Kühlung ist eine zentrale Grundlage für Lebensmittelketten, Medikamentenversorgung und digitale Infrastruktur. Gleichzeitig ist sie eng an das Stromnetz gebunden und damit anfällig für Ausfälle. FrostForge will genau hier ansetzen und Kühlung unabhängiger machen.
Jede Mahlzeit, jedes Medikament, jedes Rechenzentrum hängt von Kühlung ab. Und Kühlung hängt vom Stromnetz ab. Diese einfache Beobachtung brachte Jonathan Koifman und Quinn Temmel dazu, am 8. Juli 2024 in Genf FrostForge zu gründen. Koifman bringt 14 Jahre Erfahrung im Bereich erneuerbare Energien mit, Temmel kommt aus der experimentellen Physik und Solarthermik.
Ihre Ausgangsthese war nicht neu, aber unterbewertet. Adsorptionskühlung, also die Umwandlung von Wärme in Kälte, existiert seit Jahrzehnten. Lange Zeit fehlte jedoch der wirtschaftliche Druck, sie weiterzuentwickeln. Elektrische Kompressoren waren effizient genug, Strom war verfügbar.
Das ändert sich zunehmend. Stromnetze geraten unter Druck, durch steigende Nachfrage, Elektrifizierung und klimabedingte Ausfälle. Genau dort entsteht Raum für alternative Systeme.
Vom Labor zur Anwendung
Bereits im November 2024, rund sechs Monate nach der Gründung, gelang dem Team ein erster Proof of Concept. FrostForge erzeugte Eis mit einem System, das auf Ammoniak und Kalziumchlorid basiert, einem Salz, das man auch als Auftaumittel kennt. Vereinfacht gesagt nutzt das Verfahren Wärme, um Kälte zu erzeugen.
Das Grundprinzip ähnelt einem klassischen Kühlsystem. Ein Kältemittel entzieht beim Verdampfen der Umgebung Wärme. Der Unterschied liegt im Antrieb des Kreislaufs.
FrostForge nutzt Sonnenwärme, um den Prozess zu steuern, und macht sich dabei die physikalischen Eigenschaften von Ammoniak und die Adsorptionsfähigkeit des Salzes zunutze. Das System funktioniert ohne Kompressor und ohne Abhängigkeit vom Stromnetz.
Ein modularer Einstieg über Eis
Das erste Produkt ist bewusst einfach gehalten. FrostForge entwickelt ein modulares System zur Eisproduktion, das in einen standardisierten 20-Fuss-Container passt. Mehr Kühlung bedeutet dabei einfach, dass zusätzliche Einheiten dazugestellt werden.
„Eis ist das Einfachste, was unser System erzeugen kann“, sagt Koifman. Gleichzeitig erlaubt es einen schnellen Marktzugang. Von dort aus kann die Technologie schrittweise auf Kühlräume, Klimaanlagen und grössere Systeme ausgeweitet werden.
Ein Markt mit strukturellen Lücken
Die Dimension des Problems ist gross. Weltweit werden jährlich über zwei Milliarden Eisbeutel verkauft. Gleichzeitig entstehen durch den Verderb von Lebensmitteln und Medikamenten Schäden in Höhe von über einer Billion USD pro Jahr. Auffällig ist dabei, wo diese Verluste entstehen. Nicht primär im Transport, sondern an den Endpunkten der Lieferkette, bei der Produktion und bei der lokalen Verteilung. Gerade dort ist Strom oft unzuverlässig oder gar nicht vorhanden.
Hier setzt FrostForge an.
Im Vergleich zu dieselbetriebenen Kühlsystemen vermeidet das System nicht nur direkte Emissionen, sondern auch indirekte Effekte. Durch reduzierte Verluste von Lebensmitteln und Medikamenten können pro Einheit jährlich bis zu 30 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart werden.
Standardisierung statt Einzellösungen
Ein zentraler Teil des Ansatzes liegt im Design. Statt für jeden Einsatzort individuelle Systeme zu entwickeln, setzt FrostForge auf standardisierte Module mit klar definierter Leistung. Braucht ein Kunde mehr Kühlung, werden zusätzliche Einheiten kombiniert.
Dieser Ansatz reduziert Komplexität und erleichtert die Skalierung, insbesondere in Regionen, in denen Wartung und technische Infrastruktur begrenzt sind.
Gleichzeitig bleibt die Technologie nicht auf Forschung beschränkt. Adsorptionskühlung ist kein neues Konzept. Der Unterschied liegt in der Umsetzung: modular, skalierbar und auf reale Einsatzbedingungen ausgelegt.
Zwischen Entwicklung und Markteintritt
Das System befindet sich aktuell in einer fortgeschrittenen Testphase (Technology Readiness Level 5) und wird unter realen Bedingungen erprobt. Pilotprojekte mit Kliniken, Caterern und Lebensmittelverteilern sind für Ende 2026 und Anfang 2027 geplant. Unterstützt wird das Startup unter anderem durch Venture Kick.
Langfristig geht es um mehr als Eis. Wenn das Konzept funktioniert, könnten energiearme, aber sonnenreiche Regionen Zugang zu Kühlung erhalten, ohne auf ein stabiles Stromnetz angewiesen zu sein. Kliniken müssten weniger Verluste bei Impfstoffen einkalkulieren. Lebensmittel könnten lokal gelagert werden, ohne sofort verarbeitet werden zu müssen. Oder anders gesagt: Kühlung würde dort verfügbar, wo sie heute oft fehlt.
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Kühlung ist eine zentrale Grundlage für Lebensmittelketten, Medikamentenversorgung und digitale Infrastruktur. Gleichzeitig ist sie eng an das Stromnetz gebunden und damit anfällig für Ausfälle. FrostForge will genau hier ansetzen und Kühlung unabhängiger machen.
Jede Mahlzeit, jedes Medikament, jedes Rechenzentrum hängt von Kühlung ab. Und Kühlung hängt vom Stromnetz ab. Diese einfache Beobachtung brachte Jonathan Koifman und Quinn Temmel dazu, am 8. Juli 2024 in Genf FrostForge zu gründen. Koifman bringt 14 Jahre Erfahrung im Bereich erneuerbare Energien mit, Temmel kommt aus der experimentellen Physik und Solarthermik.
Ihre Ausgangsthese war nicht neu, aber unterbewertet. Adsorptionskühlung, also die Umwandlung von Wärme in Kälte, existiert seit Jahrzehnten. Lange Zeit fehlte jedoch der wirtschaftliche Druck, sie weiterzuentwickeln. Elektrische Kompressoren waren effizient genug, Strom war verfügbar.
Das ändert sich zunehmend. Stromnetze geraten unter Druck, durch steigende Nachfrage, Elektrifizierung und klimabedingte Ausfälle. Genau dort entsteht Raum für alternative Systeme.
Vom Labor zur Anwendung
Bereits im November 2024, rund sechs Monate nach der Gründung, gelang dem Team ein erster Proof of Concept. FrostForge erzeugte Eis mit einem System, das auf Ammoniak und Kalziumchlorid basiert, einem Salz, das man auch als Auftaumittel kennt. Vereinfacht gesagt nutzt das Verfahren Wärme, um Kälte zu erzeugen.
Das Grundprinzip ähnelt einem klassischen Kühlsystem. Ein Kältemittel entzieht beim Verdampfen der Umgebung Wärme. Der Unterschied liegt im Antrieb des Kreislaufs.
FrostForge nutzt Sonnenwärme, um den Prozess zu steuern, und macht sich dabei die physikalischen Eigenschaften von Ammoniak und die Adsorptionsfähigkeit des Salzes zunutze. Das System funktioniert ohne Kompressor und ohne Abhängigkeit vom Stromnetz.
Ein modularer Einstieg über Eis
Das erste Produkt ist bewusst einfach gehalten. FrostForge entwickelt ein modulares System zur Eisproduktion, das in einen standardisierten 20-Fuss-Container passt. Mehr Kühlung bedeutet dabei einfach, dass zusätzliche Einheiten dazugestellt werden.
„Eis ist das Einfachste, was unser System erzeugen kann“, sagt Koifman. Gleichzeitig erlaubt es einen schnellen Marktzugang. Von dort aus kann die Technologie schrittweise auf Kühlräume, Klimaanlagen und grössere Systeme ausgeweitet werden.
Ein Markt mit strukturellen Lücken
Die Dimension des Problems ist gross. Weltweit werden jährlich über zwei Milliarden Eisbeutel verkauft. Gleichzeitig entstehen durch den Verderb von Lebensmitteln und Medikamenten Schäden in Höhe von über einer Billion USD pro Jahr. Auffällig ist dabei, wo diese Verluste entstehen. Nicht primär im Transport, sondern an den Endpunkten der Lieferkette, bei der Produktion und bei der lokalen Verteilung. Gerade dort ist Strom oft unzuverlässig oder gar nicht vorhanden.
Hier setzt FrostForge an.
Im Vergleich zu dieselbetriebenen Kühlsystemen vermeidet das System nicht nur direkte Emissionen, sondern auch indirekte Effekte. Durch reduzierte Verluste von Lebensmitteln und Medikamenten können pro Einheit jährlich bis zu 30 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart werden.
Standardisierung statt Einzellösungen
Ein zentraler Teil des Ansatzes liegt im Design. Statt für jeden Einsatzort individuelle Systeme zu entwickeln, setzt FrostForge auf standardisierte Module mit klar definierter Leistung. Braucht ein Kunde mehr Kühlung, werden zusätzliche Einheiten kombiniert.
Dieser Ansatz reduziert Komplexität und erleichtert die Skalierung, insbesondere in Regionen, in denen Wartung und technische Infrastruktur begrenzt sind.
Gleichzeitig bleibt die Technologie nicht auf Forschung beschränkt. Adsorptionskühlung ist kein neues Konzept. Der Unterschied liegt in der Umsetzung: modular, skalierbar und auf reale Einsatzbedingungen ausgelegt.
Zwischen Entwicklung und Markteintritt
Das System befindet sich aktuell in einer fortgeschrittenen Testphase (Technology Readiness Level 5) und wird unter realen Bedingungen erprobt. Pilotprojekte mit Kliniken, Caterern und Lebensmittelverteilern sind für Ende 2026 und Anfang 2027 geplant. Unterstützt wird das Startup unter anderem durch Venture Kick.
Langfristig geht es um mehr als Eis. Wenn das Konzept funktioniert, könnten energiearme, aber sonnenreiche Regionen Zugang zu Kühlung erhalten, ohne auf ein stabiles Stromnetz angewiesen zu sein. Kliniken müssten weniger Verluste bei Impfstoffen einkalkulieren. Lebensmittel könnten lokal gelagert werden, ohne sofort verarbeitet werden zu müssen. Oder anders gesagt: Kühlung würde dort verfügbar, wo sie heute oft fehlt.




