Oberhalb der Wasseroberfläche tauschen Geräte, Fahrzeuge und Infrastruktur Daten in Echtzeit aus. Darunter herrschen seit Jahrzehnten enge Grenzen. Das Zürcher Startup Subatron hat eine Technologie entwickelt, die das ändern soll.
Was unter der Oberfläche fehlt
Wer taucht, verliert den Kontakt. Wer eine Unterwasserdrohne steuert, arbeitet mit eingeschränkter Datenlage. Wer eine Offshore-Anlage oder ein Unterwasserkabel inspiziert, tut das oft mit Kommunikationsmitteln, die auf Architekturen von vor Jahrzehnten basieren. Radiofrequenzen, die über Wasser selbstverständlich sind, funktionieren unter Wasser nicht. Was bleibt, sind akustische Systeme, die vor allem für niedrige Datenraten bei kurzen Distanzen ausgelegt sind und die Realität moderner Unterwasseroperationen längst nicht mehr abdecken.
Samira Baumann ist Physikerin. Ihr Weg zur Unterwasserkommunikation führte über den FPV-Drohnensport, bei dem Piloten in Echtzeit Bild- und Steuerdaten übertragen. Unter Wasser funktioniert das nicht. Baumann begann, sich mit dem Problem zu beschäftigen und erkannte, dass das eigentliche Hindernis nicht das Wasser selbst war, sondern die Art, wie bestehende Systeme damit umgehen. Samira gründete Subatron zusammen mit Mathias Werder, der den Engineering-Hintergrund einbrachte, sowie Alissa Wyss, die einen Hintergrund in Wirtschaftsrecht mitbringt. Mathias ist heute CTO, Alissa CBO und Samira CEO.
Die Logik der Wale
Der entscheidende Gedanke kam aus der Natur. Wale und Delfine kommunizieren unter Wasser über Dutzende, teils Hunderte Kilometer per Schall. Hydrophone in der Meeresforschung können diese Signale mit bemerkenswerter Empfindlichkeit erfassen. Wenn die Natur das seit Millionen von Jahren leistet und die Technologie zum Empfang solcher Signale längst existiert, liegt das Problem nicht im Medium, sondern im System.
Subatron entwickelte daraufhin einen vollständig neuen Technology-Stack. Das bedeutet keine Optimierung bestehender Systeme, sondern eine Neuentwicklung von Grund auf. Proprietäre Transducer-Materialien, neuartige Transducer-Geometrien, eigene Elektronik und softwarebasierte Signalverarbeitungs-Algorithmen wirken als ein integriertes System zusammen. Transducer sind Wandler, die elektrische Signale in akustische Wellen umwandeln und umgekehrt. Das Ergebnis ist eine skalierbare Plattform für Unterwasserkommunikation, die deutlich höhere Datenraten bei grösseren Reichweiten ermöglicht als herkömmliche akustische Systeme.
Wo der Bedarf am grössten ist
Die vielversprechendste Anwendung ist heute die Überwachung kritischer Infrastruktur. Offshore-Energieanlagen, Unterwasserkabel, Häfen und Dämme müssen regelmässig inspiziert und gewartet werden. Wer das tut, arbeitet heute oft ohne zuverlässige Konnektivität unter Wasser. Bessere Kommunikation bedeutet hier direkt höhere Effizienz, geringere Kosten und mehr Sicherheit.
Parallel dazu zeigen professionelle Taucher grosses Interesse. Taucher stehen im Zentrum vieler Unterwasseroperationen, und die Fähigkeit, über grössere Distanzen mehr Informationen auszutauschen, verändert Koordination und Situationsbewusstsein grundlegend. Mittelfristig sieht Subatron weiteres Potenzial bei autonomen Unterwasserfahrzeugen, Verteidigungsanwendungen und Such- und Rettungseinsätzen. Seit der Gründung hat das Team mehr als 100 potenzielle Kunden, Partner und Stakeholder aus verschiedenen Sektoren kontaktiert.
Tiefbau braucht langen Atem
Venture Kick hat Subatron auf dem Weg begleitet. Die Förderung beschleunigte die Entwicklung, und das Coaching sowie das Netzwerk des Programms haben laut dem Team ebenso viel bewirkt. Venture Kick forderte das Team früh heraus, sich mit Geschäftsmodell, Kunden und Marktstrategie auseinanderzusetzen. Auch Innosuisse unterstützt das Unternehmen. Zu den Investoren und Beratern gehört Thomas Süssli, ehemaliger Chef der Schweizer Armee.
Die grösste technische Herausforderung bleibt die Validierung und Optimierung des Systems in realen Unterwasserumgebungen, wo Bedingungen stark variieren können. Kommerziell ist der Zugang zu Industriepartnern schwierig, weil Kunden im Unterwassersektor bewährte Lösungen sehen wollen, bevor sie adoptieren. Pilotprojekte sind deshalb kein Umweg, sondern der einzige Weg. Die übergeordnete Herausforderung für Deep-Tech-Unternehmen bleibt die Finanzierung. Hardware zu entwickeln und in realen Umgebungen zu validieren braucht deutlich mehr Zeit, Kapital und Geduld als Softwareunternehmen. Frühe Förderung ist in der Schweiz gut zugänglich. Wachstumskapital ist es weniger.
Wenn Subatron erfolgreich ist, tauschen Taucher, Unterwasserfahrzeuge, Sensoren und Infrastruktur Daten nahtlos und in Echtzeit aus, so wie vernetzte Systeme es über Wasser bereits tun. Das Ziel ist nicht eine bessere Version des Bestehenden, sondern ein Unterwasser, das endlich so vernetzt ist wie die Welt darüber.
Bildlegende: Samira Baumann (von links), Mathias Werder und Alissa Wyss, das Gründerteam von Subatron.
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Oberhalb der Wasseroberfläche tauschen Geräte, Fahrzeuge und Infrastruktur Daten in Echtzeit aus. Darunter herrschen seit Jahrzehnten enge Grenzen. Das Zürcher Startup Subatron hat eine Technologie entwickelt, die das ändern soll.
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Samira Baumann ist Physikerin. Ihr Weg zur Unterwasserkommunikation führte über den FPV-Drohnensport, bei dem Piloten in Echtzeit Bild- und Steuerdaten übertragen. Unter Wasser funktioniert das nicht. Baumann begann, sich mit dem Problem zu beschäftigen und erkannte, dass das eigentliche Hindernis nicht das Wasser selbst war, sondern die Art, wie bestehende Systeme damit umgehen. Samira gründete Subatron zusammen mit Mathias Werder, der den Engineering-Hintergrund einbrachte, sowie Alissa Wyss, die einen Hintergrund in Wirtschaftsrecht mitbringt. Mathias ist heute CTO, Alissa CBO und Samira CEO.
Die Logik der Wale
Der entscheidende Gedanke kam aus der Natur. Wale und Delfine kommunizieren unter Wasser über Dutzende, teils Hunderte Kilometer per Schall. Hydrophone in der Meeresforschung können diese Signale mit bemerkenswerter Empfindlichkeit erfassen. Wenn die Natur das seit Millionen von Jahren leistet und die Technologie zum Empfang solcher Signale längst existiert, liegt das Problem nicht im Medium, sondern im System.
Subatron entwickelte daraufhin einen vollständig neuen Technology-Stack. Das bedeutet keine Optimierung bestehender Systeme, sondern eine Neuentwicklung von Grund auf. Proprietäre Transducer-Materialien, neuartige Transducer-Geometrien, eigene Elektronik und softwarebasierte Signalverarbeitungs-Algorithmen wirken als ein integriertes System zusammen. Transducer sind Wandler, die elektrische Signale in akustische Wellen umwandeln und umgekehrt. Das Ergebnis ist eine skalierbare Plattform für Unterwasserkommunikation, die deutlich höhere Datenraten bei grösseren Reichweiten ermöglicht als herkömmliche akustische Systeme.
Wo der Bedarf am grössten ist
Die vielversprechendste Anwendung ist heute die Überwachung kritischer Infrastruktur. Offshore-Energieanlagen, Unterwasserkabel, Häfen und Dämme müssen regelmässig inspiziert und gewartet werden. Wer das tut, arbeitet heute oft ohne zuverlässige Konnektivität unter Wasser. Bessere Kommunikation bedeutet hier direkt höhere Effizienz, geringere Kosten und mehr Sicherheit.
Parallel dazu zeigen professionelle Taucher grosses Interesse. Taucher stehen im Zentrum vieler Unterwasseroperationen, und die Fähigkeit, über grössere Distanzen mehr Informationen auszutauschen, verändert Koordination und Situationsbewusstsein grundlegend. Mittelfristig sieht Subatron weiteres Potenzial bei autonomen Unterwasserfahrzeugen, Verteidigungsanwendungen und Such- und Rettungseinsätzen. Seit der Gründung hat das Team mehr als 100 potenzielle Kunden, Partner und Stakeholder aus verschiedenen Sektoren kontaktiert.
Tiefbau braucht langen Atem
Venture Kick hat Subatron auf dem Weg begleitet. Die Förderung beschleunigte die Entwicklung, und das Coaching sowie das Netzwerk des Programms haben laut dem Team ebenso viel bewirkt. Venture Kick forderte das Team früh heraus, sich mit Geschäftsmodell, Kunden und Marktstrategie auseinanderzusetzen. Auch Innosuisse unterstützt das Unternehmen. Zu den Investoren und Beratern gehört Thomas Süssli, ehemaliger Chef der Schweizer Armee.
Die grösste technische Herausforderung bleibt die Validierung und Optimierung des Systems in realen Unterwasserumgebungen, wo Bedingungen stark variieren können. Kommerziell ist der Zugang zu Industriepartnern schwierig, weil Kunden im Unterwassersektor bewährte Lösungen sehen wollen, bevor sie adoptieren. Pilotprojekte sind deshalb kein Umweg, sondern der einzige Weg. Die übergeordnete Herausforderung für Deep-Tech-Unternehmen bleibt die Finanzierung. Hardware zu entwickeln und in realen Umgebungen zu validieren braucht deutlich mehr Zeit, Kapital und Geduld als Softwareunternehmen. Frühe Förderung ist in der Schweiz gut zugänglich. Wachstumskapital ist es weniger.
Wenn Subatron erfolgreich ist, tauschen Taucher, Unterwasserfahrzeuge, Sensoren und Infrastruktur Daten nahtlos und in Echtzeit aus, so wie vernetzte Systeme es über Wasser bereits tun. Das Ziel ist nicht eine bessere Version des Bestehenden, sondern ein Unterwasser, das endlich so vernetzt ist wie die Welt darüber.




