suchen wir weitere Anlagen weltweit. Unser R&D-Team bleibt jedoch in Zürich und unterstützt die gesamte Skalierung. Das war von Anfang an Teil unserer Strategie.

Was hast du als Gründer bisher am meisten gelernt?

Flexibilität ist entscheidend. Man muss offen bleiben, viel Feedback einholen und gleichzeitig das grosse Ziel nicht aus den Augen verlieren. Schnell habe ich auch gemerkt, dass die Personalbetreuung mehr Zeit beansprucht, als ich je gedacht hätte – aber wenn ich sehe, wie das Team funktioniert, zahlt sich jeder Aufwand aus. 

Wie lädst du deine persönlichen Batterien wieder auf?

Meine eigenen Batterien lade ich zuhause mit meiner Familie auf. Dieser Kontrast zum Startup-Alltag tut mir unglaublich gut.


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