Sie gelten als wertloser Rest, doch könnten Kartoffelschalen bald Plastik verdrängen? Ein junges Startup sieht darin den Rohstoff für die Verpackung von morgen.
Die Idee entstand nicht im Labor, sondern in der Industrie. Slava Driglov, Co-Founder und CEO von Peelpack, kommt ursprünglich aus einem Corporate Umfeld mit Fokus auf digitaler Transformation. In seiner bisherigen Arbeit hatte er Einblick in industrielle Verpackungsprozesse, welche sich mit wiederverwendbaren Polymeren beschäftigten. «In der Industrie sieht man sehr schnell, wie viel Abfall entsteht und wie wenig davon wirklich sinnvoll genutzt wird», erläutert er. Insbesondere in der Verpackungsindustrie wurde ihm bewusst, wie viele ineffiziente Materialverluste in der Wertschöpfungskette entstehen. Er wollte eine Lösung entwickeln, die weniger Abfall, weniger Mikroplastik, aber auch keine Kompromisse bei der Funktionalität mit sich bringt.

Mit Peelpack bleiben die Lebensmittel frisch und die Verpackung hat die gewohnten Funktionalitäten – ganz ohne Plastik.
Über das Swiss Food Research Netzwerk kam Slava mit dem späteren Co-Founder Massimo Bagnani in Kontakt. Dieser forschte an der ETH Zürich zu Food Nebenströme mit dem Fokus auf Abfallprodukten der Lebensmittelindustrie, wie Kartoffelschalen. In Regionen wie beispielsweise Brandenburg kommt es sogar zu einer noch stärkeren Überproduktion von Kartoffelschalen, die teilweise kostenlos abgegeben werden. Für das neue Team war klar: «Kartoffelschalen gibt es im Überfluss. Die eigentliche Frage ist nicht die Verfügbarkeit, sondern wie man daraus eine funktionierende Lösung macht», so Slava im Interview.
Nachhaltigkeit, die sich integrieren lässt
Bewusst setzt Peelpack auf Kartoffelschalen statt auf alternative Rohstoffe wie Zuckerrohr, da diese in Europa lokal und in grossen Mengen verfügbar sind. Hierbei ist ihr Ziel ein Zwei-Kreislauf-Ansatz: Lebensmittel werden produziert und deren Nebenprodukte werden wiederum als Rohstoff für die Verpackung derselben Produkte verwendet.
Der Herstellungsprozess beginnt mit dem Sammeln der Kartoffelschalen. Diese bestehen zu 80 Prozent aus Wasser. Um Energie zu sparen, arbeitet Peelpack fortlaufend an effizienteren Trocknungsmethoden, wie beispielsweise Mikrowellentechnologie. Die getrockneten Schalen werden anschliessend gemahlen, mit weiteren Materialien vermischt und zu einem polymerähnlichen Granulat verarbeitet. Dieses wird anschliessend extrudiert, zu Folien oder Platten geformt und anschliessend mit Thermoforming durch Hitze zu kartonähnlichen Verpackungen verarbeitet. «Nachhaltige Verpackungen funktionieren nur dann, wenn sie sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lassen», erklärt Slava. Ein Zentraler Vorteil der Lösung hierbei ist, dass die bereits bestehenden Verpackungsmaschinen für den Prozess verwendet werden können.
Vom Pilot zur Skalierung
Erste Material- und Funktionstests im Schweizer Labor fanden bereits statt. Inzwischen hat Peelpack mehr als 20 Versionen getestet und das Material iterativ mit Rückmeldungen weiterentwickelt. Slava erläutert die enge Zusammenarbeit mit dem Zielpublikum: «Man trifft den Markt selten beim ersten Versuch. Entscheidend ist, Feedback von Produzenten und Endkonsumenten ernst zu nehmen und das Produkt Schritt für Schritt zu verbessern.»
Als nächster Schritt in Richtung Produktion werden über 100’000 Verpackungen ausserhalb der Laborumgebung produziert. Neben der Funktion und Haltbarkeit der Produkte berücksichtigt das Team auch das End-of-Life der Verpackung und arbeitet hierfür mit Kompostierbetrieben zusammen. Die Verpackungen sind durch die organischen Materialien atmungsaktiv und verlängern die Haltbarkeit von Beeren beispielsweise um 20 Prozent, was circa zwei Tagen entspricht. So wird zusätzlich Foodwaste verringert.
Kurzfristig will Peelpack Verpackungen in Schweizer Regale bringen. Als nächstes stehen Importländer wie Spanien und Italien im Fokus. Für die Zukunft hat Peelpack grosse Ziele und plant innerhalb der nächsten Jahre in europäische Märkte sowie die Golfregion und US-Staaten zu expandieren und Kreislaufwirtschaft entlang internationaler Lieferketten umzusetzen.
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“23 Questions mit…”
In unserem neuen Format stellen wir Gründerinnen, Gründern oder Teammitgliedern 23 Fragen in einem One-Take – während wir durch die Firma gehen. Kein Skript, kein Cut, kein Studio. Nur echtes Startup-Leben.
23 Questions mit Scewo.
Sie gelten als wertloser Rest, doch könnten Kartoffelschalen bald Plastik verdrängen? Ein junges Startup sieht darin den Rohstoff für die Verpackung von morgen.
Die Idee entstand nicht im Labor, sondern in der Industrie. Slava Driglov, Co-Founder und CEO von Peelpack, kommt ursprünglich aus einem Corporate Umfeld mit Fokus auf digitaler Transformation. In seiner bisherigen Arbeit hatte er Einblick in industrielle Verpackungsprozesse, welche sich mit wiederverwendbaren Polymeren beschäftigten. «In der Industrie sieht man sehr schnell, wie viel Abfall entsteht und wie wenig davon wirklich sinnvoll genutzt wird», erläutert er. Insbesondere in der Verpackungsindustrie wurde ihm bewusst, wie viele ineffiziente Materialverluste in der Wertschöpfungskette entstehen. Er wollte eine Lösung entwickeln, die weniger Abfall, weniger Mikroplastik, aber auch keine Kompromisse bei der Funktionalität mit sich bringt.

Mit Peelpack bleiben die Lebensmittel frisch und die Verpackung hat die gewohnten Funktionalitäten – ganz ohne Plastik.
Über das Swiss Food Research Netzwerk kam Slava mit dem späteren Co-Founder Massimo Bagnani in Kontakt. Dieser forschte an der ETH Zürich zu Food Nebenströme mit dem Fokus auf Abfallprodukten der Lebensmittelindustrie, wie Kartoffelschalen. In Regionen wie beispielsweise Brandenburg kommt es sogar zu einer noch stärkeren Überproduktion von Kartoffelschalen, die teilweise kostenlos abgegeben werden. Für das neue Team war klar: «Kartoffelschalen gibt es im Überfluss. Die eigentliche Frage ist nicht die Verfügbarkeit, sondern wie man daraus eine funktionierende Lösung macht», so Slava im Interview.
Nachhaltigkeit, die sich integrieren lässt
Bewusst setzt Peelpack auf Kartoffelschalen statt auf alternative Rohstoffe wie Zuckerrohr, da diese in Europa lokal und in grossen Mengen verfügbar sind. Hierbei ist ihr Ziel ein Zwei-Kreislauf-Ansatz: Lebensmittel werden produziert und deren Nebenprodukte werden wiederum als Rohstoff für die Verpackung derselben Produkte verwendet.
Der Herstellungsprozess beginnt mit dem Sammeln der Kartoffelschalen. Diese bestehen zu 80 Prozent aus Wasser. Um Energie zu sparen, arbeitet Peelpack fortlaufend an effizienteren Trocknungsmethoden, wie beispielsweise Mikrowellentechnologie. Die getrockneten Schalen werden anschliessend gemahlen, mit weiteren Materialien vermischt und zu einem polymerähnlichen Granulat verarbeitet. Dieses wird anschliessend extrudiert, zu Folien oder Platten geformt und anschliessend mit Thermoforming durch Hitze zu kartonähnlichen Verpackungen verarbeitet. «Nachhaltige Verpackungen funktionieren nur dann, wenn sie sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lassen», erklärt Slava. Ein Zentraler Vorteil der Lösung hierbei ist, dass die bereits bestehenden Verpackungsmaschinen für den Prozess verwendet werden können.
Vom Pilot zur Skalierung
Erste Material- und Funktionstests im Schweizer Labor fanden bereits statt. Inzwischen hat Peelpack mehr als 20 Versionen getestet und das Material iterativ mit Rückmeldungen weiterentwickelt. Slava erläutert die enge Zusammenarbeit mit dem Zielpublikum: «Man trifft den Markt selten beim ersten Versuch. Entscheidend ist, Feedback von Produzenten und Endkonsumenten ernst zu nehmen und das Produkt Schritt für Schritt zu verbessern.»
Als nächster Schritt in Richtung Produktion werden über 100’000 Verpackungen ausserhalb der Laborumgebung produziert. Neben der Funktion und Haltbarkeit der Produkte berücksichtigt das Team auch das End-of-Life der Verpackung und arbeitet hierfür mit Kompostierbetrieben zusammen. Die Verpackungen sind durch die organischen Materialien atmungsaktiv und verlängern die Haltbarkeit von Beeren beispielsweise um 20 Prozent, was circa zwei Tagen entspricht. So wird zusätzlich Foodwaste verringert.
Kurzfristig will Peelpack Verpackungen in Schweizer Regale bringen. Als nächstes stehen Importländer wie Spanien und Italien im Fokus. Für die Zukunft hat Peelpack grosse Ziele und plant innerhalb der nächsten Jahre in europäische Märkte sowie die Golfregion und US-Staaten zu expandieren und Kreislaufwirtschaft entlang internationaler Lieferketten umzusetzen.


