«Wir erkennen, was passiert, bevor es passiert»

Stürze und andere vermeidbare Zwischenfälle gehören zu den häufigsten Risiken im Pflegealltag. Oft werden sie erst bemerkt, wenn es bereits zu spät ist. QUMEA will genau diesen Moment nach vorne verschieben und aus Reaktion frühzeitige Erkennung machen.

Die Gründer kommen alle aus der Sensorik und haben sich über Jahre mit optischen und radarbasierten Technologien beschäftigt. Zwei von ihnen waren am Aufbau des Schweizer Startups Xovis beteiligt, ein weiterer gründete ein Unternehmen im Bereich der Radarsensorik.

Der Auslöser für QUMEA kam jedoch aus der Praxis. In Gesprächen mit Ärzten wurde deutlich, wie schwierig es ist, Patientinnen und Patienten mit Delirium zuverlässig zu monitoren. Bestehende Lösungen haben klare Grenzen. Kameras sind aus Datenschutzsicht problematisch und können das Gefühl der Überwachung verstärken. Wearables werden oft nicht getragen. Und klassische Sensoren reagieren meist zu spät, und damit erst dann, wenn bereits etwas passiert ist. Daraus entstand die Idee, eine Lösung zu entwickeln, die kontinuierlich Informationen liefert, ohne in die Privatsphäre einzugreifen.

Was vor einem Ereignis passiert

Ein Sturz selbst ist oft nur die tragische Konsequenz. Relevanter sind Vorboten und Auslöser, also oft das, was davor passiert. Bewegungsmuster verändern sich schleichend. Unruhe nimmt zu, Patientinnen und Patienten versuchen aufzustehen, ohne dass es jemand rechtzeitig bemerkt.

QUMEA setzt genau dort an. Das System erkennt kleinste Bewegungen und deren Veränderungen im Zeitverlauf. Bestimmte Muster treten vor kritischen Situationen zuverlässig auf. So wird aus einer reinen Reaktion eine Form der Vorhersage.

Warum bestehende Lösungen nicht ausreichen

In Gesprächen mit Pflegepersonal fiel immer wieder derselbe Satz: Man erfährt erst von einem Vorfall, wenn er bereits passiert ist. Viele Systeme sind zu spät. Die Sensormatten lösen erst aus, wenn jemand bereits aufsteht. Wearables werden vergessen oder abgelegt. Kameras sind in den meisten Fällen keine Option.

Was fehlt, ist eine Lösung, die kontinuierlich hochpräzise arbeitet und zugleich die Privatsphäre wahrt. Genau daraus entstand der Ansatz von QUMEA.

Wie das System funktioniert

QUMEA nutzt einen Radarsensor, der an der Decke installiert wird. Dieser erfasst Bewegungen im Raum und übersetzt sie mithilfe von Algorithmen in Bewegungsmuster, die z.B. Liegen, Sitzen, Gehen oder Aufstehen, aber auch Schlafmuster und Atmung erkennen. Wichtig ist dabei: Es werden weder Bilder noch identifizierbare Personendaten erfasst noch verarbeitet. Das System arbeitet ausschliesslich mit inhärent anonymen Bewegungsmustern.

Der Unterschied zu klassischen Lösungen liegt in der Logik. Es geht nicht nur darum, Ereignisse zu melden, sondern auch darum, Entwicklungen sichtbar zu machen und Pflegepersonal frühzeitig auf Risikosituationen aufmerksam zu machen.

Warum Radar statt Kameras oder Wearables

Wearables funktionieren nur, wenn sie getragen werden. Gerade bei Patientinnen und Patienten mit kognitiven Einschränkungen ist das oft nicht der Fall.

Kameras wiederum erzeugen Bilddaten, was in vielen Einrichtungen aus rechtlichen und ethischen Gründen problematisch ist. Zudem kann das Gefühl, beobachtet zu werden, den Zustand von Patientinnen und Patienten verschlechtern.

Radar funktioniert anders. Es ist kontaktlos, unabhängig von den Lichtverhältnissen und liefert keine personenbezogenen Daten – die Daten sind von Grund auf anonym. Gleichzeitig lassen sich sehr feine Bewegungen erfassen, die wichtige Hinweise auf den Zustand liefern.

Geschäftsmodell und Entscheidungsprozesse

Das Geschäftsmodell besteht aus zwei Teilen. Die Sensoren werden einmalig verkauft. Zusätzlich gibt es eine Softwarelösung, die pro monitoriertem Bett abgerechnet wird. Die Entscheidung ist im Spital selten zentralisiert. Pflegeleitung, IT und Geschäftsführung sind meist gemeinsam involviert. Der Impuls kommt häufig aus der Pflege, weil dort der Nutzen unmittelbar sichtbar ist. Die finale Freigabe erfolgt in der Regel auf Managementebene.

Abgrenzung zu bestehenden Lösungen

Ein zentraler Punkt ist der Datenschutz. QUMEA wurde von Anfang an so entwickelt, dass keine personenbezogenen Daten entstehen. Gleichzeitig geht das System über die einfache Ereigniserkennung hinaus. Es liefert kontinuierliche hochpräzise Informationen und macht Veränderungen sichtbar, die sonst unbemerkt bleiben würden. 

Ein weiterer Unterschied liegt in der Nähe zur Praxis. Die Entwicklung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Spitäler und Pflegeeinrichtungen. Das System ist darauf ausgelegt, im anspruchsvollen Pflegealltag zu funktionieren und nicht nur technisch zu überzeugen.

Erfahrungen aus den ersten Einsätzen

Ein zentraler Punkt war die Erkenntnis, dass Gesundheitstechnologie anders funktioniert als klassische Software. Prozesse sind langsamer, Vertrauen muss aufgebaut werden und viele Anspruchsgruppen sind involviert. Entscheidend ist, dass die Lösung tatsächlich im Alltag unterstützt wird und der Nutzen evident ist. Pflegepersonal braucht keine zusätzlichen Tools, sondern klare, hilfreiche Informationen im richtigen Moment.

Weniger, aber präzisere Hinweise sind oft wertvoller als viele Signale. Genau daran wurde das System kontinuierlich angepasst.

Die Rolle der Schweiz als Standort

Die Schweiz bietet ein starkes Umfeld für MedTech, insbesondere durch die Nähe zu den zahlreichen Spitälern und Forschungseinrichtungen. Programme wie Innosuisse oder Initiativen rund um das Swiss Economic Forum haben in der frühen Phase unterstützt.

Gleichzeitig gibt es Herausforderungen, insbesondere bei der Finanzierung klinischer Studien. Gerade dieser Schritt ist entscheidend, um die Wirksamkeit nachzuweisen, ist aber für Startups oft schwer zugänglich.

Ein Blick auf die zukünftige Entwicklung

Langfristig geht es darum, die Pflege stärker datenbasiert zu gestalten. Bewegungsdaten können früh Hinweise auf Veränderungen des Zustands geben, lange bevor Symptome sichtbar werden. Das Ziel ist, Entscheidungen nicht mehr nur auf Momentaufnahmen zu stützen, sondern auf kontinuierliche Informationen.

Wenn das gelingt, könnten viele kritische Situationen verhindert werden, bevor sie überhaupt entstehen. Gleichzeitig bleibt mehr Zeit für das, was nicht ersetzbar ist: die direkte Betreuung von Patientinnen und Patienten.

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Niwes Willner
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Stürze und andere vermeidbare Zwischenfälle gehören zu den häufigsten Risiken im Pflegealltag. Oft werden sie erst bemerkt, wenn es bereits zu spät ist. QUMEA will genau diesen Moment nach vorne verschieben und aus Reaktion frühzeitige Erkennung machen.

Die Gründer kommen alle aus der Sensorik und haben sich über Jahre mit optischen und radarbasierten Technologien beschäftigt. Zwei von ihnen waren am Aufbau des Schweizer Startups Xovis beteiligt, ein weiterer gründete ein Unternehmen im Bereich der Radarsensorik.

Der Auslöser für QUMEA kam jedoch aus der Praxis. In Gesprächen mit Ärzten wurde deutlich, wie schwierig es ist, Patientinnen und Patienten mit Delirium zuverlässig zu monitoren. Bestehende Lösungen haben klare Grenzen. Kameras sind aus Datenschutzsicht problematisch und können das Gefühl der Überwachung verstärken. Wearables werden oft nicht getragen. Und klassische Sensoren reagieren meist zu spät, und damit erst dann, wenn bereits etwas passiert ist. Daraus entstand die Idee, eine Lösung zu entwickeln, die kontinuierlich Informationen liefert, ohne in die Privatsphäre einzugreifen.

Was vor einem Ereignis passiert

Ein Sturz selbst ist oft nur die tragische Konsequenz. Relevanter sind Vorboten und Auslöser, also oft das, was davor passiert. Bewegungsmuster verändern sich schleichend. Unruhe nimmt zu, Patientinnen und Patienten versuchen aufzustehen, ohne dass es jemand rechtzeitig bemerkt.

QUMEA setzt genau dort an. Das System erkennt kleinste Bewegungen und deren Veränderungen im Zeitverlauf. Bestimmte Muster treten vor kritischen Situationen zuverlässig auf. So wird aus einer reinen Reaktion eine Form der Vorhersage.

Warum bestehende Lösungen nicht ausreichen

In Gesprächen mit Pflegepersonal fiel immer wieder derselbe Satz: Man erfährt erst von einem Vorfall, wenn er bereits passiert ist. Viele Systeme sind zu spät. Die Sensormatten lösen erst aus, wenn jemand bereits aufsteht. Wearables werden vergessen oder abgelegt. Kameras sind in den meisten Fällen keine Option.

Was fehlt, ist eine Lösung, die kontinuierlich hochpräzise arbeitet und zugleich die Privatsphäre wahrt. Genau daraus entstand der Ansatz von QUMEA.

Wie das System funktioniert

QUMEA nutzt einen Radarsensor, der an der Decke installiert wird. Dieser erfasst Bewegungen im Raum und übersetzt sie mithilfe von Algorithmen in Bewegungsmuster, die z.B. Liegen, Sitzen, Gehen oder Aufstehen, aber auch Schlafmuster und Atmung erkennen. Wichtig ist dabei: Es werden weder Bilder noch identifizierbare Personendaten erfasst noch verarbeitet. Das System arbeitet ausschliesslich mit inhärent anonymen Bewegungsmustern.

Der Unterschied zu klassischen Lösungen liegt in der Logik. Es geht nicht nur darum, Ereignisse zu melden, sondern auch darum, Entwicklungen sichtbar zu machen und Pflegepersonal frühzeitig auf Risikosituationen aufmerksam zu machen.

Warum Radar statt Kameras oder Wearables

Wearables funktionieren nur, wenn sie getragen werden. Gerade bei Patientinnen und Patienten mit kognitiven Einschränkungen ist das oft nicht der Fall.

Kameras wiederum erzeugen Bilddaten, was in vielen Einrichtungen aus rechtlichen und ethischen Gründen problematisch ist. Zudem kann das Gefühl, beobachtet zu werden, den Zustand von Patientinnen und Patienten verschlechtern.

Radar funktioniert anders. Es ist kontaktlos, unabhängig von den Lichtverhältnissen und liefert keine personenbezogenen Daten – die Daten sind von Grund auf anonym. Gleichzeitig lassen sich sehr feine Bewegungen erfassen, die wichtige Hinweise auf den Zustand liefern.

Geschäftsmodell und Entscheidungsprozesse

Das Geschäftsmodell besteht aus zwei Teilen. Die Sensoren werden einmalig verkauft. Zusätzlich gibt es eine Softwarelösung, die pro monitoriertem Bett abgerechnet wird. Die Entscheidung ist im Spital selten zentralisiert. Pflegeleitung, IT und Geschäftsführung sind meist gemeinsam involviert. Der Impuls kommt häufig aus der Pflege, weil dort der Nutzen unmittelbar sichtbar ist. Die finale Freigabe erfolgt in der Regel auf Managementebene.

Abgrenzung zu bestehenden Lösungen

Ein zentraler Punkt ist der Datenschutz. QUMEA wurde von Anfang an so entwickelt, dass keine personenbezogenen Daten entstehen. Gleichzeitig geht das System über die einfache Ereigniserkennung hinaus. Es liefert kontinuierliche hochpräzise Informationen und macht Veränderungen sichtbar, die sonst unbemerkt bleiben würden. 

Ein weiterer Unterschied liegt in der Nähe zur Praxis. Die Entwicklung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Spitäler und Pflegeeinrichtungen. Das System ist darauf ausgelegt, im anspruchsvollen Pflegealltag zu funktionieren und nicht nur technisch zu überzeugen.

Erfahrungen aus den ersten Einsätzen

Ein zentraler Punkt war die Erkenntnis, dass Gesundheitstechnologie anders funktioniert als klassische Software. Prozesse sind langsamer, Vertrauen muss aufgebaut werden und viele Anspruchsgruppen sind involviert. Entscheidend ist, dass die Lösung tatsächlich im Alltag unterstützt wird und der Nutzen evident ist. Pflegepersonal braucht keine zusätzlichen Tools, sondern klare, hilfreiche Informationen im richtigen Moment.

Weniger, aber präzisere Hinweise sind oft wertvoller als viele Signale. Genau daran wurde das System kontinuierlich angepasst.

Die Rolle der Schweiz als Standort

Die Schweiz bietet ein starkes Umfeld für MedTech, insbesondere durch die Nähe zu den zahlreichen Spitälern und Forschungseinrichtungen. Programme wie Innosuisse oder Initiativen rund um das Swiss Economic Forum haben in der frühen Phase unterstützt.

Gleichzeitig gibt es Herausforderungen, insbesondere bei der Finanzierung klinischer Studien. Gerade dieser Schritt ist entscheidend, um die Wirksamkeit nachzuweisen, ist aber für Startups oft schwer zugänglich.

Ein Blick auf die zukünftige Entwicklung

Langfristig geht es darum, die Pflege stärker datenbasiert zu gestalten. Bewegungsdaten können früh Hinweise auf Veränderungen des Zustands geben, lange bevor Symptome sichtbar werden. Das Ziel ist, Entscheidungen nicht mehr nur auf Momentaufnahmen zu stützen, sondern auf kontinuierliche Informationen.

Wenn das gelingt, könnten viele kritische Situationen verhindert werden, bevor sie überhaupt entstehen. Gleichzeitig bleibt mehr Zeit für das, was nicht ersetzbar ist: die direkte Betreuung von Patientinnen und Patienten.

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