Heizen mit Bitcoin: Die Idee hinter RY3T

Das Schweizer Startup RY3T verbindet Rechenleistung mit Heiztechnik. Die Idee: Was ohnehin heiss wird, kann man auch sinnvoll nutzen. Und daraus ein Geschäftsmodell bauen.

«Ihr Handy wurde bestimmt schon einmal heiss», sagt Christian Naef, um die Idee hinter dem Startup RY3T zu erklären. «Rechenleistung produziert zwangsläufig Wärme. Das ist ein physikalisches Gesetz.» Genau hier setzt RY3T an. Vor rund drei Jahren lernte Naef seine heutigen Mitgründer kennen. Sie arbeiteten an einer Lösung, die Abwärme aus Rechenleistung für Gewächshäuser nutzte. Naefs Frage war pragmatisch: «Können wir das auch für Ein- und Mehrfamilienhäuser bauen und für Bitcoin Mining einsetzen?» Die Antwort war ja. Kurz darauf wurde RY3T gegründet.

Strom doppelt nutzen

Die Grundidee ist einfach: Beim sogenannten Bitcoin-Mining lösen spezielle Computer komplexe Rechenaufgaben, um Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk zu verarbeiten. Dabei entsteht zwangsläufig Wärme. RY3T nutzt diese Abwärme gezielt zum Heizen. Während herkömmliche Heizsysteme Strom, Öl oder Gas ausschliesslich zur Wärmeerzeugung einsetzen, verbindet RY3T Rechenleistung und Wärmegewinnung in einem System. Je nach Gebäude kann so der gesamte Wärmebedarf gedeckt oder eine bestehende Lösung ergänzt werden. Besonders spannend ist die Kombination mit Photovoltaik. Statt Solarstrom ins Netz einzuspeisen, kann er direkt im Haus genutzt werden: zur Rechenleistung. Die  entstehende Abwärme landet dann im Heizsystem. Einer der ersten Kunden ist Tobias Reichmuth, bekannt als einer der Löwen bei Höhle der Löwen Schweiz.

Tobias Reichmuth (rechts) ist einer der ersten Kunden von RY3T, gegründet von Christian Näf (links).

Vom Prototyp zum marktreifen Produkt

Die Entwicklung des ersten Prototyps von RY3T dauerte rund eineinhalb Jahre. «Wir konnten niemanden fragen, wie man so ein System baut», sagt Naef. Das Team musste Produkt, Hardware und Lieferkette selbst aufbauen. Seit rund einem Jahr ist RY3T im Verkauf und hat bisher etwa 40 Anlagen installiert, von Einfamilienhäusern bis zu landwirtschaftlichen Betrieben. Das Startup zählt heute drei Vollzeitmitarbeitende und arbeitet mit Partnern aus der Heizungs-, Elektro- und Photovoltaikbranche zusammen. Noch ist das Unternehmen nicht profitabel, bereitet aber die nächste Finanzierungsrunde vor und plant die Skalierung

Energie dort nutzen, wo sie entsteht

Kritik am Energieverbrauch von Bitcoin kennt Naef. Seine Sicht ist eine andere: «Viel Energie zu nutzen ist nicht per se schlecht. Entscheidend ist, woher sie kommt und ob wir sie effizient einsetzen.» Die Vision von RY3T ist langfristig grösser gedacht: Statt riesige Rechenzentren fernab von Wohngebieten zu betreiben, könnten in Zukunft viele kleine Systeme direkt in Gebäuden stehen. Dort, wo die entstehende Wärme direkt gebraucht wird.

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Lothar Bazzanella

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Strom doppelt nutzen

Die Grundidee ist einfach: Beim sogenannten Bitcoin-Mining lösen spezielle Computer komplexe Rechenaufgaben, um Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk zu verarbeiten. Dabei entsteht zwangsläufig Wärme. RY3T nutzt diese Abwärme gezielt zum Heizen. Während herkömmliche Heizsysteme Strom, Öl oder Gas ausschliesslich zur Wärmeerzeugung einsetzen, verbindet RY3T Rechenleistung und Wärmegewinnung in einem System. Je nach Gebäude kann so der gesamte Wärmebedarf gedeckt oder eine bestehende Lösung ergänzt werden. Besonders spannend ist die Kombination mit Photovoltaik. Statt Solarstrom ins Netz einzuspeisen, kann er direkt im Haus genutzt werden: zur Rechenleistung. Die  entstehende Abwärme landet dann im Heizsystem. Einer der ersten Kunden ist Tobias Reichmuth, bekannt als einer der Löwen bei Höhle der Löwen Schweiz.

Tobias Reichmuth (rechts) ist einer der ersten Kunden von RY3T, gegründet von Christian Näf (links).

Vom Prototyp zum marktreifen Produkt

Die Entwicklung des ersten Prototyps von RY3T dauerte rund eineinhalb Jahre. «Wir konnten niemanden fragen, wie man so ein System baut», sagt Naef. Das Team musste Produkt, Hardware und Lieferkette selbst aufbauen. Seit rund einem Jahr ist RY3T im Verkauf und hat bisher etwa 40 Anlagen installiert, von Einfamilienhäusern bis zu landwirtschaftlichen Betrieben. Das Startup zählt heute drei Vollzeitmitarbeitende und arbeitet mit Partnern aus der Heizungs-, Elektro- und Photovoltaikbranche zusammen. Noch ist das Unternehmen nicht profitabel, bereitet aber die nächste Finanzierungsrunde vor und plant die Skalierung

Energie dort nutzen, wo sie entsteht

Kritik am Energieverbrauch von Bitcoin kennt Naef. Seine Sicht ist eine andere: «Viel Energie zu nutzen ist nicht per se schlecht. Entscheidend ist, woher sie kommt und ob wir sie effizient einsetzen.» Die Vision von RY3T ist langfristig grösser gedacht: Statt riesige Rechenzentren fernab von Wohngebieten zu betreiben, könnten in Zukunft viele kleine Systeme direkt in Gebäuden stehen. Dort, wo die entstehende Wärme direkt gebraucht wird.

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