Parken nervt. Für Corsin Sulser war genau dieser Gedanke der Anfang von Parcandi. Heute nutzen über 100’000 Menschen regelmässig die Plattform, um Parkplätze in der Schweiz und in Deutschland zu buchen. Als Starthilfe hatte das Startup einen der grössten Konzerne der Schweiz im Rücken: die Baloise Gruppe.

2019 sucht die Baloise Gruppe im Rahmen ihres Kickbox-Programms nach neuen Ideen rund um Mobilität. Corsin Sulser, damals seit fast neun Jahren im Konzern tätig, überlegt nicht lange. Innovation gehörte schon immer zu seinem Job und der Sharing-Gedanke liess ihn nicht los. «Sharing hat mich schon lange fasziniert», sagt Sulser. «Und wenn man über Mobilität spricht, landet man früher oder später beim Parken. Das ist nie wirklich angenehm – für niemanden.»

Parkplätze gibt es, aber sie sind schlecht verteilt, oft leer und schwer zugänglich. Sulser reicht eine Idee ein, die Parken einfacher machen soll – ursprünglich sogar kombiniert mit E-Mobilität. Der Arbeitstitel: Park and Charge.

Von über 150 eingereichten Ideen landet sein Konzept unter den Top Ten und gewinnt sogar den Publikumspreis. Plötzlich steht die Idee im Rampenlicht und Sulser vor der Frage, die viele Gründer*innen kennen: Lässt man es bei einer guten Idee, oder macht man ernst?

Schnell vom Konzept zum Kunden

Mit dem erfolgreichen Startschuss im Rücken war Sulser bewusst: Diese Idee lässt sich nicht allein umsetzen. Schnell holt er Mitstreiter ins Boot, darunter Olga Pieritz, die heute als CMO, AD und PR für Parcandi verantwortlich ist. Statt direkt eine komplexe Plattform zu bauen, setzte das Team zunächst auf einen radikal einfachen Ansatz: Prototyping auf Papier, Tests mit echten Kundinnen und Kunden, Buchungen mit Schlüsseln und Bargeld. 

Der Ansatz zahlte sich aus. Nur drei Monate nach dem Innovationswettbewerb hatte Parcandi bereits die ersten zahlenden Kunden. Parallel dazu begann – mit Unterstützung der Baloise-IT – die Entwicklung der digitalen Plattform. Rund ein halbes Jahr später ging Parcandi live, mit einem Produkt, das in seiner Kernfunktionalität der heutigen Lösung bereits sehr nahekam. 

Mit Parcandi finden sich Parkplätze schon bevor das Herumkurven im Parkhaus nötig wird. © Photo Dominik Plüss

Ausgründung mit Sicherheitsnetz

Die formelle Ausgründung erfolgte am 15. Juli 2021. Parcandi wurde als eigenständiges Unternehmen gegründet, die Baloise blieb als Aktionärin an Bord. Für Sulser ein entscheidender Faktor: «Mit drei Töchtern und einer laufenden Hypothek hätte ich ohne dieses Sicherheitsnetz wahrscheinlich nie gegründet.» 

Gleichzeitig war die Nähe zum Konzern neben den Vorteilen auch mit gewissen Nachteilen verbunden: Compliance-Prozesse, Gremienentscheidungen und strategische Diskussionen verlangsamten manches, insbesondere während der Corona-Pandemie, als die Frage im Raum stand, ob ein Parkplatz-Startup überhaupt noch relevant sei. Für das Gründerteam überwiegen klar die Vorteile: Zugang zu Know-how, erfahrene Marketing- und IT-Experten, Immobilien der Baloise als Testumfeld und eine starke Marke im Hintergrund. «Als unbekanntes Startup muss man sehr viel mehr Überzeugungsarbeit leisten», sagt Sulser.

Fokus, Fokus, Fokus

Rückblickend zeigt sich, dass nicht jede gute Idee zum richtigen Zeitpunkt reif ist. E-Charging war von Beginn an Teil der Vision von Parcandi. Doch für den Markteintritt 2020 war das Thema zu früh, der Anteil an E-Auto-Nutzern schlicht zu klein. Später griff Parcandi den Ansatz dennoch wieder auf, getrieben von Marktanforderungen und grossem Optimismus. Der anschliessende Einbruch der Elektromobilität brachte Ernüchterung.

Ein zentrales Learning aus fünf Jahren Parcandi: Fokus ist entscheidend. Rückblickend gesteht der Parcandi-Gründer, dass der Fokus auf das Kerngeschäft „Parken“ durch Zusatzleistungen wie „e-charging“ zeitweise verloren ging. Um aus einer vermeintlich engen Nische herauszuwachsen, wurde das Produkt früh verbreitert. Heute ist für Sulser klar: Parcandi ging diesen Schritt ein bis zwei Jahre zu früh, und zahlte dafür mit Tempo und Effizienz beim Wachstum. Dennoch bereut das Team den Schritt nicht. Heute kann Parcandi neben der Bewirtschaftung von Parkplätzen im Leerstand ganzheitliche Lösungen anbieten, inklusive E-Charging, und erfüllt damit auch Anforderungen grosser Ausschreibungen. Hier punktet Parcandi mit seiner sehr flexiblen Lösung, welche sich für Wohn- oder Geschäftshäuser, Quartiere oder Areale einfach umsetzen lässt. Eigentümer, Verwalter oder Arbeitgeber, profitieren von der hohen Kompetenz und dem umfassenden Service.

Swenja Willms
"Startups erzählen von Mut, Vision und der Bereitschaft, Risiken einzugehen und Neues zu schaffen."

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Parken nervt. Für Corsin Sulser war genau dieser Gedanke der Anfang von Parcandi. Heute nutzen über 100’000 Menschen regelmässig die Plattform, um Parkplätze in der Schweiz und in Deutschland zu buchen. Als Starthilfe hatte das Startup einen der grössten Konzerne der Schweiz im Rücken: die Baloise Gruppe.

2019 sucht die Baloise Gruppe im Rahmen ihres Kickbox-Programms nach neuen Ideen rund um Mobilität. Corsin Sulser, damals seit fast neun Jahren im Konzern tätig, überlegt nicht lange. Innovation gehörte schon immer zu seinem Job und der Sharing-Gedanke liess ihn nicht los. «Sharing hat mich schon lange fasziniert», sagt Sulser. «Und wenn man über Mobilität spricht, landet man früher oder später beim Parken. Das ist nie wirklich angenehm – für niemanden.»

Parkplätze gibt es, aber sie sind schlecht verteilt, oft leer und schwer zugänglich. Sulser reicht eine Idee ein, die Parken einfacher machen soll – ursprünglich sogar kombiniert mit E-Mobilität. Der Arbeitstitel: Park and Charge.

Von über 150 eingereichten Ideen landet sein Konzept unter den Top Ten und gewinnt sogar den Publikumspreis. Plötzlich steht die Idee im Rampenlicht und Sulser vor der Frage, die viele Gründer*innen kennen: Lässt man es bei einer guten Idee, oder macht man ernst?

Schnell vom Konzept zum Kunden

Mit dem erfolgreichen Startschuss im Rücken war Sulser bewusst: Diese Idee lässt sich nicht allein umsetzen. Schnell holt er Mitstreiter ins Boot, darunter Olga Pieritz, die heute als CMO, AD und PR für Parcandi verantwortlich ist. Statt direkt eine komplexe Plattform zu bauen, setzte das Team zunächst auf einen radikal einfachen Ansatz: Prototyping auf Papier, Tests mit echten Kundinnen und Kunden, Buchungen mit Schlüsseln und Bargeld. 

Der Ansatz zahlte sich aus. Nur drei Monate nach dem Innovationswettbewerb hatte Parcandi bereits die ersten zahlenden Kunden. Parallel dazu begann – mit Unterstützung der Baloise-IT – die Entwicklung der digitalen Plattform. Rund ein halbes Jahr später ging Parcandi live, mit einem Produkt, das in seiner Kernfunktionalität der heutigen Lösung bereits sehr nahekam. 

Mit Parcandi finden sich Parkplätze schon bevor das Herumkurven im Parkhaus nötig wird. © Photo Dominik Plüss

Ausgründung mit Sicherheitsnetz

Die formelle Ausgründung erfolgte am 15. Juli 2021. Parcandi wurde als eigenständiges Unternehmen gegründet, die Baloise blieb als Aktionärin an Bord. Für Sulser ein entscheidender Faktor: «Mit drei Töchtern und einer laufenden Hypothek hätte ich ohne dieses Sicherheitsnetz wahrscheinlich nie gegründet.» 

Gleichzeitig war die Nähe zum Konzern neben den Vorteilen auch mit gewissen Nachteilen verbunden: Compliance-Prozesse, Gremienentscheidungen und strategische Diskussionen verlangsamten manches, insbesondere während der Corona-Pandemie, als die Frage im Raum stand, ob ein Parkplatz-Startup überhaupt noch relevant sei. Für das Gründerteam überwiegen klar die Vorteile: Zugang zu Know-how, erfahrene Marketing- und IT-Experten, Immobilien der Baloise als Testumfeld und eine starke Marke im Hintergrund. «Als unbekanntes Startup muss man sehr viel mehr Überzeugungsarbeit leisten», sagt Sulser.

Fokus, Fokus, Fokus

Rückblickend zeigt sich, dass nicht jede gute Idee zum richtigen Zeitpunkt reif ist. E-Charging war von Beginn an Teil der Vision von Parcandi. Doch für den Markteintritt 2020 war das Thema zu früh, der Anteil an E-Auto-Nutzern schlicht zu klein. Später griff Parcandi den Ansatz dennoch wieder auf, getrieben von Marktanforderungen und grossem Optimismus. Der anschliessende Einbruch der Elektromobilität brachte Ernüchterung.

Ein zentrales Learning aus fünf Jahren Parcandi: Fokus ist entscheidend. Rückblickend gesteht der Parcandi-Gründer, dass der Fokus auf das Kerngeschäft „Parken“ durch Zusatzleistungen wie „e-charging“ zeitweise verloren ging. Um aus einer vermeintlich engen Nische herauszuwachsen, wurde das Produkt früh verbreitert. Heute ist für Sulser klar: Parcandi ging diesen Schritt ein bis zwei Jahre zu früh, und zahlte dafür mit Tempo und Effizienz beim Wachstum. Dennoch bereut das Team den Schritt nicht. Heute kann Parcandi neben der Bewirtschaftung von Parkplätzen im Leerstand ganzheitliche Lösungen anbieten, inklusive E-Charging, und erfüllt damit auch Anforderungen grosser Ausschreibungen. Hier punktet Parcandi mit seiner sehr flexiblen Lösung, welche sich für Wohn- oder Geschäftshäuser, Quartiere oder Areale einfach umsetzen lässt. Eigentümer, Verwalter oder Arbeitgeber, profitieren von der hohen Kompetenz und dem umfassenden Service.