Bei Lawinen und Erdbeben entscheiden Minuten über Leben und Tod. Das Schweizer Startup RAROG macht Alltagsgeräte wie Smartphones und Uhren zu Rettungsbaken. Erste Pilotprojekte mit Bergrettungsteams laufen bereits.
Zwei Tage vor Weihnachten 2024 geraten zwei Alpinisten in den Julischen Alpen in einen Schneesturm. Sie riefen um Hilfe, doch die Ortung ihrer Mobiltelefone war zu ungenau, um sie zu finden. Erst am nächsten Morgen konnte ein Helikopter fliegen. Eine der beiden Personen überlebt die eisige Nacht, die andere wird Tage später tot geborgen.
Solche Fälle sind keine Ausnahme. Beim Erdbeben in der Türkei und in Syrien 2023 trugen viele Verschüttete ihre Smartphones bei sich. Einzelne konnten sich über verbliebene WLAN-Netze per WhatsApp melden. Viele andere hatten dieses Glück nicht. Rund 50’000 Menschen kamen ums Leben, eingeschlossen unter Trümmern in der Winterkälte.
Die drei Gründer von RAROG kennen das Problem aus nächster Nähe. Ein heutiger Kollege wurde in Norwegen von einer Lawine verschüttet. Er konnte unter dem Schnee sogar telefonieren, doch weder Mobilfunk noch Satellitenortung waren genau genug, um seine Position zu bestimmen. Mehr als sieben Stunden vergingen, bis der Wind so weit nachliess, dass ein Lawinenhund ihn erschnüffeln konnte. Er überlebte.
Das Gerät am Handgelenk wird zum Notsignal
Hier setzt RAROG an. Die Technologie des Startups erlaubt es Rettungskräften, Menschen über jene Geräte zu orten, die sie ohnehin bei sich tragen. Eine Garmin-Uhr, ein iPhone oder ein medizinisches Gerät wie ein Glukosesensor wird so zur Rettungsbake. Die Verschütteten müssen dafür nichts tun. Kein Zusatzgerät, kein Knopfdruck, keine App. Das System funktioniert, selbst wenn die betroffene Person bewusstlos ist.

RAROG-Detektor
Damit unterscheidet sich der Ansatz deutlich von herkömmlichen Methoden. Wärmebildkameras sehen nicht durch Schnee, Wände oder Vegetation. Mikrofone helfen fast nur bei eingestürzten Gebäuden. Lawinenhunde leisten unverzichtbares, stossen bei Wind aber an Grenzen und lassen sich kaum skalieren, weil ihre Einsatzmöglichkeiten begrenzt sind und sie täglich Pflege und Ruhe brauchen. Selbst entwickelte Länder verfügen über zu wenige Rettungshunde. Die Ortung von Mobiltelefonen über die Netzbetreiber wiederum erfordert in jedem Einzelfall eine rechtliche Bewilligung, was wertvolle Zeit kostet und die Zahl der nutzbaren Geräte stark einschränkt.
Getestet am Berg
Derzeit konzentriert sich RAROG auf die Bergrettung. Sie liefert das ganze Jahr über Einsätze und ein hartes Testfeld. Die Detektoren müssen Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt aushalten, Stösse an Felswänden und Stürze in den Schnee wegstecken. Mehrere Pilotprojekte mit Bergrettungsteams laufen bereits, die
Kommerzialisierung ist auf Ende Jahr geplant. Interesse kommt auch aus dem Zivilschutz und von Strafverfolgungsbehörden.
Neben den Rettungsorganisationen arbeitet das Startup mit Forschungsinstituten zusammen, um die Technologie schnell weiterzuentwickeln. Die grösste Hürde ist ausgerechnet die Zeit. Die Kunden sitzen an abgelegenen Orten und schätzen persönliche Präsenz mehr als Videokonferenzen. Das Team verbringt darum viele Stunden unterwegs, im ständigen Spagat zwischen Feldarbeit und Labor.
Drei Ingenieure mit Haut im Spiel

Gründerteam (von links): Alexander Marinšek, Uroš Hudomalj und Marko Hudomalj
Hinter RAROG stehen drei Elektroingenieure mit Doktortiteln, spezialisiert auf drahtlose Systeme, eingebettete Systeme und Mechatronik. Alle drei stammen aus Slowenien, ihre Studien führten sie quer durch Europa, für RAROG fanden sie in der Schweiz wieder zusammen. Ihre Forschungserfahrung in der Unterhaltungselektronik bildet die technische Basis des Produkts. Ebenso wichtig ist die Nähe zur Branche. Im Team gibt es Feuerwehrerfahrung, und die Gründer begleiten Retter ins Lawinengelände oder an Übungen, auch sonntagmorgens. Diese Präsenz öffnet Türen in einem Sektor, der von aussen traditionell wirkt, tatsächlich aber nach neuen Lösungen sucht.
Unterstützung erhielt das Startup vom Schweizer Ökosystem, etwa vom ETH-Accelerator UPortunity und vom Impact Catalyst. Zudem hat RAROG alle drei Stufen des Förderwettbewerbs Venture Kick gewonnen.

In zehn Jahren soll jede Rettungsstation über RAROG verfügen, von der Bergrettung bis zur Küstenwache. Wer schneller gefunden wird, hat bessere Überlebenschancen. Und wer schneller findet, bringt sich selbst weniger lange in Gefahr, sei es im Lawinenhang vor dem zweiten Abgang oder im brennenden Gebäude kurz vor dem Flashover, der schlagartigen Ausbreitung des Feuers.
Die zwei Alpinisten in den Julischen Alpen hatten ihre Telefone dabei. Was fehlte, war eine Möglichkeit, diese Geräte präzise zu orten. Dafür existiert RAROG.
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“23 Questions mit…”
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23 Questions mit Scewo.
Bei Lawinen und Erdbeben entscheiden Minuten über Leben und Tod. Das Schweizer Startup RAROG macht Alltagsgeräte wie Smartphones und Uhren zu Rettungsbaken. Erste Pilotprojekte mit Bergrettungsteams laufen bereits.
Zwei Tage vor Weihnachten 2024 geraten zwei Alpinisten in den Julischen Alpen in einen Schneesturm. Sie riefen um Hilfe, doch die Ortung ihrer Mobiltelefone war zu ungenau, um sie zu finden. Erst am nächsten Morgen konnte ein Helikopter fliegen. Eine der beiden Personen überlebt die eisige Nacht, die andere wird Tage später tot geborgen.
Solche Fälle sind keine Ausnahme. Beim Erdbeben in der Türkei und in Syrien 2023 trugen viele Verschüttete ihre Smartphones bei sich. Einzelne konnten sich über verbliebene WLAN-Netze per WhatsApp melden. Viele andere hatten dieses Glück nicht. Rund 50’000 Menschen kamen ums Leben, eingeschlossen unter Trümmern in der Winterkälte.
Die drei Gründer von RAROG kennen das Problem aus nächster Nähe. Ein heutiger Kollege wurde in Norwegen von einer Lawine verschüttet. Er konnte unter dem Schnee sogar telefonieren, doch weder Mobilfunk noch Satellitenortung waren genau genug, um seine Position zu bestimmen. Mehr als sieben Stunden vergingen, bis der Wind so weit nachliess, dass ein Lawinenhund ihn erschnüffeln konnte. Er überlebte.
Das Gerät am Handgelenk wird zum Notsignal
Hier setzt RAROG an. Die Technologie des Startups erlaubt es Rettungskräften, Menschen über jene Geräte zu orten, die sie ohnehin bei sich tragen. Eine Garmin-Uhr, ein iPhone oder ein medizinisches Gerät wie ein Glukosesensor wird so zur Rettungsbake. Die Verschütteten müssen dafür nichts tun. Kein Zusatzgerät, kein Knopfdruck, keine App. Das System funktioniert, selbst wenn die betroffene Person bewusstlos ist.

RAROG-Detektor
Damit unterscheidet sich der Ansatz deutlich von herkömmlichen Methoden. Wärmebildkameras sehen nicht durch Schnee, Wände oder Vegetation. Mikrofone helfen fast nur bei eingestürzten Gebäuden. Lawinenhunde leisten unverzichtbares, stossen bei Wind aber an Grenzen und lassen sich kaum skalieren, weil ihre Einsatzmöglichkeiten begrenzt sind und sie täglich Pflege und Ruhe brauchen. Selbst entwickelte Länder verfügen über zu wenige Rettungshunde. Die Ortung von Mobiltelefonen über die Netzbetreiber wiederum erfordert in jedem Einzelfall eine rechtliche Bewilligung, was wertvolle Zeit kostet und die Zahl der nutzbaren Geräte stark einschränkt.
Getestet am Berg
Derzeit konzentriert sich RAROG auf die Bergrettung. Sie liefert das ganze Jahr über Einsätze und ein hartes Testfeld. Die Detektoren müssen Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt aushalten, Stösse an Felswänden und Stürze in den Schnee wegstecken. Mehrere Pilotprojekte mit Bergrettungsteams laufen bereits, die
Kommerzialisierung ist auf Ende Jahr geplant. Interesse kommt auch aus dem Zivilschutz und von Strafverfolgungsbehörden.
Neben den Rettungsorganisationen arbeitet das Startup mit Forschungsinstituten zusammen, um die Technologie schnell weiterzuentwickeln. Die grösste Hürde ist ausgerechnet die Zeit. Die Kunden sitzen an abgelegenen Orten und schätzen persönliche Präsenz mehr als Videokonferenzen. Das Team verbringt darum viele Stunden unterwegs, im ständigen Spagat zwischen Feldarbeit und Labor.
Drei Ingenieure mit Haut im Spiel

Gründerteam (von links): Alexander Marinšek, Uroš Hudomalj und Marko Hudomalj
Hinter RAROG stehen drei Elektroingenieure mit Doktortiteln, spezialisiert auf drahtlose Systeme, eingebettete Systeme und Mechatronik. Alle drei stammen aus Slowenien, ihre Studien führten sie quer durch Europa, für RAROG fanden sie in der Schweiz wieder zusammen. Ihre Forschungserfahrung in der Unterhaltungselektronik bildet die technische Basis des Produkts. Ebenso wichtig ist die Nähe zur Branche. Im Team gibt es Feuerwehrerfahrung, und die Gründer begleiten Retter ins Lawinengelände oder an Übungen, auch sonntagmorgens. Diese Präsenz öffnet Türen in einem Sektor, der von aussen traditionell wirkt, tatsächlich aber nach neuen Lösungen sucht.
Unterstützung erhielt das Startup vom Schweizer Ökosystem, etwa vom ETH-Accelerator UPortunity und vom Impact Catalyst. Zudem hat RAROG alle drei Stufen des Förderwettbewerbs Venture Kick gewonnen.

In zehn Jahren soll jede Rettungsstation über RAROG verfügen, von der Bergrettung bis zur Küstenwache. Wer schneller gefunden wird, hat bessere Überlebenschancen. Und wer schneller findet, bringt sich selbst weniger lange in Gefahr, sei es im Lawinenhang vor dem zweiten Abgang oder im brennenden Gebäude kurz vor dem Flashover, der schlagartigen Ausbreitung des Feuers.
Die zwei Alpinisten in den Julischen Alpen hatten ihre Telefone dabei. Was fehlte, war eine Möglichkeit, diese Geräte präzise zu orten. Dafür existiert RAROG.




