«Das Mikrobiom ist zentral für ganz unterschiedliche Lebensbereiche»

Dr. Marco Meola erforschte einst das Bodenmikrobiom in Gletschervorfeldern – heute entschlüsselt er das menschliche Mikrobiom. Im Interview erklärt der Gründer von DATABIOMIX, was Darm und Gletscherböden verbindet, warum er sich manchmal wie Neo aus dem Film „Matrix” fühlt und wie das Mikrobiom Gesundheit und Leistung beeinflusst.

Wie würdest du das Mikrobiom erklären?

Ich nutze gerne die Metapher eines Dorfes: Damit ein Dorf funktioniert, braucht es verschiedene Rollen: Bürgermeister, Ärztin, Lehrpersonen. Nur wenn alle Funktionen besetzt sind, funktioniert das soziale Gefüge. Genauso ist es beim Mikrobiom. Es kommt nicht auf die exakte Zusammensetzung an, sondern darauf, dass alle wichtigen Funktionen abgedeckt sind. Wenn alle Funktionen ihre Rolle ausfüllen, entsteht ein ausgewogener, stabiler Kreislauf. Wenn bestimmte Rollen fehlen, kann das zu Problemen im Stoffwechsel führen – etwa zu Entzündungen, Blähungen oder Verdauungsproblemen führen.

Weshalb hast du dich dem Mikrobiom verschrieben?

Das Mikrobiom verbindet harte Wissenschaft mit Fragen, die uns alle betreffen – etwa, ob Bakterien unser Verhalten beeinflussen. Steuern sie unsere Emotionen oder unsere Lust auf bestimmte Lebensmittel? Das ist ein noch junges, aber unglaublich faszinierendes Forschungsgebiet, mit dem sich viele Menschen identifizieren können. Mich hat die Idee fasziniert, eine Art „soziales Netzwerk“ von Bakterien zu verstehen: Wie beeinflussen sich die verschiedenen Bakterienstämme gegenseitig? Welche treten gemeinsam auf, welche verdrängen sich – und welche Dynamiken entstehen für die Gesundheit daraus?

Wie entstand die Idee zu DATABIOMIX?

Die Idee ist eigentlich schon vor vielen Jahren entstanden. Ich habe 2015 an der ETH in Umweltmikrobiologie doktoriert und in einem ganz anderen Bereich geforscht – etwa daran, welche Bakterien Böden besiedeln, wenn sich Gletscher zurückziehen. Da gibt es erstaunliche Parallelen zum Darmmikrobiom: Welche Bakterien siedeln sich an? Welche bleiben? Wie funktioniert ein solches System? Auch wenn es unterschiedliche Bakterien sind, ist das zugrunde liegende Konzept sehr ähnlich.

Warum hast du nach dem Studium nicht direkt gegründet?

Ich habe im Studium erste Startup-Coachings besucht. Aber der Markt war damals noch nicht reif – und auch ich selbst war noch nicht so weit, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Im Alter von 42 Jahren hatte ich dann das Gefühl: Jetzt ist es der richtige Moment. Ich hatte ein starkes Netzwerk und viel im klinischen Bereich gearbeitet. Im Juli 2025 haben mein Mitgründer und ich die GmbH mit Sitz in Schlieren gegründet.  

Wie hat sich das Forschungsfeld im Bereich Mikrobiom in den letzten Jahren entwickelt?

Anfang der 2010er-Jahre gab es vielleicht rund 100 Publikationen pro Monat zum Thema – heute sind es fast 3’000. Parallel dazu wächst das öffentliche Interesse stark, etwa durch Social Media, Ernährungstrends oder Bücher wie „Darm mit Charme“. Themen wie gesunde Ernährung, vegane Lebensweise oder ganzheitliche Gesundheit treiben die Aufmerksamkeit zusätzlich. Diese gesellschaftliche Entwicklung geht mit einem deutlich gestiegenen Bewusstsein in der Bevölkerung einher – und schafft eine wachsende Nachfrage nach personalisierten Gesundheitslösungen.

Was wissen wir heute über das Mikrobiom, was vor zehn Jahren noch undenkbar war?

Wir wissen heute enorm viel mehr – auch wenn wir noch längst nicht alles verstehen. Beispielsweise sehen wir immer klarer, wie verschiedene Bereiche des Körpers zusammenhängen: Bakterien aus der Mundhöhle können das Darmmikrobiom beeinflussen. Auch Zusammenhänge mit Krankheiten wie Krebs werden zunehmend erforscht. Was oft noch fehlt, ist die Erklärung, warum und wie diese Zusammenhänge entstehen. Ein grosses Ziel für uns ist deshalb, das Mikrobiom als diagnostischen Biomarker zu nutzen. Eine Stuhlprobe ist nicht-invasiv, einfach durchzuführen und könnte helfen, Krankheitsrisiken frühzeitig zu erkennen.

Wie belastbar sind die Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Krankheiten?

Es gibt viele Hinweise und Korrelationen – aber noch nicht überall klare Kausalitäten. Genau daran arbeitet die Forschung intensiv. Bevor solche Erkenntnisse in der Praxis ankommen, müssen Biomarker identifiziert, validiert und in klinischen Studien bestätigt werden. Das ist ein aufwendiger aber notwendiger Prozess.

Wie macht DATABIOMIX das Mikrobiom für Ernährungsempfehlungen nutzbar?

Wir nutzen Künstliche Intelligenz, um Mikrobiom-Daten in Ernährungsempfehlungen zu übersetzen. Mit akademischen Partnern entwickeln wir eine KI-Architektur, die analysiert, welche Stoffwechselprozesse im Darm abgedeckt sind – und welche fehlen. Daraus lässt sich ableiten, welche Bakterien benötigt werden und wie sie gezielt über die Ernährung gefördert werden können. Fehlen bestimmte Bakterien, zeigen wir Wege auf, ihr Wachstum wieder anzuregen. Unser Ziel ist es, Ernährungsberater:innen eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten. So schliessen wir die Lücke zwischen komplexen Mikrobiom-Profilen und umsetzbaren Empfehlungen – als ergänzendes Werkzeug, nicht als Ersatz für die Beratung.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI) in eurer Arbeit?

KI spielt in der Übersetzung komplexer Mikrobiom-Daten eine zentrale Rolle – insbesondere im Bereich Ernährung. Mit akademischen Partnern entwickeln wir ein KI-Konzept, um Mikrobiom-Profile aufzubereiten und zu übersetzen, damit Ernährungsberater konkrete Handlungsempfehlungen ableiten können. Es geht immer darum, herauszufinden, welche Funktionen ein Mikrobiom erfüllt, welche fehlen und wie man diese gezielt über Ernährung beeinflussen kann. Solche Zusammenhänge sind so komplex, dass sie ohne KI kaum sinnvoll abbildbar wären. Unsere Lösung richtet sich an Fachpersonen. Sie soll ein zusätzliches, wissenschaftlich fundiertes Werkzeug sein – kein Ersatz für Beratung.

Wie war der Schritt vom Labor zur Unternehmensgründung – und was hat dich überrascht?

Ich vergleiche das gerne mit der Szene aus dem Film „Matrix“, in der Neo plötzlich aus seiner Kapsel erwacht und merkt, dass er seinen Körper noch nie wirklich gebraucht hat. Vielleicht etwas überspitzt – aber es fühlt sich tatsächlich wie ein kompletter Perspektivenwechsel an. Man bewegt sich plötzlich in einem völlig neuen Kontext, ist mit ganz anderen Themen konfrontiert. Das ist unglaublich spannend – aber es braucht Mut, sich darauf einzulassen.

Wie bewertest du den Boom rund um Probiotika und Mikrobiom-Tests?

Nach einem grossen Hype zwischen 2015 und 2019 hat sich gezeigt, wie komplex es ist, tatsächlich wirksame Produkte zu entwickeln – insbesondere im medizinischen Bereich. Gleichzeitig sehen wir heute einen starken „Wildwuchs“ an Angeboten, sowohl bei Tests als auch bei Nahrungsergänzungsmitteln. Das liegt unter anderem an fehlenden klaren regulatorischen Vorgaben. 

Wie definierst du Erfolg für DATABIOMIX in fünf Jahren?

Erfolg bedeutet für uns, dass unsere Plattform – von der Stuhlprobe bis zur Auswertung für Ernährungsberater – als vertrauenswürdig und relevant wahrgenommen wird. Wir möchten, dass Fachpersonen unsere Analysen nutzen und den Mehrwert in ihrer täglichen Arbeit sehen. Natürlich wäre es ein grosser Erfolg, wenn wir durch unsere Mikrobiom-Analysen dazu beitragen, die Lebensqualität von Menschen mit chronischen Darmentzündungen und weiteren Krankheitsbildern durch gezielte Ernährungsempfehlungen zu verbessern.

Welche grosse Frage sollte die Mikrobiom-Forschung unbedingt beantworten?

Ein zentrales Thema ist die Rolle des Mikrobioms für ganz unterschiedliche Lebensbereiche: von chronischen Erkrankungen über Longevity bis hin zu sportlicher Performance. Gerade im Sport, etwa bei Regeneration, Entzündungen oder Stoffwechselprozessen, sehen wir grosses Potenzial. Aber auch Themen wie Fertilität, Mundgesundheit oder allgemeines Wohlbefinden hängen mit dem Mikrobiom zusammen.

Welchen Rat gibst du Gründer:innen aus der Wissenschaft?

Man sollte sich von der Vorstellung lösen, alles wissen zu müssen, bevor man startet. Gerade in wissenschaftlichen Feldern ist der Anspruch an Perfektion oft sehr hoch.

Aber Unternehmertum bedeutet auch, mit dem zu arbeiten, was man hat – und daraus etwas zu entwickeln, das die Nachfrage vom Markt decken kann. Man weiss nie genau, wohin die Reise geht. Wenn man darauf wartet, alles zu wissen, wird man nie starten.

Was treibt dich persönlich an?

Ich bin im Herzen immer noch Wissenschaftler – und finde es unglaublich spannend, an den Projekten unserer Kunden mitzuwirken. Gleichzeitig schätze ich die Freiheit im Unternehmertum: Ich kann selbst entscheiden, worauf ich meinen Fokus lege. Die Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe und unternehmerischer Breite macht die Arbeit herausfordernd, vielseitig und sehr erfüllend.

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Author: Saskia Iten

Saskia Iten
"Ich finde es eine wunderbare Aufgabe, mutige Gründer und ihre Ideen sichtbar zu machen."

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Dr. Marco Meola erforschte einst das Bodenmikrobiom in Gletschervorfeldern – heute entschlüsselt er das menschliche Mikrobiom. Im Interview erklärt der Gründer von DATABIOMIX, was Darm und Gletscherböden verbindet, warum er sich manchmal wie Neo aus dem Film „Matrix” fühlt und wie das Mikrobiom Gesundheit und Leistung beeinflusst.

Wie würdest du das Mikrobiom erklären?

Ich nutze gerne die Metapher eines Dorfes: Damit ein Dorf funktioniert, braucht es verschiedene Rollen: Bürgermeister, Ärztin, Lehrpersonen. Nur wenn alle Funktionen besetzt sind, funktioniert das soziale Gefüge. Genauso ist es beim Mikrobiom. Es kommt nicht auf die exakte Zusammensetzung an, sondern darauf, dass alle wichtigen Funktionen abgedeckt sind. Wenn alle Funktionen ihre Rolle ausfüllen, entsteht ein ausgewogener, stabiler Kreislauf. Wenn bestimmte Rollen fehlen, kann das zu Problemen im Stoffwechsel führen – etwa zu Entzündungen, Blähungen oder Verdauungsproblemen führen.

Weshalb hast du dich dem Mikrobiom verschrieben?

Das Mikrobiom verbindet harte Wissenschaft mit Fragen, die uns alle betreffen – etwa, ob Bakterien unser Verhalten beeinflussen. Steuern sie unsere Emotionen oder unsere Lust auf bestimmte Lebensmittel? Das ist ein noch junges, aber unglaublich faszinierendes Forschungsgebiet, mit dem sich viele Menschen identifizieren können. Mich hat die Idee fasziniert, eine Art „soziales Netzwerk“ von Bakterien zu verstehen: Wie beeinflussen sich die verschiedenen Bakterienstämme gegenseitig? Welche treten gemeinsam auf, welche verdrängen sich – und welche Dynamiken entstehen für die Gesundheit daraus?

Wie entstand die Idee zu DATABIOMIX?

Die Idee ist eigentlich schon vor vielen Jahren entstanden. Ich habe 2015 an der ETH in Umweltmikrobiologie doktoriert und in einem ganz anderen Bereich geforscht – etwa daran, welche Bakterien Böden besiedeln, wenn sich Gletscher zurückziehen. Da gibt es erstaunliche Parallelen zum Darmmikrobiom: Welche Bakterien siedeln sich an? Welche bleiben? Wie funktioniert ein solches System? Auch wenn es unterschiedliche Bakterien sind, ist das zugrunde liegende Konzept sehr ähnlich.

Warum hast du nach dem Studium nicht direkt gegründet?

Ich habe im Studium erste Startup-Coachings besucht. Aber der Markt war damals noch nicht reif – und auch ich selbst war noch nicht so weit, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Im Alter von 42 Jahren hatte ich dann das Gefühl: Jetzt ist es der richtige Moment. Ich hatte ein starkes Netzwerk und viel im klinischen Bereich gearbeitet. Im Juli 2025 haben mein Mitgründer und ich die GmbH mit Sitz in Schlieren gegründet.  

Wie hat sich das Forschungsfeld im Bereich Mikrobiom in den letzten Jahren entwickelt?

Anfang der 2010er-Jahre gab es vielleicht rund 100 Publikationen pro Monat zum Thema – heute sind es fast 3’000. Parallel dazu wächst das öffentliche Interesse stark, etwa durch Social Media, Ernährungstrends oder Bücher wie „Darm mit Charme“. Themen wie gesunde Ernährung, vegane Lebensweise oder ganzheitliche Gesundheit treiben die Aufmerksamkeit zusätzlich. Diese gesellschaftliche Entwicklung geht mit einem deutlich gestiegenen Bewusstsein in der Bevölkerung einher – und schafft eine wachsende Nachfrage nach personalisierten Gesundheitslösungen.

Was wissen wir heute über das Mikrobiom, was vor zehn Jahren noch undenkbar war?

Wir wissen heute enorm viel mehr – auch wenn wir noch längst nicht alles verstehen. Beispielsweise sehen wir immer klarer, wie verschiedene Bereiche des Körpers zusammenhängen: Bakterien aus der Mundhöhle können das Darmmikrobiom beeinflussen. Auch Zusammenhänge mit Krankheiten wie Krebs werden zunehmend erforscht. Was oft noch fehlt, ist die Erklärung, warum und wie diese Zusammenhänge entstehen. Ein grosses Ziel für uns ist deshalb, das Mikrobiom als diagnostischen Biomarker zu nutzen. Eine Stuhlprobe ist nicht-invasiv, einfach durchzuführen und könnte helfen, Krankheitsrisiken frühzeitig zu erkennen.

Wie belastbar sind die Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Krankheiten?

Es gibt viele Hinweise und Korrelationen – aber noch nicht überall klare Kausalitäten. Genau daran arbeitet die Forschung intensiv. Bevor solche Erkenntnisse in der Praxis ankommen, müssen Biomarker identifiziert, validiert und in klinischen Studien bestätigt werden. Das ist ein aufwendiger aber notwendiger Prozess.

Wie macht DATABIOMIX das Mikrobiom für Ernährungsempfehlungen nutzbar?

Wir nutzen Künstliche Intelligenz, um Mikrobiom-Daten in Ernährungsempfehlungen zu übersetzen. Mit akademischen Partnern entwickeln wir eine KI-Architektur, die analysiert, welche Stoffwechselprozesse im Darm abgedeckt sind – und welche fehlen. Daraus lässt sich ableiten, welche Bakterien benötigt werden und wie sie gezielt über die Ernährung gefördert werden können. Fehlen bestimmte Bakterien, zeigen wir Wege auf, ihr Wachstum wieder anzuregen. Unser Ziel ist es, Ernährungsberater:innen eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten. So schliessen wir die Lücke zwischen komplexen Mikrobiom-Profilen und umsetzbaren Empfehlungen – als ergänzendes Werkzeug, nicht als Ersatz für die Beratung.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI) in eurer Arbeit?

KI spielt in der Übersetzung komplexer Mikrobiom-Daten eine zentrale Rolle – insbesondere im Bereich Ernährung. Mit akademischen Partnern entwickeln wir ein KI-Konzept, um Mikrobiom-Profile aufzubereiten und zu übersetzen, damit Ernährungsberater konkrete Handlungsempfehlungen ableiten können. Es geht immer darum, herauszufinden, welche Funktionen ein Mikrobiom erfüllt, welche fehlen und wie man diese gezielt über Ernährung beeinflussen kann. Solche Zusammenhänge sind so komplex, dass sie ohne KI kaum sinnvoll abbildbar wären. Unsere Lösung richtet sich an Fachpersonen. Sie soll ein zusätzliches, wissenschaftlich fundiertes Werkzeug sein – kein Ersatz für Beratung.

Wie war der Schritt vom Labor zur Unternehmensgründung – und was hat dich überrascht?

Ich vergleiche das gerne mit der Szene aus dem Film „Matrix“, in der Neo plötzlich aus seiner Kapsel erwacht und merkt, dass er seinen Körper noch nie wirklich gebraucht hat. Vielleicht etwas überspitzt – aber es fühlt sich tatsächlich wie ein kompletter Perspektivenwechsel an. Man bewegt sich plötzlich in einem völlig neuen Kontext, ist mit ganz anderen Themen konfrontiert. Das ist unglaublich spannend – aber es braucht Mut, sich darauf einzulassen.

Wie bewertest du den Boom rund um Probiotika und Mikrobiom-Tests?

Nach einem grossen Hype zwischen 2015 und 2019 hat sich gezeigt, wie komplex es ist, tatsächlich wirksame Produkte zu entwickeln – insbesondere im medizinischen Bereich. Gleichzeitig sehen wir heute einen starken „Wildwuchs“ an Angeboten, sowohl bei Tests als auch bei Nahrungsergänzungsmitteln. Das liegt unter anderem an fehlenden klaren regulatorischen Vorgaben. 

Wie definierst du Erfolg für DATABIOMIX in fünf Jahren?

Erfolg bedeutet für uns, dass unsere Plattform – von der Stuhlprobe bis zur Auswertung für Ernährungsberater – als vertrauenswürdig und relevant wahrgenommen wird. Wir möchten, dass Fachpersonen unsere Analysen nutzen und den Mehrwert in ihrer täglichen Arbeit sehen. Natürlich wäre es ein grosser Erfolg, wenn wir durch unsere Mikrobiom-Analysen dazu beitragen, die Lebensqualität von Menschen mit chronischen Darmentzündungen und weiteren Krankheitsbildern durch gezielte Ernährungsempfehlungen zu verbessern.

Welche grosse Frage sollte die Mikrobiom-Forschung unbedingt beantworten?

Ein zentrales Thema ist die Rolle des Mikrobioms für ganz unterschiedliche Lebensbereiche: von chronischen Erkrankungen über Longevity bis hin zu sportlicher Performance. Gerade im Sport, etwa bei Regeneration, Entzündungen oder Stoffwechselprozessen, sehen wir grosses Potenzial. Aber auch Themen wie Fertilität, Mundgesundheit oder allgemeines Wohlbefinden hängen mit dem Mikrobiom zusammen.

Welchen Rat gibst du Gründer:innen aus der Wissenschaft?

Man sollte sich von der Vorstellung lösen, alles wissen zu müssen, bevor man startet. Gerade in wissenschaftlichen Feldern ist der Anspruch an Perfektion oft sehr hoch.

Aber Unternehmertum bedeutet auch, mit dem zu arbeiten, was man hat – und daraus etwas zu entwickeln, das die Nachfrage vom Markt decken kann. Man weiss nie genau, wohin die Reise geht. Wenn man darauf wartet, alles zu wissen, wird man nie starten.

Was treibt dich persönlich an?

Ich bin im Herzen immer noch Wissenschaftler – und finde es unglaublich spannend, an den Projekten unserer Kunden mitzuwirken. Gleichzeitig schätze ich die Freiheit im Unternehmertum: Ich kann selbst entscheiden, worauf ich meinen Fokus lege. Die Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe und unternehmerischer Breite macht die Arbeit herausfordernd, vielseitig und sehr erfüllend.

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