Europa spricht über Innovation – doch ein grosser Teil des Potenzials bleibt unfinanziert. Während andere Regionen gezielt auf Diversität als Wachstumstreiber setzen, erhalten weibliche Co-Founder in Europa nach wie vor deutlich weniger Venture-Capital-Funding. Die Folge: Europa verliert nicht nur Talente, sondern auch an globaler Wettbewerbsfähigkeit. Aktuelle Daten und Stimmen aus der VC-Branche zeigen, wie tief das strukturelle Problem reicht – insbesondere in Zentral- und Osteuropa.
Eine jüngste Klage gegen Insight Partners, eine der weltweit führenden Venture-Capital-Gesellschaften, hat die Debatte neu entfacht. Eine ehemalige Präsidentin des Fonds wirft dem Unternehmen geschlechtsspezifische Diskriminierung und weiteres Fehlverhalten am Arbeitsplatz vor. Der Fall steht exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen Frauen in der Investmentwelt und anderen männlich dominierten Branchen weiterhin konfrontiert sind.
Doch das Problem ist kein Einzelfall – und kein rein amerikanisches. Auch in Europa bleibt der Zugang zu Venture Capital für Gründerinnen deutlich eingeschränkt. Investoren warnen, dass der Kontinent beim Thema Diversität im VC-Funding international zunehmend ins Hintertreffen gerät.
PitchBook-Daten zeigen: Der Rückschritt ist messbar
Aktuelle Zahlen von PitchBook unterstreichen diese Entwicklung. Europäische Unternehmen, die von Frauen gegründet oder mitgegründet wurden, haben zuletzt einen kleineren Anteil am gesamten VC-Dealvolumen erhalten als in den Jahren zuvor. Der Trend ist besonders alarmierend, da er nicht auf einzelne Länder beschränkt ist.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückstand in Zentral- und Osteuropa (CEE). Seit 2008 haben von Frauen gegründete Startups in Europa insgesamt 8,8 Milliarden Euro über 5’933 Deals eingesammelt – basierend auf dem Sitz der Unternehmen. In Ländern wie Serbien, Lettland, Kroatien, Slowenien oder der Ukraine gab es jedoch nur sehr wenige öffentlich angekündigte VC-Investments in weiblich geführte Startups.
Selbst wenn man Unternehmen betrachtet, bei denen mindestens eine Frau zum Gründerteam gehört, bleibt das Bild ernüchternd. Auch hier liegen CEE-Staaten deutlich hinter westeuropäischen und skandinavischen Ländern zurück. Laut Daiva Rakauskaitė, Managerin bei Aneli Capital, einer Fondsmanagementgesellschaft mit Fokus auf CEE-Startups, liegt ein zentraler Grund in der geringen Anzahl von Gründerinnen in der Region.
Männernetzwerke, konservative Investoren – und verpasste Chancen
«Venture Capital ist nach wie vor eine stark beziehungsgetriebene und männlich dominierte Branche», erklärt Rakauskaitė. «Deals bleiben häufig innerhalb bestehender Männernetzwerke. In Zentral- und Osteuropa sind viele Investoren zudem konservativer, und es gibt weniger Gründerinnen – das begrenzt automatisch die Investitionsmöglichkeiten.»
Dabei sei das wirtschaftliche Potenzial enorm. «Frauen sollten sich mutiger in Sektoren wagen, die traditionell im Fokus von VCs stehen. Studien zeigen klar, dass diverse Teams mehr Wert schaffen. Wenn Investoren das ernst nehmen, könnten sie deutlich mehr Unicorns hervorbringen als bisher.»
Die Zahlen sprechen für Diversität
Dass Diversität kein „Nice-to-have“, sondern ein messbarer Erfolgsfaktor ist, belegen zahlreiche Studien. Eine Analyse der Harvard Business School zeigt, dass VC-Firmen mit zehn Prozent mehr weiblichen Investment-Entscheiderinnen erfolgreichere Portfolioinvestitionen tätigen und um 9,7 Prozent profitablere Exits erzielen, so der Milken Institute Report. Auch auf Unternehmensebene zahlt sich Vielfalt aus: Laut einer Studie von Grant Thornton führen Diversitätsstrategien zu einer stärkeren Unternehmenskultur und höherer Innovationskraft.
Qualität vor Quote – aber ohne Ausreden
Rakauskaitė betont, dass sowohl Investoren als auch Startups in Zentral- und Osteuropa erheblich von diversitätsfreundlichen Investmentstrategien profitieren könnten. Gleichzeitig warnt sie vor einem zu engen Fokus auf reine Geschlechterquoten. «Entscheidend sind Qualität, Werte und Leistungsfähigkeit der Teams», sagt sie. «Gründerinnen und Gründer müssen Ergebnisse liefern und zeigen, dass Talent unabhängig vom Geschlecht zählt. Nicht das Geschlecht sollte über Chancen entscheiden, sondern Vision, Teamstärke und Umsetzungskraft.»
Das Problem beginnt früher als gedacht
Der Blick über die VC-Branche hinaus zeigt, dass die Ungleichheit strukturell verankert ist. Laut dem aktuellen McKinsey-Report sind Frauen bereits im elften Jahr in Folge unterrepräsentiert – besonders in Führungspositionen, wo sie nur 29 Prozent der C-Level-Rollen besetzen.
Die Benachteiligung beginnt häufig schon auf Einstiegsebene. Während 33 Prozent der männlichen Berufseinsteiger von ihren Vorgesetzten ermutigt werden, mit Künstlicher Intelligenz zu arbeiten, sind es bei Frauen lediglich 21 Prozent. Entsprechend glauben nur 37 Prozent der Frauen auf Entry-Level, dass KI ihre Karrierechancen verbessert – im Vergleich zu 60 Prozent aller Beschäftigten.
Führungskräfte als entscheidender Hebel
Für Rakauskaitė ist klar: Die Zukunft von Diversität entscheidet sich vor allem auf Führungsebene. «Manager tragen eine enorme Verantwortung für die Entwicklung ihrer Teams – egal ob im Venture Capital, im Investmentbereich oder in Unternehmen allgemein», sagt sie. «Wenn wir Richtung 2026 blicken, reicht es nicht mehr, den Status quo nur zu hinterfragen. Wir müssen aktiv Umfelder schaffen, in denen Talente unabhängig vom Geschlecht erkannt, gefördert und weiterentwickelt werden. Genau daraus entsteht nachhaltiger Mehrwert.»
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Europa spricht über Innovation – doch ein grosser Teil des Potenzials bleibt unfinanziert. Während andere Regionen gezielt auf Diversität als Wachstumstreiber setzen, erhalten weibliche Co-Founder in Europa nach wie vor deutlich weniger Venture-Capital-Funding. Die Folge: Europa verliert nicht nur Talente, sondern auch an globaler Wettbewerbsfähigkeit. Aktuelle Daten und Stimmen aus der VC-Branche zeigen, wie tief das strukturelle Problem reicht – insbesondere in Zentral- und Osteuropa.
Eine jüngste Klage gegen Insight Partners, eine der weltweit führenden Venture-Capital-Gesellschaften, hat die Debatte neu entfacht. Eine ehemalige Präsidentin des Fonds wirft dem Unternehmen geschlechtsspezifische Diskriminierung und weiteres Fehlverhalten am Arbeitsplatz vor. Der Fall steht exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen Frauen in der Investmentwelt und anderen männlich dominierten Branchen weiterhin konfrontiert sind.
Doch das Problem ist kein Einzelfall – und kein rein amerikanisches. Auch in Europa bleibt der Zugang zu Venture Capital für Gründerinnen deutlich eingeschränkt. Investoren warnen, dass der Kontinent beim Thema Diversität im VC-Funding international zunehmend ins Hintertreffen gerät.
PitchBook-Daten zeigen: Der Rückschritt ist messbar
Aktuelle Zahlen von PitchBook unterstreichen diese Entwicklung. Europäische Unternehmen, die von Frauen gegründet oder mitgegründet wurden, haben zuletzt einen kleineren Anteil am gesamten VC-Dealvolumen erhalten als in den Jahren zuvor. Der Trend ist besonders alarmierend, da er nicht auf einzelne Länder beschränkt ist.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückstand in Zentral- und Osteuropa (CEE). Seit 2008 haben von Frauen gegründete Startups in Europa insgesamt 8,8 Milliarden Euro über 5’933 Deals eingesammelt – basierend auf dem Sitz der Unternehmen. In Ländern wie Serbien, Lettland, Kroatien, Slowenien oder der Ukraine gab es jedoch nur sehr wenige öffentlich angekündigte VC-Investments in weiblich geführte Startups.
Selbst wenn man Unternehmen betrachtet, bei denen mindestens eine Frau zum Gründerteam gehört, bleibt das Bild ernüchternd. Auch hier liegen CEE-Staaten deutlich hinter westeuropäischen und skandinavischen Ländern zurück. Laut Daiva Rakauskaitė, Managerin bei Aneli Capital, einer Fondsmanagementgesellschaft mit Fokus auf CEE-Startups, liegt ein zentraler Grund in der geringen Anzahl von Gründerinnen in der Region.
Männernetzwerke, konservative Investoren – und verpasste Chancen
«Venture Capital ist nach wie vor eine stark beziehungsgetriebene und männlich dominierte Branche», erklärt Rakauskaitė. «Deals bleiben häufig innerhalb bestehender Männernetzwerke. In Zentral- und Osteuropa sind viele Investoren zudem konservativer, und es gibt weniger Gründerinnen – das begrenzt automatisch die Investitionsmöglichkeiten.»
Dabei sei das wirtschaftliche Potenzial enorm. «Frauen sollten sich mutiger in Sektoren wagen, die traditionell im Fokus von VCs stehen. Studien zeigen klar, dass diverse Teams mehr Wert schaffen. Wenn Investoren das ernst nehmen, könnten sie deutlich mehr Unicorns hervorbringen als bisher.»
Die Zahlen sprechen für Diversität
Dass Diversität kein „Nice-to-have“, sondern ein messbarer Erfolgsfaktor ist, belegen zahlreiche Studien. Eine Analyse der Harvard Business School zeigt, dass VC-Firmen mit zehn Prozent mehr weiblichen Investment-Entscheiderinnen erfolgreichere Portfolioinvestitionen tätigen und um 9,7 Prozent profitablere Exits erzielen, so der Milken Institute Report. Auch auf Unternehmensebene zahlt sich Vielfalt aus: Laut einer Studie von Grant Thornton führen Diversitätsstrategien zu einer stärkeren Unternehmenskultur und höherer Innovationskraft.
Qualität vor Quote – aber ohne Ausreden
Rakauskaitė betont, dass sowohl Investoren als auch Startups in Zentral- und Osteuropa erheblich von diversitätsfreundlichen Investmentstrategien profitieren könnten. Gleichzeitig warnt sie vor einem zu engen Fokus auf reine Geschlechterquoten. «Entscheidend sind Qualität, Werte und Leistungsfähigkeit der Teams», sagt sie. «Gründerinnen und Gründer müssen Ergebnisse liefern und zeigen, dass Talent unabhängig vom Geschlecht zählt. Nicht das Geschlecht sollte über Chancen entscheiden, sondern Vision, Teamstärke und Umsetzungskraft.»
Das Problem beginnt früher als gedacht
Der Blick über die VC-Branche hinaus zeigt, dass die Ungleichheit strukturell verankert ist. Laut dem aktuellen McKinsey-Report sind Frauen bereits im elften Jahr in Folge unterrepräsentiert – besonders in Führungspositionen, wo sie nur 29 Prozent der C-Level-Rollen besetzen.
Die Benachteiligung beginnt häufig schon auf Einstiegsebene. Während 33 Prozent der männlichen Berufseinsteiger von ihren Vorgesetzten ermutigt werden, mit Künstlicher Intelligenz zu arbeiten, sind es bei Frauen lediglich 21 Prozent. Entsprechend glauben nur 37 Prozent der Frauen auf Entry-Level, dass KI ihre Karrierechancen verbessert – im Vergleich zu 60 Prozent aller Beschäftigten.
Führungskräfte als entscheidender Hebel
Für Rakauskaitė ist klar: Die Zukunft von Diversität entscheidet sich vor allem auf Führungsebene. «Manager tragen eine enorme Verantwortung für die Entwicklung ihrer Teams – egal ob im Venture Capital, im Investmentbereich oder in Unternehmen allgemein», sagt sie. «Wenn wir Richtung 2026 blicken, reicht es nicht mehr, den Status quo nur zu hinterfragen. Wir müssen aktiv Umfelder schaffen, in denen Talente unabhängig vom Geschlecht erkannt, gefördert und weiterentwickelt werden. Genau daraus entsteht nachhaltiger Mehrwert.»
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