ForenSwiss wurde 2024 gegründet, um Online-Betrug früher zu stoppen. Statt nur verdächtige Transaktionen zu prüfen, sammeln die Gründer aktiv Informationen dort, wo Betrug entsteht.

Als sich die Gründer im Januar 2024 zusammensetzten, war der Ausgangspunkt kein Businessplan, sondern ein bekanntes Problem aus dem Alltag. In Bankabteilungen für Fraud und AML stapeln sich die Fälle. Ein Analyst prüft Kontoauszüge, gleicht Namen ab, klickt sich durch Transaktionen und muss doch oft feststellen, dass das Geld bereits weitergeleitet wurde. Gleichzeitig berichten Kundinnen und Kunden, dass sie auf gefälschte Investitionsangebote oder Romance-Scams hereingefallen sind.

Die Frage war deshalb einfach: Warum warten, bis ein Opfer Geld überweist, wenn sich die Spuren der Betrüger oft schon früher zeigen?

Die Gründer bringen Erfahrung aus Cybercrime-Ermittlungen, Compliance und KI-Entwicklung mit. In ihren früheren Rollen sahen sie, wie Identitätsprüfungen umgangen werden und wie sogenannte Money Mules Konten eröffnen, die nur für kurze Zeit genutzt werden. Sie sahen auch, wie viele Warnmeldungen in Transaktionssystemen Fehlalarme sind. Das bindet Ressourcen und erschwert es, echte Risiken schnell zu erkennen.

Ein Blick dorthin, wo der Betrug beginnt

ForenSwiss setzt nicht erst bei der Banktransaktion an. Die eigenen digitalen Agenten bewegen sich in typischen Online-Umfeldern, in denen Betrug angebahnt wird. Dort treten sie als künstlich erzeugte Profile auf und führen Gespräche mit Betrügern. Ziel ist es, Kontoverbindungen, Zahlungsaufforderungen oder Wallet-Adressen zu erfassen, noch bevor reale Opfer zahlen.

Wenn ein Betrüger etwa eine Bankverbindung für eine angebliche Investition schickt, wird diese Information strukturiert dokumentiert und an Partnerbanken weitergegeben. So kann geprüft werden, ob das Konto bereits existiert oder neu eröffnet wurde. In einzelnen Fällen konnten so Konten markiert werden, bevor grössere Beträge eingingen.

Mit ForenScam richtet sich das Unternehmen direkt an Finanzinstitute. Diese erhalten Daten über Schnittstellen oder Berichte und können sie in ihre bestehenden Systeme einbinden. ForIntel wird für Organisationen eingesetzt, die selbst Online-Ermittlungen durchführen möchten und dafür angepasste Agenten benötigen.

An der Schnittstelle zwischen Finanzen und Recht

Bei der Entwicklung standen nicht nur technische Fragen im Raum, sondern auch rechtliche. Die Agenten arbeiten mit künstlich erzeugten Identitäten, um keine realen Personen zu imitieren. Es werden keine sensiblen Daten von Opfern gespeichert. Die Prozesse orientieren sich an Schweizer und europäischen Datenschutzvorgaben, was insbesondere für Banken ein entscheidender Punkt ist.

Das Team besteht zurzeit aus elf Personen mit Hintergründen in Kriminologie, Forensik, Softwareentwicklung, AML-Compliance, Recht und Wirtschaft. Viele von ihnen kennen die Arbeit in Ermittlungs- oder Compliance-Abteilungen aus eigener Erfahrung. Dieses Praxiswissen prägt den Aufbau der Lösungen.

Das Geschäftsmodell ist klar auf Institutionen ausgerichtet. Banken abonnieren die Datendienste oder integrieren sie direkt in ihre internen Abläufe. Der Fokus liegt aktuell auf der Schweiz und Europa, wo Banken unter Druck stehen, Betrugsfälle schneller zu erkennen und Opfer teilweise zu entschädigen. Rückmeldungen aus der Praxis zeigen konkrete Effekte. Partner berichten von Konten, die durch die gelieferten Informationen auffällig wurden, obwohl sie im internen Monitoring noch nicht erschienen waren. Gleichzeitig schätzen sie, dass die Hinweise gezielt sind und nicht zu einer Flut zusätzlicher Fehlalarme führen.

Für die Gründer ist generative Technologie kein Selbstzweck. Sie sehen, dass auch Betrüger automatisierte Werkzeuge einsetzen. Entscheidend sei deshalb, so ihre Überzeugung, ob Verteidiger bereit sind, ebenfalls neue Wege zu gehen. Ihr Anspruch ist pragmatisch. Weniger Fälle, in denen Geld bereits verschwunden ist. Mehr Situationen, in denen ein Konto blockiert wird, bevor ein Opfer überweist

Niwes Willner
Die Möglichkeit, mit inspirierenden Gründerinnen und Gründern zu sprechen und meine Arbeit online und im Founded-Magazin zu sehen, hat mich sofort angesprochen.

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“23 Questions mit…”

In unserem neuen Format stellen wir Gründerinnen, Gründern oder Teammitgliedern 23 Fragen in einem One-Take – während wir durch die Firma gehen. Kein Skript, kein Cut, kein Studio. Nur echtes Startup-Leben.

23 Questions mit Scewo. 

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ForenSwiss wurde 2024 gegründet, um Online-Betrug früher zu stoppen. Statt nur verdächtige Transaktionen zu prüfen, sammeln die Gründer aktiv Informationen dort, wo Betrug entsteht.

Als sich die Gründer im Januar 2024 zusammensetzten, war der Ausgangspunkt kein Businessplan, sondern ein bekanntes Problem aus dem Alltag. In Bankabteilungen für Fraud und AML stapeln sich die Fälle. Ein Analyst prüft Kontoauszüge, gleicht Namen ab, klickt sich durch Transaktionen und muss doch oft feststellen, dass das Geld bereits weitergeleitet wurde. Gleichzeitig berichten Kundinnen und Kunden, dass sie auf gefälschte Investitionsangebote oder Romance-Scams hereingefallen sind.

Die Frage war deshalb einfach: Warum warten, bis ein Opfer Geld überweist, wenn sich die Spuren der Betrüger oft schon früher zeigen?

Die Gründer bringen Erfahrung aus Cybercrime-Ermittlungen, Compliance und KI-Entwicklung mit. In ihren früheren Rollen sahen sie, wie Identitätsprüfungen umgangen werden und wie sogenannte Money Mules Konten eröffnen, die nur für kurze Zeit genutzt werden. Sie sahen auch, wie viele Warnmeldungen in Transaktionssystemen Fehlalarme sind. Das bindet Ressourcen und erschwert es, echte Risiken schnell zu erkennen.

Ein Blick dorthin, wo der Betrug beginnt

ForenSwiss setzt nicht erst bei der Banktransaktion an. Die eigenen digitalen Agenten bewegen sich in typischen Online-Umfeldern, in denen Betrug angebahnt wird. Dort treten sie als künstlich erzeugte Profile auf und führen Gespräche mit Betrügern. Ziel ist es, Kontoverbindungen, Zahlungsaufforderungen oder Wallet-Adressen zu erfassen, noch bevor reale Opfer zahlen.

Wenn ein Betrüger etwa eine Bankverbindung für eine angebliche Investition schickt, wird diese Information strukturiert dokumentiert und an Partnerbanken weitergegeben. So kann geprüft werden, ob das Konto bereits existiert oder neu eröffnet wurde. In einzelnen Fällen konnten so Konten markiert werden, bevor grössere Beträge eingingen.

Mit ForenScam richtet sich das Unternehmen direkt an Finanzinstitute. Diese erhalten Daten über Schnittstellen oder Berichte und können sie in ihre bestehenden Systeme einbinden. ForIntel wird für Organisationen eingesetzt, die selbst Online-Ermittlungen durchführen möchten und dafür angepasste Agenten benötigen.

An der Schnittstelle zwischen Finanzen und Recht

Bei der Entwicklung standen nicht nur technische Fragen im Raum, sondern auch rechtliche. Die Agenten arbeiten mit künstlich erzeugten Identitäten, um keine realen Personen zu imitieren. Es werden keine sensiblen Daten von Opfern gespeichert. Die Prozesse orientieren sich an Schweizer und europäischen Datenschutzvorgaben, was insbesondere für Banken ein entscheidender Punkt ist.

Das Team besteht zurzeit aus elf Personen mit Hintergründen in Kriminologie, Forensik, Softwareentwicklung, AML-Compliance, Recht und Wirtschaft. Viele von ihnen kennen die Arbeit in Ermittlungs- oder Compliance-Abteilungen aus eigener Erfahrung. Dieses Praxiswissen prägt den Aufbau der Lösungen.

Das Geschäftsmodell ist klar auf Institutionen ausgerichtet. Banken abonnieren die Datendienste oder integrieren sie direkt in ihre internen Abläufe. Der Fokus liegt aktuell auf der Schweiz und Europa, wo Banken unter Druck stehen, Betrugsfälle schneller zu erkennen und Opfer teilweise zu entschädigen. Rückmeldungen aus der Praxis zeigen konkrete Effekte. Partner berichten von Konten, die durch die gelieferten Informationen auffällig wurden, obwohl sie im internen Monitoring noch nicht erschienen waren. Gleichzeitig schätzen sie, dass die Hinweise gezielt sind und nicht zu einer Flut zusätzlicher Fehlalarme führen.

Für die Gründer ist generative Technologie kein Selbstzweck. Sie sehen, dass auch Betrüger automatisierte Werkzeuge einsetzen. Entscheidend sei deshalb, so ihre Überzeugung, ob Verteidiger bereit sind, ebenfalls neue Wege zu gehen. Ihr Anspruch ist pragmatisch. Weniger Fälle, in denen Geld bereits verschwunden ist. Mehr Situationen, in denen ein Konto blockiert wird, bevor ein Opfer überweist