In der traditionell geprägten Reinigungsbranche treibt Soobr die Digitalisierung voran. Im Interview erklärt CEO und Mitgründer Kaspar Adank, warum es entscheidend ist, Chancen früh zu erkennen, den Fokus zu halten und konsequent an die eigene Idee zu glauben.

Kannst du uns erklären, was Soobr macht?

Soobr ist eine Software für die dynamische, bedarfsorientierte Planung, Durchführung und Kontrolle von Reinigungen. In der Branche läuft heute noch vieles manuell und auf Papier – genau hier setzen wir an. Unsere Softwareersetzt die analoge oder excel-basierte Planung und kann bequem auf mobilen Endgeräten genutzt werden. Besonders gefragt ist Soobr im Gesundheitswesen und anderen kritischen Infrastrukturen, wo effiziente und zuverlässige Reinigung entscheidend ist.

Wie seid ihr auf eure Geschäftsidee gekommen?

Alle Gründer arbeiteten zuvor im Innovationsmanagement eines Schweizer Konzerns und begleiteten neuartige Projekte und Startups. Das Thema Reinigung fiel uns auf: teuer, wenig transparent und mit viel technologischem Potenzial. Wir begannen, Belegungsdaten von Büros zu sammeln und hunderte Sensoren auszuwerten, um die Nutzungshäufigkeit von Räumen zu analysieren. Soobr plant darauf basierend, welche Räume wie oft gereinigt werden müssen.

Wie ging es weiter?

Wir gründeten mitten in der Corona-Zeit und suchten während des Shutdowns nach Investoren – was sehr herausfordernd war. Als die Büros wieder öffneten, merkten wir, dass unsere ursprüngliche Nische mit den Büroimmobilien zu klein war. Eine neue Richtung führte uns ins Gesundheitswesen – die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt.

Welche Vorstellung über die Reinigungsbranche würdest du am liebsten aus den Köpfen streichen?

Dass „Reinigungskräfte Smartphones und Tablets Geräte sowieso nicht bedienen können.“ Digitalisierung bedeutet Veränderung, und die fällt oft schwer. Doch wenn man erklärt, warum etwas passiert und wie es funktioniert, kommen die Teams schnell damit zurecht.

Was war für dich die grösste Herausforderung, als du versucht hast, ein analoges Umfeld von einer digitalen Lösung zu überzeugen?

Als First Mover gab es kaum vergleichbare Lösungen – wir mussten den Schweizer Markt erst entwickeln. Es hätte geholfen, bereits Mitbewerber als Orientierung zu haben. Um eine konservative Branche in den digitalen Wandel zu führen, braucht es viel Überzeugungskraft und Beharrlichkeit.

Ab wann hattest du das Gefühl, dass ihr wirklich im Markt angekommen seid?

Diesen Frühling, als wir mit dem Luzerner Kantonsspital ein Smart-Cleaning-Event veranstalteten – über 180 Teilnehmende aus der ganzen DACH-Region waren dabei. Da wurde mir klar, dass wir nun die Glaubwürdigkeit haben, um die Reinigungsbranche zu transformieren.

Welcher Fehler in den frühen Tagen hat sich als wertvollstes Learning herausgestellt?

Wir machen täglich Fehler. Anfangs haben wir uns oft verzettelt. Heute wissen wir: Es ist entscheidend, Nein zu sagen, sich zu fokussieren und Geduld zu haben.

Warum habt ihr euch für externe Investoren entschieden?

Wir wollten schneller wachsen, als es mit Bootstrapping möglich gewesen wäre. Unsere Business Angels bringen nicht nur Kapital, sondern auch Netzwerk und Fachwissen ein. Anders als typische VCs lassen sie uns eigenständig arbeiten und geben kritisches Feedback, wenn wir es brauchen.

Ihr seid inzwischen in mehreren europäischen Ländern aktiv. Was braucht es für eine erfolgreiche Expansion?

„People on the ground“ sind entscheidend. Das müssen nicht immer eigene Mitarbeitende sein. In Deutschland haben wir ein Tochterunternehmen, in anderen Ländern jedoch arbeiten wir mit Resellern. Deutschland ist auf den ersten Blick wie die Schweiz, doch die Kultur und die Marktgrösse machen die Expansion komplex. Während wir das Schweizer Gesundheitswesen schnell erobert haben, geht es dort deutlich langsamer voran.

Welche persönlichen Erfahrungen auf deiner Gründerreise haben dich besonders geprägt?

Die Bedeutung von Mitgründern und die Zusammensetzung des Teams. Es ist unglaublich schön zu sehen, was wir aufgebaut haben – heute sind wir 20 Mitarbeitende, und alle arbeiten für dasselbe Ziel. Die Anstrengung auf verschiedene Schultern zu verteilen, erleichtert vieles.

Was würdest du heute einem Menschen sagen, der glaubt, dass man in einer traditionellen Branche keine innovativen Unternehmen bauen kann?

Wenn du nicht daran glaubst, lass es. Aber wenn du es nie versuchst, wirst du nie wissen, ob es funktioniert hätte. Mit 20 habe ich auch nicht davon geträumt, eine Software für die Reinigung zu entwickeln, doch wenn sich eine Chance bietet, muss man sie ergreifen.

Wenn du einen Satz auf ein Plakat hängen müsstest, das alle Gründer:innen sehen: Welcher wäre das und warum?

„The main thing is to keep the main thing the main thing.“ Fokus, Fokus, Fokus. Nein sagen. Fokus ist das Einzige, das hilft, Ziele zu erreichen. Und am Ende braucht es immer auch Glück und Vertrauen in den eingeschlagenen Weg.

 


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Author: Saskia Iten

Saskia Iten
"Ich finde es eine wunderbare Aufgabe, mutige Gründer und ihre Ideen sichtbar zu machen."

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Kannst du uns erklären, was Soobr macht?

Soobr ist eine Software für die dynamische, bedarfsorientierte Planung, Durchführung und Kontrolle von Reinigungen. In der Branche läuft heute noch vieles manuell und auf Papier – genau hier setzen wir an. Unsere Softwareersetzt die analoge oder excel-basierte Planung und kann bequem auf mobilen Endgeräten genutzt werden. Besonders gefragt ist Soobr im Gesundheitswesen und anderen kritischen Infrastrukturen, wo effiziente und zuverlässige Reinigung entscheidend ist.

Wie seid ihr auf eure Geschäftsidee gekommen?

Alle Gründer arbeiteten zuvor im Innovationsmanagement eines Schweizer Konzerns und begleiteten neuartige Projekte und Startups. Das Thema Reinigung fiel uns auf: teuer, wenig transparent und mit viel technologischem Potenzial. Wir begannen, Belegungsdaten von Büros zu sammeln und hunderte Sensoren auszuwerten, um die Nutzungshäufigkeit von Räumen zu analysieren. Soobr plant darauf basierend, welche Räume wie oft gereinigt werden müssen.

Wie ging es weiter?

Wir gründeten mitten in der Corona-Zeit und suchten während des Shutdowns nach Investoren – was sehr herausfordernd war. Als die Büros wieder öffneten, merkten wir, dass unsere ursprüngliche Nische mit den Büroimmobilien zu klein war. Eine neue Richtung führte uns ins Gesundheitswesen – die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt.

Welche Vorstellung über die Reinigungsbranche würdest du am liebsten aus den Köpfen streichen?

Dass „Reinigungskräfte Smartphones und Tablets Geräte sowieso nicht bedienen können.“ Digitalisierung bedeutet Veränderung, und die fällt oft schwer. Doch wenn man erklärt, warum etwas passiert und wie es funktioniert, kommen die Teams schnell damit zurecht.

Was war für dich die grösste Herausforderung, als du versucht hast, ein analoges Umfeld von einer digitalen Lösung zu überzeugen?

Als First Mover gab es kaum vergleichbare Lösungen – wir mussten den Schweizer Markt erst entwickeln. Es hätte geholfen, bereits Mitbewerber als Orientierung zu haben. Um eine konservative Branche in den digitalen Wandel zu führen, braucht es viel Überzeugungskraft und Beharrlichkeit.

Ab wann hattest du das Gefühl, dass ihr wirklich im Markt angekommen seid?

Diesen Frühling, als wir mit dem Luzerner Kantonsspital ein Smart-Cleaning-Event veranstalteten – über 180 Teilnehmende aus der ganzen DACH-Region waren dabei. Da wurde mir klar, dass wir nun die Glaubwürdigkeit haben, um die Reinigungsbranche zu transformieren.

Welcher Fehler in den frühen Tagen hat sich als wertvollstes Learning herausgestellt?

Wir machen täglich Fehler. Anfangs haben wir uns oft verzettelt. Heute wissen wir: Es ist entscheidend, Nein zu sagen, sich zu fokussieren und Geduld zu haben.

Warum habt ihr euch für externe Investoren entschieden?

Wir wollten schneller wachsen, als es mit Bootstrapping möglich gewesen wäre. Unsere Business Angels bringen nicht nur Kapital, sondern auch Netzwerk und Fachwissen ein. Anders als typische VCs lassen sie uns eigenständig arbeiten und geben kritisches Feedback, wenn wir es brauchen.

Ihr seid inzwischen in mehreren europäischen Ländern aktiv. Was braucht es für eine erfolgreiche Expansion?

„People on the ground“ sind entscheidend. Das müssen nicht immer eigene Mitarbeitende sein. In Deutschland haben wir ein Tochterunternehmen, in anderen Ländern jedoch arbeiten wir mit Resellern. Deutschland ist auf den ersten Blick wie die Schweiz, doch die Kultur und die Marktgrösse machen die Expansion komplex. Während wir das Schweizer Gesundheitswesen schnell erobert haben, geht es dort deutlich langsamer voran.

Welche persönlichen Erfahrungen auf deiner Gründerreise haben dich besonders geprägt?

Die Bedeutung von Mitgründern und die Zusammensetzung des Teams. Es ist unglaublich schön zu sehen, was wir aufgebaut haben – heute sind wir 20 Mitarbeitende, und alle arbeiten für dasselbe Ziel. Die Anstrengung auf verschiedene Schultern zu verteilen, erleichtert vieles.

Was würdest du heute einem Menschen sagen, der glaubt, dass man in einer traditionellen Branche keine innovativen Unternehmen bauen kann?

Wenn du nicht daran glaubst, lass es. Aber wenn du es nie versuchst, wirst du nie wissen, ob es funktioniert hätte. Mit 20 habe ich auch nicht davon geträumt, eine Software für die Reinigung zu entwickeln, doch wenn sich eine Chance bietet, muss man sie ergreifen.

Wenn du einen Satz auf ein Plakat hängen müsstest, das alle Gründer:innen sehen: Welcher wäre das und warum?

„The main thing is to keep the main thing the main thing.“ Fokus, Fokus, Fokus. Nein sagen. Fokus ist das Einzige, das hilft, Ziele zu erreichen. Und am Ende braucht es immer auch Glück und Vertrauen in den eingeschlagenen Weg.

 


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