Narada Zürrer will mit seinem Startup NEUNOI Kinderschuhe revolutionieren. Er kombiniert Recyclingmaterialien, Reparatur und Abo-Modell. Ob er damit den Nerv einer Gesellschaft im Wandel trifft?
Kinderschuhe verschleissen schnell und die Kinder wachsen heraus, bevor sie wirklich gebraucht wurden. Für Eltern bedeuteten dies Aufwand und Abfall. Genau hier setzt Narada Zürrer an. «Ein Schuh zu reparieren ist nichts Neues», sagt er. «Durch unser Konsumverhalten geht dieses Wissen immer weiter verloren.» Mit seinem Startup NEUNOI entwickelt der 28- jährige Zürcher Kindersneakers, die repariert und im Kreislauf weitergegeben werden können. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen und Eltern gleichzeitig eine praktische Lösung zu bieten.
Von den ersten Prototypen zum Museumsexponat
Die Wurzeln liegen in seiner Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Gemeinsam mit Mitstudent Thibaut Wenger baute er 2023 basierend auf theoretischen Grundlagen und Schuh-Testings mit Kindern das erste Modell. Diese bestanden aus Reststoffen, Restleder und biologisch abbaubaren Sohlen. Auch das Innenfutter wurde aus Secondhand-Stoffen gefertigt und Löcher bei Bedarf mit Patches überdeckt. «Dieses System geht sehr schnell und ist effizient. Das Schuhhandwerk haben wir in einer sozialen Werkstatt erlernt. Und dann haben wir ihnen beigebracht, wie man unseren Schuh macht», erinnert er sich. Dadurch sind achtzehn Prototypen entstanden, jeder farbenfroh und einzigartig. «Das Landesmuseum wollte uns sogar unseren Ur-Prototypen für eine Ausstellung im 2024 abkaufen, die um das “zweite Leben der Dinge” ging. Schlussendlich erstellten wir eine 1:1 Replika, die dort als Symbol für Kreislaufwirtschaft galt und auch zentrales Thema von dutzenden Workshops mit Schulklassen war.»
Ein Abo statt Wegwerfware
Die Idee hinter NEUNOI ist simpel und wirkungsvoll: Statt Schuhe zu kaufen, können Eltern Kinderschuhe auch für monatlich 15 bis 20 Franken abonnieren. Wenn die Schuhe zu klein werden oder Löcher haben, kommen sie zurück, werden repariert und für das nächste Kind aufbereitet. Mit diesem Modell will er Eltern Aufwand ersparen, Kinderfüssen passende Schuhe bieten und gleichzeitig Ressourcen schonen. «Wir wollen zeigen, dass Konsum auch anders geht.» Die Nachfrage ist bereits da: Auf der Website gibt es eine Warteliste mit hunderten von Familien. Selbst etablierte Schuhgeschäfte haben Interesse signalisiert, beim Start dabei zu sein.
Mit Kindern für Kinder entwickelt
Von Anfang an wurden Kinder in die Gestaltung einbezogen. In Workshops und Umfragen sagten sie, welche Eigenschaften wichtig sind. Ein kleines, integriertes Geheimfach ist nur ein Beispiel dafür. Viele Kinder erklärten den NEUNOI-Schuh zu ihrem Lieblingsschuh. Zur Zielgruppe gehören aber nicht nur Kinder, sondern auch ihre Eltern. Diese bekundeten
ebenfalls Interesse am Schuh in Erwachsenengrösse, doch Zürrer will sich vorerst mit der Basis, also den Kindern, beschäftigen.
Ökologische Wirkung und gesundheitlicher Nutzen
Der ökologische Vorteil ist enorm: Bei einer Reparatur verursacht ein NEUNOI-Schuh rund eins bis zwei Kilogramm CO₂ – im Vergleich zu 10–14 Kilogramm bei einem Neukauf. «Die Reduktion der Umweltbelastung ist unser zentrales Ziel», sagt Zürrer. Gleichzeitig erforscht er in Kooperation mit dem Swiss Center for Design and Health Ansätze, wie Sohlenabrieb und Innenfussabdruck systematisch Aufschluss über Bewegung und das jeweilige Kinderwachstum geben können.
Produktion und Herausforderungen
Noch ist der Weg in die Grossproduktion steinig. Die Schaffhauser Werkstatt «Verein A», in der die ersten Prototypen entstanden, kann keine grössere Mengen herstellen. «Da der Schuh aktuell noch nicht im Handel verfügbar ist, befindet sich NEUNOI in einer anspruchsvollen Übergangsphase zur Produktion», sagt Zürrer. Gespräche und Sample-Produktionen mit europäischen und internationalen Produzenten sind bereits fortgeschritten. Doch bevor der Schuh nicht produziert ist und erste Verkäufe vorzeigbar sind, sei es schwierig, Investoren zu finden.
Langfristige Vision kombiniert Nachhaltigkeit und Handwerk
Langfristig will Zürrer die Produktion zurück in die Schweiz holen. «Ich will Welten und Traditionen verbinden: die produzierende und konsumierende Welt mit der nachhaltigen und handwerklichen», erklärt er. Sein Ziel ist es, Kinder und Eltern spielerisch für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und gleichzeitig altes Handwerkswissen auf moderne Sneakers zu übertragen. Zurzeit bildet Zürrer das Fundament für ein Crowdfunding und ist auf der Suche nach Investoren, um die Startphase und den Systemaufbau zu finanzieren. Dabei begrüsst er insbesondere Wirkungsinvestoren, die helfen, das Angebot und Konsumverhalten nachhaltig zu verändern. Die Belieferung soll im Soft Launch mit den auf der Warteliste stehenden Familien starten. Damit will Zürrer weitere Erfahrungen sammeln und letzte Anpassungen vornehmen. Durch ein zusätzliches Crowdfunding mit grösserer Kampagne will er dann mit dem richtigen Launch durchstarten.
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23 Questions mit Scewo.
Narada Zürrer will mit seinem Startup NEUNOI Kinderschuhe revolutionieren. Er kombiniert Recyclingmaterialien, Reparatur und Abo-Modell. Ob er damit den Nerv einer Gesellschaft im Wandel trifft?
Kinderschuhe verschleissen schnell und die Kinder wachsen heraus, bevor sie wirklich gebraucht wurden. Für Eltern bedeuteten dies Aufwand und Abfall. Genau hier setzt Narada Zürrer an. «Ein Schuh zu reparieren ist nichts Neues», sagt er. «Durch unser Konsumverhalten geht dieses Wissen immer weiter verloren.» Mit seinem Startup NEUNOI entwickelt der 28- jährige Zürcher Kindersneakers, die repariert und im Kreislauf weitergegeben werden können. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen und Eltern gleichzeitig eine praktische Lösung zu bieten.
Von den ersten Prototypen zum Museumsexponat
Die Wurzeln liegen in seiner Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Gemeinsam mit Mitstudent Thibaut Wenger baute er 2023 basierend auf theoretischen Grundlagen und Schuh-Testings mit Kindern das erste Modell. Diese bestanden aus Reststoffen, Restleder und biologisch abbaubaren Sohlen. Auch das Innenfutter wurde aus Secondhand-Stoffen gefertigt und Löcher bei Bedarf mit Patches überdeckt. «Dieses System geht sehr schnell und ist effizient. Das Schuhhandwerk haben wir in einer sozialen Werkstatt erlernt. Und dann haben wir ihnen beigebracht, wie man unseren Schuh macht», erinnert er sich. Dadurch sind achtzehn Prototypen entstanden, jeder farbenfroh und einzigartig. «Das Landesmuseum wollte uns sogar unseren Ur-Prototypen für eine Ausstellung im 2024 abkaufen, die um das “zweite Leben der Dinge” ging. Schlussendlich erstellten wir eine 1:1 Replika, die dort als Symbol für Kreislaufwirtschaft galt und auch zentrales Thema von dutzenden Workshops mit Schulklassen war.»
Ein Abo statt Wegwerfware
Die Idee hinter NEUNOI ist simpel und wirkungsvoll: Statt Schuhe zu kaufen, können Eltern Kinderschuhe auch für monatlich 15 bis 20 Franken abonnieren. Wenn die Schuhe zu klein werden oder Löcher haben, kommen sie zurück, werden repariert und für das nächste Kind aufbereitet. Mit diesem Modell will er Eltern Aufwand ersparen, Kinderfüssen passende Schuhe bieten und gleichzeitig Ressourcen schonen. «Wir wollen zeigen, dass Konsum auch anders geht.» Die Nachfrage ist bereits da: Auf der Website gibt es eine Warteliste mit hunderten von Familien. Selbst etablierte Schuhgeschäfte haben Interesse signalisiert, beim Start dabei zu sein.
Mit Kindern für Kinder entwickelt
Von Anfang an wurden Kinder in die Gestaltung einbezogen. In Workshops und Umfragen sagten sie, welche Eigenschaften wichtig sind. Ein kleines, integriertes Geheimfach ist nur ein Beispiel dafür. Viele Kinder erklärten den NEUNOI-Schuh zu ihrem Lieblingsschuh. Zur Zielgruppe gehören aber nicht nur Kinder, sondern auch ihre Eltern. Diese bekundeten
ebenfalls Interesse am Schuh in Erwachsenengrösse, doch Zürrer will sich vorerst mit der Basis, also den Kindern, beschäftigen.
Ökologische Wirkung und gesundheitlicher Nutzen
Der ökologische Vorteil ist enorm: Bei einer Reparatur verursacht ein NEUNOI-Schuh rund eins bis zwei Kilogramm CO₂ – im Vergleich zu 10–14 Kilogramm bei einem Neukauf. «Die Reduktion der Umweltbelastung ist unser zentrales Ziel», sagt Zürrer. Gleichzeitig erforscht er in Kooperation mit dem Swiss Center for Design and Health Ansätze, wie Sohlenabrieb und Innenfussabdruck systematisch Aufschluss über Bewegung und das jeweilige Kinderwachstum geben können.
Produktion und Herausforderungen
Noch ist der Weg in die Grossproduktion steinig. Die Schaffhauser Werkstatt «Verein A», in der die ersten Prototypen entstanden, kann keine grössere Mengen herstellen. «Da der Schuh aktuell noch nicht im Handel verfügbar ist, befindet sich NEUNOI in einer anspruchsvollen Übergangsphase zur Produktion», sagt Zürrer. Gespräche und Sample-Produktionen mit europäischen und internationalen Produzenten sind bereits fortgeschritten. Doch bevor der Schuh nicht produziert ist und erste Verkäufe vorzeigbar sind, sei es schwierig, Investoren zu finden.
Langfristige Vision kombiniert Nachhaltigkeit und Handwerk
Langfristig will Zürrer die Produktion zurück in die Schweiz holen. «Ich will Welten und Traditionen verbinden: die produzierende und konsumierende Welt mit der nachhaltigen und handwerklichen», erklärt er. Sein Ziel ist es, Kinder und Eltern spielerisch für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und gleichzeitig altes Handwerkswissen auf moderne Sneakers zu übertragen. Zurzeit bildet Zürrer das Fundament für ein Crowdfunding und ist auf der Suche nach Investoren, um die Startphase und den Systemaufbau zu finanzieren. Dabei begrüsst er insbesondere Wirkungsinvestoren, die helfen, das Angebot und Konsumverhalten nachhaltig zu verändern. Die Belieferung soll im Soft Launch mit den auf der Warteliste stehenden Familien starten. Damit will Zürrer weitere Erfahrungen sammeln und letzte Anpassungen vornehmen. Durch ein zusätzliches Crowdfunding mit grösserer Kampagne will er dann mit dem richtigen Launch durchstarten.
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