Zenlines CEO, Arber Sejdiji, spricht über den Wettbewerb mit Amazon und Temu sowie die Zukunft intelligenter Sortimentsentscheidungen. Ein Gespräch darüber, warum Händler in Europa dringend auf KI-Agenten umstellen sollten. 

Warum entwickelt ihr ein Produkt für den Retail-Sektor?

Ich war bei BCG in der Strategieberatung und auch in der Konsumgüterindustrie tätig. In der Theorie denkt man, grosse Handelsunternehmen wissen, mit welchen Produkten sie ihr Geld verdienen. Während der Tätigkeiten habe ich aber gesehen: In der Praxis sieht das ganz anders aus. Als mein Mitgründer Gerrit und ich Ende 2024 «Customer Discovery Calls» für Zenline führten, haben wir selbst bei den grössten internationalen Retailern immer wieder dasselbe gesehen: Entscheidungen wurden aus Excel-Listen mit schlechter Datenlage getroffen, nach Bauchgefühl, und niemand konnte bei zehntausenden Produkten sagen, welche Produkte wirklich Marge bringen, wie viel Geldwert im Lager verdirbt oder wo das Sortiment überladen ist. Für uns war klar: Dieses Delta zwischen Daten und Entscheidung ist eine echte Chance, Künstliche Intelligenz dorthin zu bringen, wo sie bisher fehlt: in die Sortimentslogik europäischer Retailer. Nur so lassen sich Player wie Amazon oder Temu langfristig kontern. Moderne, wettbewerbsfähige Sortimente, kann man heute nur noch KI-optimiert und damit nutzerorientiert erschaffen. 

Nur so lassen sich Player wie Amazon oder Temu langfristig kontern.

Und wann kam der Moment, in dem ihr gesagt habt: Wir bauen Zenlines KI-Agenten jetzt?

Gerrit und ich haben uns an der ETH angefreundet und wussten aus gemeinsamen Projekten, dass wir ein gutes Team abgeben. Ich mit Strategie-Hintergrund und Ingenieurstudium, Gerrit mit Erfahrung im Aufbau von KI-Systemen. Nach einer Vielzahl an «Customer Discovery Calls» und ersten Gesprächen mit Investorinnen und Investoren war schnell klar, dass wir einen Nerv im Retail-Sektor treffen, und den Zeitgeist gleich mit. Ende letzten Jahres hat noch kaum jemand auf LinkedIn von KI-Agenten gesprochen, heute findet man tausende Beiträge. Das Ironische daran: Noch wissen die meisten gar nicht, wie man KI-Agenten baut. Als «AI Natives» haben wir hier definitiv einen grossen Vorsprung.

Das heisst, Tempo war sehr wichtig für euch?

Extrem. Unser «MVP» stand in unter vier Wochen. Viele Nachtschichten, viele Sessions bis 5 Uhr morgens, aber wir wussten: Jetzt ist der Moment. Und wir haben uns auch nicht nur auf unseren händischen «Speed» verlassen. Wir arbeiten mit den modernsten Tools: Loveable, Anthropic, Cursor … um das an Schnelligkeit herauszuholen, was die neueste Technik gerade hergibt. Unser CTO hat vor ein paar Wochen eine Nachricht vom Cursor-Team bekommen, dass wir unter den Top 1 % an Cursor-Usern in Zürich sind. Das bestätigt ganz gut, wie sehr wir am Zahn der Zeit arbeiten.

Wie sahen die ersten Schritte aus – Produkt, Zielgruppe, Use Cases?

Je mehr wir mit potenziellen Kunden gesprochen haben, desto mehr hat sich auch die Produktvision geschärft. Wir sind selbst erstaunt, wie klar sie ist. Das liegt auch daran, dass wir uns relativ schnell fokussiert haben. Wir hatten uns anfangs beide Seiten angeschaut: «Manufacturer» und «Retailer». Relativ schnell war klar, dass der grössere Schmerz beim Retail liegt. Dort ist der Entscheidungsdruck höher, die internationale Konkurrenz auch, und es fehlen die Tools, vor allem eines das branchenübergreifend für Sortimente funktioniert. Aber fast am wichtigsten: Interesse und digitale Neugier waren da. Also haben wir uns erstmal auf Category Teams bei Retailern fokussiert. Mit ihnen als Pilotkunden konnten wir die Produktvision so genau schärfen und herausfinden, welche Features wo und wann gebraucht werden.

Bild: Startseite der Zenline-AI-Website mit Fokus auf KI-gestützte Sortimentsoptimierung.

Wo steht ihr aktuell?

Wir arbeiten bereits mit den grössten europäischen Retailern zusammen und machen die Software nun für alle Retailer zugänglich. Wir bieten interessierten Retailern Assortment Audits an, mit unsere KI-Agenten Verbesserungsvorschläge in jedem Sortiment zu erarbeiten. Statt die Software monatelang zu testen, bieten wir an, erste Produktempfehlungen innerhalb von wenigen Stunden zu liefern, sodass die Teams den Mehrwert von Zenline direkt erleben können. Ich glaube nämlich daran, dass man erst Mehrwert schaffen muss, um erfolgreich verkaufen zu können.

Und wie verändert sich die Rolle von «Category Managern» dann, wenn zukünftig KI-Agenten die Arbeit machen?

Die Spielregeln verändern sich gerade komplett. Früher hat KI nur den Tech-Sektor betroffen. Heute betrifft KI jede Branche, und der Handel ist mittendrin. Plattformen wie Temu oder Amazon setzen neue Standards bei Geschwindigkeit und datengetriebener Präzision. Wer heute als erster KI im Sortiment einsetzt, gewinnt morgen den Markt.
Der Job des «Category Managers» entwickelt sich weiter, genau wie alle anderen Jobs, in die KI einfliesst. Dann geht es nicht mehr darum, Daten oder Preise zu analysieren, sondern die Entscheidungen, die der Zen-Agent ausspuckt, anzunehmen und im Unternehmen umzusetzen.

Wohin geht die Reise für Zenline?

Wir bauen jetzt skalierbar. Unser Ziel ist es, industrie-agnostische Agenten zu entwickeln, die sich direkt in die Arbeitsrealität von Category Managern integrieren, ohne IT-Projekte, ohne kompliziertes Onboarding. Die ersten Empfehlungen für Produktentscheidungen können wir sogar ohne Zugriff auf interne Daten geben. Dafür analysieren wir Markt- und Wettbewerbsdaten, Preise und Social Trends.

Was ist die Vision?

Unsere Vision ist klar: AI, die datenbasiert Entscheidungen für die beste Marge und das perfekte Sortiment liefert. Um diese Roadmap so schnell es geht umzusetzen, stellen wir ausschliesslich die besten KI-Talente in Zürich ein.

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Author:

Hellen Hohoff
"Ich habe viele GreenTech-Gründer:innen in PR & Kommunikation beraten. Ihre Vision, ihr Impact & Unternehmergeist inspirieren mich, ihre Geschichten zu erzählen."

FOUNDED

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“23 Questions mit…”

In unserem neuen Format stellen wir Gründerinnen, Gründern oder Teammitgliedern 23 Fragen in einem One-Take – während wir durch die Firma gehen. Kein Skript, kein Cut, kein Studio. Nur echtes Startup-Leben.

23 Questions mit Scewo. 

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Zenlines CEO, Arber Sejdiji, spricht über den Wettbewerb mit Amazon und Temu sowie die Zukunft intelligenter Sortimentsentscheidungen. Ein Gespräch darüber, warum Händler in Europa dringend auf KI-Agenten umstellen sollten. 

Warum entwickelt ihr ein Produkt für den Retail-Sektor?

Ich war bei BCG in der Strategieberatung und auch in der Konsumgüterindustrie tätig. In der Theorie denkt man, grosse Handelsunternehmen wissen, mit welchen Produkten sie ihr Geld verdienen. Während der Tätigkeiten habe ich aber gesehen: In der Praxis sieht das ganz anders aus. Als mein Mitgründer Gerrit und ich Ende 2024 «Customer Discovery Calls» für Zenline führten, haben wir selbst bei den grössten internationalen Retailern immer wieder dasselbe gesehen: Entscheidungen wurden aus Excel-Listen mit schlechter Datenlage getroffen, nach Bauchgefühl, und niemand konnte bei zehntausenden Produkten sagen, welche Produkte wirklich Marge bringen, wie viel Geldwert im Lager verdirbt oder wo das Sortiment überladen ist. Für uns war klar: Dieses Delta zwischen Daten und Entscheidung ist eine echte Chance, Künstliche Intelligenz dorthin zu bringen, wo sie bisher fehlt: in die Sortimentslogik europäischer Retailer. Nur so lassen sich Player wie Amazon oder Temu langfristig kontern. Moderne, wettbewerbsfähige Sortimente, kann man heute nur noch KI-optimiert und damit nutzerorientiert erschaffen. 

Nur so lassen sich Player wie Amazon oder Temu langfristig kontern.

Und wann kam der Moment, in dem ihr gesagt habt: Wir bauen Zenlines KI-Agenten jetzt?

Gerrit und ich haben uns an der ETH angefreundet und wussten aus gemeinsamen Projekten, dass wir ein gutes Team abgeben. Ich mit Strategie-Hintergrund und Ingenieurstudium, Gerrit mit Erfahrung im Aufbau von KI-Systemen. Nach einer Vielzahl an «Customer Discovery Calls» und ersten Gesprächen mit Investorinnen und Investoren war schnell klar, dass wir einen Nerv im Retail-Sektor treffen, und den Zeitgeist gleich mit. Ende letzten Jahres hat noch kaum jemand auf LinkedIn von KI-Agenten gesprochen, heute findet man tausende Beiträge. Das Ironische daran: Noch wissen die meisten gar nicht, wie man KI-Agenten baut. Als «AI Natives» haben wir hier definitiv einen grossen Vorsprung.

Das heisst, Tempo war sehr wichtig für euch?

Extrem. Unser «MVP» stand in unter vier Wochen. Viele Nachtschichten, viele Sessions bis 5 Uhr morgens, aber wir wussten: Jetzt ist der Moment. Und wir haben uns auch nicht nur auf unseren händischen «Speed» verlassen. Wir arbeiten mit den modernsten Tools: Loveable, Anthropic, Cursor … um das an Schnelligkeit herauszuholen, was die neueste Technik gerade hergibt. Unser CTO hat vor ein paar Wochen eine Nachricht vom Cursor-Team bekommen, dass wir unter den Top 1 % an Cursor-Usern in Zürich sind. Das bestätigt ganz gut, wie sehr wir am Zahn der Zeit arbeiten.

Wie sahen die ersten Schritte aus – Produkt, Zielgruppe, Use Cases?

Je mehr wir mit potenziellen Kunden gesprochen haben, desto mehr hat sich auch die Produktvision geschärft. Wir sind selbst erstaunt, wie klar sie ist. Das liegt auch daran, dass wir uns relativ schnell fokussiert haben. Wir hatten uns anfangs beide Seiten angeschaut: «Manufacturer» und «Retailer». Relativ schnell war klar, dass der grössere Schmerz beim Retail liegt. Dort ist der Entscheidungsdruck höher, die internationale Konkurrenz auch, und es fehlen die Tools, vor allem eines das branchenübergreifend für Sortimente funktioniert. Aber fast am wichtigsten: Interesse und digitale Neugier waren da. Also haben wir uns erstmal auf Category Teams bei Retailern fokussiert. Mit ihnen als Pilotkunden konnten wir die Produktvision so genau schärfen und herausfinden, welche Features wo und wann gebraucht werden.

Bild: Startseite der Zenline-AI-Website mit Fokus auf KI-gestützte Sortimentsoptimierung.

Wo steht ihr aktuell?

Wir arbeiten bereits mit den grössten europäischen Retailern zusammen und machen die Software nun für alle Retailer zugänglich. Wir bieten interessierten Retailern Assortment Audits an, mit unsere KI-Agenten Verbesserungsvorschläge in jedem Sortiment zu erarbeiten. Statt die Software monatelang zu testen, bieten wir an, erste Produktempfehlungen innerhalb von wenigen Stunden zu liefern, sodass die Teams den Mehrwert von Zenline direkt erleben können. Ich glaube nämlich daran, dass man erst Mehrwert schaffen muss, um erfolgreich verkaufen zu können.

Und wie verändert sich die Rolle von «Category Managern» dann, wenn zukünftig KI-Agenten die Arbeit machen?

Die Spielregeln verändern sich gerade komplett. Früher hat KI nur den Tech-Sektor betroffen. Heute betrifft KI jede Branche, und der Handel ist mittendrin. Plattformen wie Temu oder Amazon setzen neue Standards bei Geschwindigkeit und datengetriebener Präzision. Wer heute als erster KI im Sortiment einsetzt, gewinnt morgen den Markt.
Der Job des «Category Managers» entwickelt sich weiter, genau wie alle anderen Jobs, in die KI einfliesst. Dann geht es nicht mehr darum, Daten oder Preise zu analysieren, sondern die Entscheidungen, die der Zen-Agent ausspuckt, anzunehmen und im Unternehmen umzusetzen.

Wohin geht die Reise für Zenline?

Wir bauen jetzt skalierbar. Unser Ziel ist es, industrie-agnostische Agenten zu entwickeln, die sich direkt in die Arbeitsrealität von Category Managern integrieren, ohne IT-Projekte, ohne kompliziertes Onboarding. Die ersten Empfehlungen für Produktentscheidungen können wir sogar ohne Zugriff auf interne Daten geben. Dafür analysieren wir Markt- und Wettbewerbsdaten, Preise und Social Trends.

Was ist die Vision?

Unsere Vision ist klar: AI, die datenbasiert Entscheidungen für die beste Marge und das perfekte Sortiment liefert. Um diese Roadmap so schnell es geht umzusetzen, stellen wir ausschliesslich die besten KI-Talente in Zürich ein.

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