«Wir stärken das Bauchgefühl, wir ersetzen es nicht»

Ob ein Film zum Erfolg wird, entscheidet oft das Bauchgefühl, obwohl jedes Projekt Millionen kostet. Largo AI legt Daten neben diese Intuition. Der EPFL-Spin-off sichert Entscheidungen ab, ohne die Kreativität zu verdrängen.

Ein Film ist immer auch eine Wette. Ob ein Projekt zum Erfolg oder zum Flop wird, lässt sich selten voraussagen. Zudem verschlingt bereits ein einzelner Film hohe Investitionen. Entscheidungen werden traditionell aus Erfahrung, Intuition und Bauchgefühl getroffen. Das hat die Filmwelt weit gebracht, doch an einem Projekt hängen viele Entscheidungen und Beteiligte. Gerade in der frühen Entwicklung eines Stoffs fehlt oft eine nüchterne Perspektive neben dem Gefühl.

Diese Lücke fiel Sami Arpa auf, als er selbst Filme machte. Beim Entwickeln eigener Projekte traf er immer wieder Entscheidungen mit einem klaren Ziel: Erfolg. Sei es ein grosses Publikum, ein Festivalweg oder Auszeichnungen. Daten könnten solche Entscheidungen stützen, ohne vorzugeben, wie ein Stoff zu entwickeln ist. Als er 2017 über Largo nachzudenken begann, war KI in der Filmbranche noch kein Thema.

Zwei Wege zur Vorhersage

Aus dieser Erkenntnis entstand Largo AI, ein Spin-off der EPFL in Lausanne. Wichtig war Sami von Beginn an eine Unterscheidung. Largo betreibt kein datengetriebenes Filmemachen, sondern ein datengestütztes. Die Software soll nicht vorgeben, welche Entscheidung richtig ist, sondern den kreativen Prozess mit Einblicken stärken. Ein Leitsatz lautet, das Bauchgefühl zu stärken, statt es zu ersetzen.

Largo arbeitet auf zwei Wegen. Der erste stützt sich auf vergangene Inhalte. Das System lernt aus Zusammenfassungen von Filmen, aus den Reaktionen des Publikums und aus den Leistungen der Besetzung. Weil sich der Geschmack von Land zu Land unterscheidet, entstehen diese Modelle lokal. Der zweite Weg führt direkt zum Publikum. Largo bildet simulierte Fokusgruppen aus digitalen Zwillingen echter Menschen, gestützt auf Verhaltensbefragungen. Ihnen kann eine neue Idee vorgelegt werden, um mögliche Reaktionen abzuschätzen.

Die Einblicke fallen in drei Bereiche. Der erste betrifft den Inhalt und das Erzählen. Ähnlich einer Partitur zeigt Largo, wie sich Genres über die Geschichte entwickeln und welche Emotionen zu erwarten sind. Der zweite betrifft Figuren und Talente. Das System verfolgt die Dynamik der Hauptfiguren und gleicht Schauspieler mit ihren früheren Rollen ab. Was sonst das Casting leistet, die Auswahl passender Talente, gelingt so über Millionen von Namen und wird zu konkreten Shortlists verdichtet. Der dritte betrifft Publikum und Finanzen, von der erwarteten Zuschauerzahl bis zu Prognosen für Kino und Streaming.

Vom falschen zum richtigen Wort

Am Anfang stiess Largo auf grossen Widerstand. Die Branche lebt von Kreativität, und viele fürchteten, ein externes Werkzeug nehme ihnen diese aus der Hand. Eine Lehre betrifft die Sprache. Largo sprach zuerst von datengetriebenem Filmemachen und wechselte rasch zu datengestütztem, weil das Werkzeug nicht steuert, sondern assistiert. Die zweite Lehre ist die Nähe zur Branche. Largo bietet Selbstbedienungswerkzeuge an, pflegt aber über eigene Account-Manager enge Beziehungen zu seinen Kunden.

Anders als Werkzeuge, die Inhalte selbst erzeugen, greift Largo nicht in die Produktion ein und wirkt so für Filmschaffende weniger bedrohlich. Verdient wird mit einem Abo-Modell. Zu den Kunden zählen Produktionsfirmen, von denen es weltweit tausende gibt, sowie grosse Studios und Sender. Weil auch Werbung eine Form des Erzählens ist, arbeitet Largo zudem mit Marken. Forschung und Führung sitzen in der Schweiz, die Vertriebsteams in Lausanne und London, nah an den Kunden in Nordamerika und Westeuropa.

Aus der Küche der Branche

Dass Largo an der Schnittstelle von Technik und Film entstand, hat mit Samis Werdegang zu tun. Er promovierte an der EPFL zu computergestützter Ästhetik und verband stets Wissenschaft und Kunst, etwa das Verstehen und Erzeugen von Kunst mit Algorithmen. Zugleich stand er auf der kreativen Seite, besuchte Kurse einer Filmschule und arbeitete als Regisseur und Produzent. Er kennt die Küche der Filmindustrie von innen und verbindet in Largo das Wissen beider Disziplinen.

Samis Blick reicht über das einzelne Projekt hinaus. In der Filmbranche gibt es viel Gatekeeping, also Hürden beim Zugang zur Branche, die kreative Ideen und Talente bisweilen blockieren. Zugleich, sagt er, verdiene die Branche höchste Anerkennung für das, was sie an Erzählkunst und Handwerk erreicht hat. Auf diesem Fundament will Largo aufbauen. Datengestützte Einblicke sollen den Zugang öffnen, damit mehr begabte Menschen ihre Ideen verwirklichen können. Largo sieht sich als früher Wegbereiter einer Bewegung, die über das eigene Unternehmen hinausgeht.

Am Anfang stand die Wette, die jeder Film bleibt, und das Bauchgefühl, das über Erfolg oder Misserfolg mitentscheidet. Largo will dieses Gefühl nicht abschaffen. Es legt Daten daneben, damit aus einer Ahnung eine begründete Wahl wird. Und damit am Ende nicht nur durchkommt, wer die Türen ohnehin schon kennt.

Bildlegende: Gründer Sami Arpa

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Niwes Willner
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Ob ein Film zum Erfolg wird, entscheidet oft das Bauchgefühl, obwohl jedes Projekt Millionen kostet. Largo AI legt Daten neben diese Intuition. Der EPFL-Spin-off sichert Entscheidungen ab, ohne die Kreativität zu verdrängen.

Ein Film ist immer auch eine Wette. Ob ein Projekt zum Erfolg oder zum Flop wird, lässt sich selten voraussagen. Zudem verschlingt bereits ein einzelner Film hohe Investitionen. Entscheidungen werden traditionell aus Erfahrung, Intuition und Bauchgefühl getroffen. Das hat die Filmwelt weit gebracht, doch an einem Projekt hängen viele Entscheidungen und Beteiligte. Gerade in der frühen Entwicklung eines Stoffs fehlt oft eine nüchterne Perspektive neben dem Gefühl.

Diese Lücke fiel Sami Arpa auf, als er selbst Filme machte. Beim Entwickeln eigener Projekte traf er immer wieder Entscheidungen mit einem klaren Ziel: Erfolg. Sei es ein grosses Publikum, ein Festivalweg oder Auszeichnungen. Daten könnten solche Entscheidungen stützen, ohne vorzugeben, wie ein Stoff zu entwickeln ist. Als er 2017 über Largo nachzudenken begann, war KI in der Filmbranche noch kein Thema.

Zwei Wege zur Vorhersage

Aus dieser Erkenntnis entstand Largo AI, ein Spin-off der EPFL in Lausanne. Wichtig war Sami von Beginn an eine Unterscheidung. Largo betreibt kein datengetriebenes Filmemachen, sondern ein datengestütztes. Die Software soll nicht vorgeben, welche Entscheidung richtig ist, sondern den kreativen Prozess mit Einblicken stärken. Ein Leitsatz lautet, das Bauchgefühl zu stärken, statt es zu ersetzen.

Largo arbeitet auf zwei Wegen. Der erste stützt sich auf vergangene Inhalte. Das System lernt aus Zusammenfassungen von Filmen, aus den Reaktionen des Publikums und aus den Leistungen der Besetzung. Weil sich der Geschmack von Land zu Land unterscheidet, entstehen diese Modelle lokal. Der zweite Weg führt direkt zum Publikum. Largo bildet simulierte Fokusgruppen aus digitalen Zwillingen echter Menschen, gestützt auf Verhaltensbefragungen. Ihnen kann eine neue Idee vorgelegt werden, um mögliche Reaktionen abzuschätzen.

Die Einblicke fallen in drei Bereiche. Der erste betrifft den Inhalt und das Erzählen. Ähnlich einer Partitur zeigt Largo, wie sich Genres über die Geschichte entwickeln und welche Emotionen zu erwarten sind. Der zweite betrifft Figuren und Talente. Das System verfolgt die Dynamik der Hauptfiguren und gleicht Schauspieler mit ihren früheren Rollen ab. Was sonst das Casting leistet, die Auswahl passender Talente, gelingt so über Millionen von Namen und wird zu konkreten Shortlists verdichtet. Der dritte betrifft Publikum und Finanzen, von der erwarteten Zuschauerzahl bis zu Prognosen für Kino und Streaming.

Vom falschen zum richtigen Wort

Am Anfang stiess Largo auf grossen Widerstand. Die Branche lebt von Kreativität, und viele fürchteten, ein externes Werkzeug nehme ihnen diese aus der Hand. Eine Lehre betrifft die Sprache. Largo sprach zuerst von datengetriebenem Filmemachen und wechselte rasch zu datengestütztem, weil das Werkzeug nicht steuert, sondern assistiert. Die zweite Lehre ist die Nähe zur Branche. Largo bietet Selbstbedienungswerkzeuge an, pflegt aber über eigene Account-Manager enge Beziehungen zu seinen Kunden.

Anders als Werkzeuge, die Inhalte selbst erzeugen, greift Largo nicht in die Produktion ein und wirkt so für Filmschaffende weniger bedrohlich. Verdient wird mit einem Abo-Modell. Zu den Kunden zählen Produktionsfirmen, von denen es weltweit tausende gibt, sowie grosse Studios und Sender. Weil auch Werbung eine Form des Erzählens ist, arbeitet Largo zudem mit Marken. Forschung und Führung sitzen in der Schweiz, die Vertriebsteams in Lausanne und London, nah an den Kunden in Nordamerika und Westeuropa.

Aus der Küche der Branche

Dass Largo an der Schnittstelle von Technik und Film entstand, hat mit Samis Werdegang zu tun. Er promovierte an der EPFL zu computergestützter Ästhetik und verband stets Wissenschaft und Kunst, etwa das Verstehen und Erzeugen von Kunst mit Algorithmen. Zugleich stand er auf der kreativen Seite, besuchte Kurse einer Filmschule und arbeitete als Regisseur und Produzent. Er kennt die Küche der Filmindustrie von innen und verbindet in Largo das Wissen beider Disziplinen.

Samis Blick reicht über das einzelne Projekt hinaus. In der Filmbranche gibt es viel Gatekeeping, also Hürden beim Zugang zur Branche, die kreative Ideen und Talente bisweilen blockieren. Zugleich, sagt er, verdiene die Branche höchste Anerkennung für das, was sie an Erzählkunst und Handwerk erreicht hat. Auf diesem Fundament will Largo aufbauen. Datengestützte Einblicke sollen den Zugang öffnen, damit mehr begabte Menschen ihre Ideen verwirklichen können. Largo sieht sich als früher Wegbereiter einer Bewegung, die über das eigene Unternehmen hinausgeht.

Am Anfang stand die Wette, die jeder Film bleibt, und das Bauchgefühl, das über Erfolg oder Misserfolg mitentscheidet. Largo will dieses Gefühl nicht abschaffen. Es legt Daten daneben, damit aus einer Ahnung eine begründete Wahl wird. Und damit am Ende nicht nur durchkommt, wer die Türen ohnehin schon kennt.

Bildlegende: Gründer Sami Arpa

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