Hamerly bringt Ordnung auf die Baustelle

Bianca Müller (links) und Elaine Holl, Co-Gründer von Hamerly

WhatsApp, Papierzettel und Sprachbarrieren sorgen auf Baustellen oft für Missverständnisse. Mit Hamerly haben Elaine Holl und Bianca Müller ein digitales Tool entwickelt, das Kommunikation einfacher macht – und bewusst nicht wie klassische Bausoftware funktionieren soll.

Elaine Holl und ihre Mitgründerin Bianca Müller haben sich bei einem Dinner in Berlin kennengelernt. Die Geschäftsidee entstand allerdings erst später. Ein erstes gemeinsames Projekt verlief nicht wie erhofft. Doch vielleicht musste das so sein. Denn die nächste Idee scheint abzuheben: Die Idee zu Hamerly.

Der entscheidende Impuls kam aus ihrer Nähe zur Baubranche. Bianca führt ein Bauunternehmen und hat bereits mehrere Wohnprojekte realisiert. Elaine wiederum ist mit einer Baufirma in der Familie aufgewachsen und kennt viele Abläufe aus den Familiengesprächen. Immer wieder trat dasselbe Problem auf: Informationen verschwanden zwischen Telefonaten, WhatsApp-Nachrichten und Papiernotizen. Entscheidungen liessen sich später kaum noch nachvollziehen.

Aus ersten eigenen Programmierungen entwickelte sich Schritt für Schritt Hamerly. Gleichzeitig analysierten die Gründerinnen bestehende Lösungen und fragten sich, weshalb insbesondere kleine und mittlere Bauunternehmen diese Lösungen kaum einsetzen.

Die grösste Baustelle ist oft die Kommunikation

Überrascht haben die Gründerinnen vor allem, wie unterschiedlich weit die Digitalisierung auf Baustellen bereits fortgeschritten ist.

 «Junge Unternehmen sind viel offener für digitale Lösungen, als wir ursprünglich erwartet hatten.» Gleichzeitig erleben sie täglich, wie stark die Kommunikation noch immer fragmentiert ist. «Viele Menschen sind mit der Dokumentation schlicht überfordert. Statt überall Zettel zusammensuchen zu müssen, kann heute einfach ein Protokoll heruntergeladen werden.» Genau hier setzt das Unternehmen an: Informationen sollen zentral verfügbar sein und nicht in unterschiedlichen Kanälen verloren gehen.

Verschiedene Sprachen sollen auf der Baustelle kein Hindernis sein

Ein besonders häufig gelobtes Feature entstand aus einem alltäglichen Problem auf Baustellen: Sprachbarrieren. Lädt ein Bauleiter einen Hinweis oder eine Aufgabe hoch, können Mitarbeitende diese direkt in ihrer Muttersprache lesen. «So können wir sicherstellen, dass Anweisungen wirklich verstanden werden.» Ebenso gross sei der Wunsch vieler Kunden gewesen, das allgegenwärtige WhatsApp-Chaos abzulösen.

Die Weiterentwicklung des Produkts orientiert sich dabei konsequent am Nutzerfeedback. Ein HR-Modul entstand auf Kundenwunsch als kostenpflichtiges Add-on. Für Unternehmen im Brückenbau befindet sich derzeit ein digitales Sicherheitsprotokoll in der Beta-Phase.

Welche Funktionen tatsächlich entwickelt werden, entscheiden die Gründerinnen pragmatisch. «Wir fragen andere Kunden, ob sie denselben Bedarf haben – und hören auch auf unser Bauchgefühl.»

Product-Market-Fit ist noch nicht am Endpunkt

Die Schärfung des Product-Market-Fits sei noch im vollen Gange. «Das ist für uns noch immer ein Prozess. Bauunternehmen arbeiten sehr unterschiedlich. Deshalb müssen wir ständig überlegen, wo wir das Produkt schärfen und welche Funktionen wirklich Sinn ergeben», sagt Elaine Holl bewusst vorsichtig.

Was aber bereits jetzt klar ist: Der Weg von der Idee zu einem marktfähigen Produkt war kurz: «Vor einem Jahr hätten wir nie gedacht, dass wir einmal eine eigene Firma aufbauen und ein Produkt entwickeln würden, das Menschen wirklich nutzen wollen.» Aus dieser Erfahrung heraus kommt wohl auch ihr Rat an anstehende Gründerinnen und Gründer: «Einfach durchziehen. Wenn du selbst daran glaubst, solltest du es ausprobieren. Sonst fragst du dich später immer, was gewesen wäre.»

Jedes Feedback hilft auf dem Weg nach vorne

Elaine und Bianca haben immer wieder anhören müssen, dass ihre Idee nicht funktionieren würde. «Wir haben uns aber nie hinterfragt, sondern waren überzeugt, dass es etwas ist, das Unternehmen brauchen können. Reine Negativität konnten wir gut ausblenden und für echtes Feedback sind wir beide stets sehr offen und dankbar. So können wir nur besser werden. Wir nehmen es nicht als Kritik wahr, sondern als Chance, besser zu werden.» Kritik war jedoch nie gegen sie als zwei junge Frauen in einer männlichen Domäne gerichtet, sondern generell gegen das Gründen oder die Tatsache, dass sie als Freundinnen gegründet hatten. «Viele haben uns gesagt, dass man nicht mit Freunden gründen sollte. Für uns funktioniert es aber sehr gut. Wir freuen uns jeden Tag, gemeinsam etwas aufzubauen.»

Wachstum mit klarem Fokus

Beim Vertrieb setzte Hamerly zunächst vollständig auf das eigene Netzwerk. Inzwischen unterstützt ein Freelancer die Kaltakquise in Deutschland, während Bianca den Schweizer Markt betreut. Gespräche mit potenziellen Kunden führen die Gründerinnen weiterhin selbst.

Als wichtigste Kennzahl verfolgen sie die Anzahl der aktiven Projekte auf der Plattform. Bis Ende Jahr soll diese deutlich wachsen; mittelfristig liegt das Ziel zwischen 1000 und 2000 Projekten. Das Unternehmen wird derzeit von einer Investorin finanziert. Ob eine weitere Finanzierungsrunde notwendig wird oder das kommende Wachstum mit Bootstrapping realisiert werden kann, soll das laufende Jahr zeigen.

Im Wettbewerb sieht sich das Startup insbesondere etablierten Plattformen wie PlanRadar gegenüber. Aus Sicht der Gründerinnen machen jedoch nicht nur die Einfachheit des Produkts, sondern auch das Preismodell den Unterschied. Während viele Anbieter pro Nutzer abrechnen, setzt Hamerly auf eine feste Basislizenz für 99 Franken pro Jahr.

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WhatsApp, Papierzettel und Sprachbarrieren sorgen auf Baustellen oft für Missverständnisse. Mit Hamerly haben Elaine Holl und Bianca Müller ein digitales Tool entwickelt, das Kommunikation einfacher macht – und bewusst nicht wie klassische Bausoftware funktionieren soll.

Elaine Holl und ihre Mitgründerin Bianca Müller haben sich bei einem Dinner in Berlin kennengelernt. Die Geschäftsidee entstand allerdings erst später. Ein erstes gemeinsames Projekt verlief nicht wie erhofft. Doch vielleicht musste das so sein. Denn die nächste Idee scheint abzuheben: Die Idee zu Hamerly.

Der entscheidende Impuls kam aus ihrer Nähe zur Baubranche. Bianca führt ein Bauunternehmen und hat bereits mehrere Wohnprojekte realisiert. Elaine wiederum ist mit einer Baufirma in der Familie aufgewachsen und kennt viele Abläufe aus den Familiengesprächen. Immer wieder trat dasselbe Problem auf: Informationen verschwanden zwischen Telefonaten, WhatsApp-Nachrichten und Papiernotizen. Entscheidungen liessen sich später kaum noch nachvollziehen.

Aus ersten eigenen Programmierungen entwickelte sich Schritt für Schritt Hamerly. Gleichzeitig analysierten die Gründerinnen bestehende Lösungen und fragten sich, weshalb insbesondere kleine und mittlere Bauunternehmen diese Lösungen kaum einsetzen.

Die grösste Baustelle ist oft die Kommunikation

Überrascht haben die Gründerinnen vor allem, wie unterschiedlich weit die Digitalisierung auf Baustellen bereits fortgeschritten ist.

 «Junge Unternehmen sind viel offener für digitale Lösungen, als wir ursprünglich erwartet hatten.» Gleichzeitig erleben sie täglich, wie stark die Kommunikation noch immer fragmentiert ist. «Viele Menschen sind mit der Dokumentation schlicht überfordert. Statt überall Zettel zusammensuchen zu müssen, kann heute einfach ein Protokoll heruntergeladen werden.» Genau hier setzt das Unternehmen an: Informationen sollen zentral verfügbar sein und nicht in unterschiedlichen Kanälen verloren gehen.

Verschiedene Sprachen sollen auf der Baustelle kein Hindernis sein

Ein besonders häufig gelobtes Feature entstand aus einem alltäglichen Problem auf Baustellen: Sprachbarrieren. Lädt ein Bauleiter einen Hinweis oder eine Aufgabe hoch, können Mitarbeitende diese direkt in ihrer Muttersprache lesen. «So können wir sicherstellen, dass Anweisungen wirklich verstanden werden.» Ebenso gross sei der Wunsch vieler Kunden gewesen, das allgegenwärtige WhatsApp-Chaos abzulösen.

Die Weiterentwicklung des Produkts orientiert sich dabei konsequent am Nutzerfeedback. Ein HR-Modul entstand auf Kundenwunsch als kostenpflichtiges Add-on. Für Unternehmen im Brückenbau befindet sich derzeit ein digitales Sicherheitsprotokoll in der Beta-Phase.

Welche Funktionen tatsächlich entwickelt werden, entscheiden die Gründerinnen pragmatisch. «Wir fragen andere Kunden, ob sie denselben Bedarf haben – und hören auch auf unser Bauchgefühl.»

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Was aber bereits jetzt klar ist: Der Weg von der Idee zu einem marktfähigen Produkt war kurz: «Vor einem Jahr hätten wir nie gedacht, dass wir einmal eine eigene Firma aufbauen und ein Produkt entwickeln würden, das Menschen wirklich nutzen wollen.» Aus dieser Erfahrung heraus kommt wohl auch ihr Rat an anstehende Gründerinnen und Gründer: «Einfach durchziehen. Wenn du selbst daran glaubst, solltest du es ausprobieren. Sonst fragst du dich später immer, was gewesen wäre.»

Jedes Feedback hilft auf dem Weg nach vorne

Elaine und Bianca haben immer wieder anhören müssen, dass ihre Idee nicht funktionieren würde. «Wir haben uns aber nie hinterfragt, sondern waren überzeugt, dass es etwas ist, das Unternehmen brauchen können. Reine Negativität konnten wir gut ausblenden und für echtes Feedback sind wir beide stets sehr offen und dankbar. So können wir nur besser werden. Wir nehmen es nicht als Kritik wahr, sondern als Chance, besser zu werden.» Kritik war jedoch nie gegen sie als zwei junge Frauen in einer männlichen Domäne gerichtet, sondern generell gegen das Gründen oder die Tatsache, dass sie als Freundinnen gegründet hatten. «Viele haben uns gesagt, dass man nicht mit Freunden gründen sollte. Für uns funktioniert es aber sehr gut. Wir freuen uns jeden Tag, gemeinsam etwas aufzubauen.»

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Beim Vertrieb setzte Hamerly zunächst vollständig auf das eigene Netzwerk. Inzwischen unterstützt ein Freelancer die Kaltakquise in Deutschland, während Bianca den Schweizer Markt betreut. Gespräche mit potenziellen Kunden führen die Gründerinnen weiterhin selbst.

Als wichtigste Kennzahl verfolgen sie die Anzahl der aktiven Projekte auf der Plattform. Bis Ende Jahr soll diese deutlich wachsen; mittelfristig liegt das Ziel zwischen 1000 und 2000 Projekten. Das Unternehmen wird derzeit von einer Investorin finanziert. Ob eine weitere Finanzierungsrunde notwendig wird oder das kommende Wachstum mit Bootstrapping realisiert werden kann, soll das laufende Jahr zeigen.

Im Wettbewerb sieht sich das Startup insbesondere etablierten Plattformen wie PlanRadar gegenüber. Aus Sicht der Gründerinnen machen jedoch nicht nur die Einfachheit des Produkts, sondern auch das Preismodell den Unterschied. Während viele Anbieter pro Nutzer abrechnen, setzt Hamerly auf eine feste Basislizenz für 99 Franken pro Jahr.

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